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Rudern
U19-EM vor der Haustür

Rudern: Heimspiel für Charlotte Lier und Lena Sarassa bei U19-EM
Lena Sarassa und Charlotte Lier schleppen ihr 27 Kilogramm schweres Boot "Karolin" zum Elfrather See. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Auf dem Elfrather See in Krefeld findet ab Freitag die Ruder-EM im U19-Bereich statt. Charlotte Lier und Lena Sarassa wollen bei ihrem Heimspiel um die Medaillen mitfahren. Von Oliver Schaulandt

Es gibt Sätze, die werden in Krefeld wahrlich nicht alle Tage gesprochen. Einer lautet: "Es gibt in der Stadt kein einziges freies Hotelbett mehr am Wochenende." Christoph Lüke sagt diesen Satz, und es schwingt Stolz in der Stimme mit. Er ist Vorsitzender des Crefelder Ruderclubs, und sein Verein ist ab Freitag Gastgeber der Europameisterschaften im Rudern der Unter-19-Jährigen. 580 Athleten aus 31 Nationen, so viele wie noch nie bei der Jugend-EM in dieser Altersklasse, haben sich für Rennen in 13 Bootsklassen auf dem Elfrather See gemeldet. Und weil es ja sozusagen die EM daheim ist, stellt Deutschland mit 60 Startern auch das größte Team.

Für zwei der Teilnehmer aus dem deutschen Aufgebot ist die EM sogar ein doppeltes Heimspiel. Charlotte Lier und Lena Sarassa gehören dem gastgebenden Club an, jenem Verein, bei dem auch Olympiasiegerin Lisa Schmidla rudert. Lier wohnt in unmittelbarer Nähe zum See, sozusagen in Höhe der 500-Meter-Marke der zwei Kilometer langen Regattastrecke. Teamgefährtin Lena Sarassa stammt aus Essen, wohnt inzwischen in Lüdinghausen und pendelt täglich zum Training nach Krefeld. Die 18-jährige Lier und ihre ein Jahr jüngere Mitstreiterin stellen 50 Prozent jenes Bootes mit dem schönen Namen "Durchziehen", das in der Kategorie Vierer ohne Steuermann an den Start geht und in dem schon WM-Medaillen nach Deutschland gingen. Mit an Bord sind außerdem Inka Buse und Leonie Heuer, die beide aus Leer in Ostfriesland stammen.

"Der Vierer hat durchaus das Zeug, in die Medaillenränge zu fahren", sagt Sabine Tschäge, die als Heimtrainerin im Crefelder Ruderclub mit den beiden arbeitet und ab Juli die deutsche U19-Auswahl als Bundestrainerin betreut. "Generell sieht es bei den Kleinbooten gut mit einer Medaille aus. Im Großboot wird es schwierig, die Konkurrenz ist sehr stark."

Am Samstagvormittag legen sich die beiden Lokalmatadorinnen zum ersten Mal im Wettkampf in die Riemen, die übrigens tatsächlich so heißen. Riemen sind die Ruder, jeder der vier Starter an Bord hat eines davon. Das unterschiedet sie von den Skullern wie Lisa Schmidla, wo jeder Ruderer zwei Ruder hat. Jedenfalls: "Eine Medaille wäre ein Traum - und ist auch das Ziel", sagt Lena Sarassa, die im vergangenen Jahr mit Charlotte Lier beim Internationalen Baltic-Cup in Hamburg die Silbermedaille im Zweier gewonnen hat. Die Zeit, die die 17-Jährige, die beim Spazierengehen am Essener Baldeneysee aufs Rudern aufmerksam wurde, im Zug nach Krefeld verbringt, nutzt sie für Hausaufgaben. Es gibt wenig Freizeit, stattdessen einen mitunter ziemlich langen Tag. Am späten Nachmittag ist Trainingsbeginn auf dem Elfrather See, gut zwei Stunden dauert eine Einheit. Dann geht's zurück ins Münsterland. Und am Wochenende stehen drei Einheiten an, zwei am Samstag, eine am Sonntag. "Der Aufwand ist es aber wert", sagt Sarassa, die nach der EM noch die Qualifikation für die Junioren-Weltmeisterschaften schaffen möchte, die Ende August in Trakai in Litauen ausgetragen werden. Das geschieht allerdings bei der Ranglistenwettfahrt in Hamburg.

Vorher nun steht erst einmal die EM an. Am Sonntag im A-Finale mitzufahren ist das große Ziel, und dort eben einen Platz auf dem Treppchen zu erklimmen. Damit die beiden dann einen weiteren Satz sagen können, den man in Krefeld auch nicht jeden Tag hört: "Ich bin Europameister."

Quelle: RP
 
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