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"Scheiße geschwommen"
Deutschlands erster Synchronschwimmer nach WM-Debüt frustriert

Fotos: Niklas Stoepel startet im Synchronschwimmen bei WM
Fotos: Niklas Stoepel startet im Synchronschwimmen bei WM FOTO: dpa, ahe jai
Budapest. Niklas Stoepel hat seine langersehnte WM-Premiere gefeiert. Der einzige deutsche Synchronschwimmer bricht nun auch international in eine Frauendomäne ein. Dabei lief aber nicht alles nach Plan.

Mit Dreitagebart und Glatze wirkte Niklas Stoepel wie ein Exot in der Sportart der glitzernden Badeanzüge, der Gelatine im Haar und dicken Schminke im Gesicht. Und auch mit seinen deutlichen Worten passte der einzige deutsche Synchronschwimmer bei seiner langersehnten WM-Premiere nicht so recht in das elegante Ambiente. "Wir sind scheiße geschwommen. Wir sind als Sportler hier und nicht als Touristen", schimpfte der Bochumer nach dem Finale der Technischen Kür im gemischten Duett mit seiner Partnerin Amelie Ebert.

Der zweite Auftritt im Freiluftstadion am Budapester Heldenplatz war am Montag nicht wie gewünscht gelungen. Mit 70,3147 Punkten behauptete das deutsche Duo zwar den achten Platz aus dem Vorkampf, bekam aber gut zwei Wertungszähler weniger als beim Debüt zwei Tage zuvor. Als der erste Ärger verraucht war, überwog aber doch die Freude: "Emotional war das erste Finale etwas ganz Besonderes."

Stoepel war endlich da angekommen, wo er immer hinwollte. "In Deutschland und im Verein fühle ich mich schon längst voll aufgenommen. Jetzt ist es auch international so", sagte der 25-Jährige: "Ich glaube, man merkt, dass da bisher was gefehlt hat." Jahrelang war der Maschinenbaustudent allein unter Frauen bei deutschen Meisterschaften mitgeschwommen, als Einziger ungeschminkt in Badehose - in der Gruppe, in der Kombination, mit neun Schwimmerinnen um sich herum.

Nur bei einer WM durfte Stoepel nicht starten, "diskriminierend" fand er das. Als vor zwei Jahren in Kasan mit dem Mixed Duett die Sportart für Männer geöffnet wurde, musste er noch daheim am Fernseher zuschauen, weil er mitten im Studium steckte. Jetzt erfüllte sich endlich sein Traum. In dunkelblauer Badehose sprang er mit Ebert ins Becken im Budapester Stadtpark - dort, wo im Winter Eisläufer ihre Runden drehen.

Das Highlight kommt aber erst mit der Freien Kür am Freitag und Samstag. "Wir erzählen eine Geschichte von einem Paar, das sich erst trennt und am Ende wieder zusammenkommt", erklärte Stoepel: "Das kann man mit Frauen schlechter erzählen." Das gemischte Duett sieht er nicht als "Konkurrenz zu den Frauen, sondern als Ergänzung - ähnlich wie beim Eiskunstlaufen". Es sollte nur "ein erster Schritt" sein, sagt Stoepel: "In der Kombination könnten Männer viel mehr Highlights setzen." Aber es bleibt noch die letzte Bastion: Bei Olympischen Spielen ist Synchronschwimmen noch immer Frauensache - wie sonst nur noch die Rhythmische Sportgymnastik.

In Deutschland ist die Sportart nach der Leistungssportreform nicht mehr förderungswürdig. Das trifft auch Stoepels Partnerin Ebert: "Ihre Sportförderung wurde jetzt gestrichen." Wie es weitergeht, ist offen: "Finanziell wird es knapp, und es ist fraglich, ob wir das nochmal machen. Das ist traurig, leider." Die WM-Premiere könnte also auch gleich das Ende eines langen Weges gewesen sein.

(sid)
 
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