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"Wenn's nicht klappt, wartet Britta"
Biedermann greift ein letztes Mal nach Gold

Die Olympia-Tage von Biedermann und Steffen
Die Olympia-Tage von Biedermann und Steffen FOTO: dpa, Hannibal Hanschke
Kasan. Ab Sonntag kämpfen auch die Beckenschwimmer bei der WM in Kasan um Medaillen und Bestzeiten. Auf Weltrekordler Biedermann lastet mal wieder der größte Druck, doch den lässt er nicht an sich heran.

Mit dem Motto "Alles kann, nichts muss" greift Schwimmstar Paul Biedermann bei seiner letzten WM noch einmal ganz vorne an. "Ich will endlich loslegen und schwimmen. Ich weiß aber auch, wenn es nicht so klappt, dass die Welt dann nicht untergeht, ich zu Hause eine Familie habe und Britta auf mich wartet", sagte der Lebensgefährte der zurückgetretenen Doppel-Olympiasiegerin Britta Steffen.

Der Weltrekordler ist einer von nur drei realistischen Medaillenkandidaten, die das deutsche Schwimmteam bei den Beckenwettbewerben ab Sonntag in der umgebauten Fußballarena von Kasan ins Rennen schickt. Neben Biedermann dürfen sich auch Europameister Marco Koch und Franziska Hentke Hoffnungen auf Edelmetall machen.

In der Breite glaubt Bundestrainer Henning Lambertz fest an eine Fortsetzung des leichten Aufwärtstrends, auch wenn er sein Ziel, die Nummer eins in Europa zu sein, bei der WM nicht erreichen wird. Unter anderem deshalb, weil die staatliche Unterstützung ausbaufähig ist. "Wenn ich mit einem Zahnstocher gegen Länder kämpfe, die schon lange Schwerter in der Hand haben, wird das nichts werden", sagte Lambertz der WAZ.

Biedermann ist in Kasan Lambertz' stärkste "Waffe". Der Weltrekordler, der am Sonntag in der Freistilstaffel über 4x100 m um das Olympiaticket kämpft, will die letzten WM-Bahnen seiner Karriere auch genießen. "Ich werde versuchen, das alles aufzusaugen, um mich in späteren Zeiten daran zu erinnern", sagte der 28-Jährige, der als Weltjahresbester über 200 m Freistil zu den Titelfavoriten zählt.

Sechs Jahre nachdem er sich in Rom im Hightech-Anzug zum Doppelweltmeister gekürt hatte, stehen die Chancen auf Gold so gut wie lange nicht. Seine Rivalen Michael Phelps (USA) und Yannick Agnel (Frankreich) sind nicht am Start, und Biedermann, der nach Olympia in Rio seine aktive Karriere beenden wird, ist anders als in der Vergangenheit kerngesund. Bei den Leistungstests glänzte er mit Bestwerten, und das, obwohl das Trainingslager einige Verlockungen zu bieten hatte: "Man musste sich beim Buffet zurückhalten, weil das Dessert so gut war."

Das gute Essen kann Koch noch ein wenig genießen. Der Darmstädter, der dem deutschen Team bei der WM vor zwei Jahren in Barcelona mit Silber die einzige Medaille beschert hatte, reist erst am Sonntag nach Kasan - um fünf Tage später vielleicht als Weltmeister über 200 m Brust aus dem Becken zu steigen. "Wenn man gewinnen will, muss man Weltrekord schwimmen. Mein Ziel ist der deutsche Rekord, und der ist nicht so weit weg vom Weltrekord", sagte Koch.

Von einer Medaille träumt auch Hentke. So schnell wie die deutsche Rekordhalterin ist in diesem Jahr über 200 m Schmetterling noch keine Schwimmerin gewesen, zudem geben ihr die großen Erfolge der Magdeburger Freiwasserschwimmer Rob Muffels (Gold und Silber) und Finnia Wunram (Bronze) Auftrieb. "Das pusht natürlich. Wenn die Teamkollegen gut drauf sind, dann kann man annehmen, dass man etwas richtig gemacht hat im Training", sagte die Magdeburgerin.

Gut in Form ist auch Florian Vogel, der am Sonntag über 400 m Freistil als Biedermann-Nachfolger um den Finaleinzug kämpft. "Birdie hat im Training Zeiten hingelegt, da hat selbst Paul Beifall geklatscht", berichtete Biedermanns Trainer Frank Embacher.

Vogel, der vor einigen Monaten eine junge Frau vor dem Ertrinken in der 14 Grad kalten Isar gerettet hatte, suchte im Vorfeld auch den Rat von Wettkampftyp Biedermann. "Letzlich kann man ihn aber nicht bis zum Startblock begleiten", sagte Biedermann.

(sid)
 
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