| 12.10 Uhr

Russland soll betrogen haben
Dopingforscher hält Sotschi-Szenarien für denkbar

Olympische Spiele in Sotschi: Forscher hält Manipulationen für denkbar
Mario Thevis war in Sotschi dabei und kann sich vorstellen, dass Russland manipuliert hat. FOTO: Imago
Mario Thevis, Dopingforscher an der Deutschen Sporthochschule in Köln, gehörte zu den 20 Experten, die während der Olympischen Winterspiele 2014 am Schwarzen Meer für das internationale Dopinglabor arbeiteten. Und er hält Manipulationen von Dopingproben für denkbar.

"Wenn das systematisch und mit entsprechenden Ressourcen langfristig vorbereitet wird, dann ist ein solches Szenario denkbar", sagte Thevis dem Sport-Informations-Dienst. Die russischen Gastgeber hatten auf dem Olympiagelände extra ein neues Gebäude errichtet, in dem die Dopingproben analysiert wurden.

Wie die "New York Times" berichtete, sollen Dutzende russische Sportler – davon mindestens 15 Medaillengewinner – in Sotschi gedopt gewesen sein. Leiter des Labors in Sotschi war Gregori Rodtschenkow, der sich mittlerweile in die USA abgesetzt hat und der "New York Times" vom staatlich verordneten Doping in Sotschi berichtete.

Die Manipulationen sollen von langer Hand geplant gewesen sein. Die Dopingpraktiken wurden in nächtlichen Aktionen vertuscht, Urinproben ausgetauscht. Die Proben sollen durch ein Loch in der Wand in einen als Abstellkammer deklarierten Raum weitergereicht worden sein. Dort sei es nachts zu Manipulationen gekommen, so Rodtschenkow.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte nach den Spielen in Sotschi festgestellt, dass es keine Auffälligkeiten bei der Arbeit rund um die Dopingkontrollen gegeben habe. Insgesamt wurden acht positive Fälle registriert, darunter auch der Fall der deutschen Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle.

Mittlerweile wird diskutiert, ob die Dopingproben von Sotschi für nachträgliche Untersuchungen wieder geöffnet werden sollen. Die Proben werden insgesamt zehn Jahre aufbewahrt.

Das IOC hatte extra internationale Experten in das Sotschi-Labor beordert, die den Ablauf kontrollieren sollten. Allerdings besaßen die meisten Experten nur Akkreditierungen für spezielle Büros und Labors und hatten keine Einblicke in das Gesamtprozedere. Für die Codierung der Proben waren in der Regel andere Mitarbeiter zuständig als für die Analysen, sodass ein Vertauschen von Proben durchaus möglich war.

(sid)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Olympische Spiele in Sotschi: Forscher hält Manipulationen für denkbar


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.