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Schwimm-WM
Biedermann enttäuscht - Wenk glänzt mit deutschem Rekord

Paul Biedermann enttäuscht - Alexandra Wenk glänzt mit deutschem Rekord
Paul Biedermann blieb als Schlussschwimmer der 4x100-m-Freistilstaffel in 49,23 Sekunden deutlich über seiner Bestzeit. FOTO: dpa, msc nic
Paul Biedermann enttäuschte im ersten Rennen seiner letzten WM, Alexandra Wenk glänzte mit deutschem Rekord, die einzige Medaille gewann jedoch die nimmermüde Angela Maurer.

Als die Beckenschwimmer trotz des Fehlstarts ihres Weltrekordlers im Kasaner Fußballstadion einen guten Auftakt erwischten, hatte die älteste WM-Teilnehmerin mit Bronze die überraschend gute Bilanz der Freiwasserschwimmer zum Abschluss noch einmal aufpoliert. Die Wasserspringer reisten dagegen nach dem elften Platz des Ex-Weltmeisters Sascha Klein vom Turm ohne Edelmetall nach Hause.

Paul Biedermann wollte nach dem Vorlauf-Aus mit der 4x100-m-Freistilstaffel ganz schnell weg. "Das war soweit erstmal im Rahmen", sagte der Schwimmstar einsilbig: "Das Minimalziel haben wir geschafft." Für Olympia in Rio qualifizierte sich das Quartett, doch der Weltrekordler war unzufrieden mit sich selbst.

Biedermann blieb einen Tag vor seinem Start als Mitfavorit über 200 m als Schlussschwimmer in 49,23 Sekunden deutlich über seiner Bestzeit und brachte Bundestrainer Henning Lambertz ins Grübeln. "Wir müssen hoffen, dass bei Paul einfach mehr geht", sagte der Chefcoach nach dem elften Platz seines Vorschwimmers mit der Staffel: "Das kann es nicht gewesen sein."

Der 28-Jährige saß am Abend in seinem Hotelzimmer, als Wenk für den deutschen Höhepunkt des ersten Tages der Beckenwettbewerbe sorgte. Die Münchnerin zog mit deutschem Rekord (57,77) als Siebte ins Finale über 100 m Schmetterling ein. "Heute ist der glücklichste Tag in meinem Leben. Ich habe mehr erreicht, als ich mir erträumt habe", sagte die 20-Jährige.

Auch Hendrik Feldwehr und Christian vom Lehn glänzten mit Bestzeiten. Feldwehr war als Sechster (59,63) so schnell wie noch nie ohne Hightech-Anzug und steht am Montag im Endlauf über 100 m Brust. Sein Essener Vereinskollege vom Lehn blieb als Zehnter erstmals unter einer Minute. Staffel-Europameister Clemens Rapp schwamm mit persönlicher Bestleistung ins Finale über 400 m Freistil und kam auf Rang sieben. Lehrgeld zahlte dagegen Florian Vogel. Der 20-jährige Münchner, schon als Biedermann-Nachfolger gehandelt, ging sein erstes WM-Rennen zu forsch an und verpasste den Endlauf um 15 Hundertstel.

Seine Chance auf die dritte WM-Medaille in Folge vom Turm verspielte Klein schon mit seinem zweiten Sprung. Den Viereinhalb-Vorwärtssalto verpatzte der Dresdner völlig und stürzte auf den letzten Platz ab. "Ich will keine Ausreden suchen, das war eigene Schuld", sagte Klein. Europameister Martin Wolfram war schon im Halbfinale ausgeschieden. Bei der WM-Premiere des Mixed-Wettbewerbs vom 3-m-Brett landeten Timo Barthel und Christina Wassen auf Platz acht. "Ich habe viele Schusseligkeitsfehler gesehen, für die ich keine Erklärung habe", fasste Bundestrainer Lutz Buschkow zusammen.

Ihr Glück kaum fassen konnte am Samstag Angela Maurer. Als die zweimalige Weltmeisterin nach 25 Kilometern und mehr als fünf Stunden in der Kasanka entkräftet das Ziel erreichte, wähnte sie sich auf Rang vier. "Ich hab' hingeguckt und gedacht: Das ist falsch", sagte die 40-Jährige. Doch die Anzeigetafel log nicht: Maurer hatte ihre 20. internationale Medaille und das vierte Edelmetall für die deutschen Freiwasserschwimmer bei der ersten WM nach dem Rücktritt des Rekordweltmeisters Thomas Lurz gewonnen.

"Überragend" nannte Bundestrainer Stefan Lurz die Bilanz "nach der Ära Thomas". Doch der Coach war nicht nur wegen Maurer bestens gelaunt. Er glaubte, auch die Zukunft seiner Sportart gesehen zu haben. "Da wächst ein kleiner Freiwasserstar heran", sagte Lurz mit Blick auf Finnia Wunram. Die 19-Jährige, schon WM-Dritte über fünf Kilometer, hatte in ihrem zweiten Marathonrennen als überraschende Fünfte geglänzt: "Sie kann in den nächsten Jahren international eine große Rolle spielen."

(sid)
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