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Paracycling
Verband vergisst, Olympiasiegerin für WM zu nominieren

Paracycling WM 2017: Verband vergisst, Christiane Reppe zu nominieren
Christiane Reppe kann bei der WM wegen eines menschlichen Fehlers nicht starten. FOTO: Imago
Düsseldorf. Christiane Reppe ist amtierende Olympiasiegerin im Paracycling, dem Radsport für körperlich eingeschränkte Sportler. Reppe ist auch amtierende Weltmeisterin, beides im Straßenrennen mit dem Handbike. Aber die 30-Jährige wird bei der am 31. August beginnenden WM in Südafrika ihren Titel nicht verteidigen können. Von Stefan Klüttermann

Nicht weil sie verletzt wäre. Oder krank. Oder nicht in Form. Nein: Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) hat schlicht vergessen, die Dresdnerin für die Titelkämpfe zu melden. "Ja, dem ist so, und es ist ein ganz blöder, menschlicher Fehler", teilte eine Sprecherin des BDS auf Anfrage unserer Redaktion mit.

In der Nominierungsliste des BDS habe Reppes Name noch gestanden, aber beim Übertragen des 18-köpfigen deutschen Teams in die Online-Melde-Maske des Radsport-Weltverbandes UCI sei sie dann vergessen worden, hieß es vom BDR weiter. "Es war alles vorbereitet, Flüge, Hotel, alles war für Christiane gebucht", erklärte die Sprecherin. Reppe, der mit fünf Jahren wegen eines Tumors das rechte Bein hatte amputiert werden müssen, schrieb derweil bei Facebook: "Nachdem es für mich in diesem Jahr mehr als gut lief, ich insgesamt 4 Weltcupsiege erzielen konnte und mich damit für die Weltmeisterschaft qualifiziert habe, ist heute ein sehr schwarzer Tag für mich." Es ist ein Profil, auf dem sie in den Wochen zuvor unzählige Fotos und Beiträge zu ihren Trainingseinheiten gepostet hatte. Immer gut gelaunt. Immer das große Ziel WM vor Augen. Die Spannung stieg, die Vorfreude auch.

Doch aus dem Start wird nun nichts – am Ende auch, weil "die UCI leider nicht bereit ist, eine amtierende Weltmeisterin nachzumelden", wie Reppe klagte. "Das stimmt", teilte der BDS mit, "wir haben seit einer Woche mit allen Mitteln versucht, die UCI dazu zu bewegen, Christiane nachnominieren zu können. Aber dort beruft man sich auf sein Reglement." Da half auch kein Fürsprechen des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR). Sogar die Teams aus Russland und der Schweiz, aus der Reppes zwei Kontrahentinnen in der Startklasse WH4 stammen, legten sich für ihre Nachnominierung ins Zeug. Alles vergebens.

Eines sei klar, teilte der Deutsche Behindertensportverband mit: Nachteile bei der Sportförderung oder bei der Fortführung der Dualen Karriere entstünden für Reppe natürlich nicht. Selbst wenn sie bei der WM nun keinen Leistungsnachweis erbringen kann. Reppe wird trotz der großen Enttäuschung mitfliegen nach Südafrika und das deutsche Team unterstützen. "Das Leben spielt dir manchmal Streiche und testet dich auf den verschiedensten Wegen. Ich werde definitiv mein Lachen nicht verlieren, weiterhin an das Gute glauben und positiv in Zukunft blicken!", ließ sie wissen.

Und wer weiß, vielleicht lenkt die UCI ja kurz vor WM-Beginn doch noch ein. In dem Falle stünde Reppe zumindest vor Ort sofort parat. Beim BDS hat man währenddessen schon jetzt eine Konsequenz aus dem Vorfall gezogen: Meldelisten werden ab sofort nur noch nach dem Vier-Augen-Prinzip in Online-Masken eingegeben.

Für Reppe ist die vergessene WM-Nominierung übrigens nicht der erste Nackenschlag seit den Olympischen Spielen im vergangenen August. Schon im September war ihr die Goldmedaille von Rio gestohlen worden. Trotz ausgelobten Finderlohns und öffentlichem Appell tauchte das Edelmetall nicht wieder auf. Immerhin: Im April gab es vom Internationalen Paralympischen Komitee eine Ersatzmedaille für Reppe. Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert hatte sich dafür eingesetzt. 

(klü)
 
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