| 15.36 Uhr

Schach-WM in New York
Carlsen verzweifelt an Karjakins "Festung"

Fragen und Antworten zur Schach-WM
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New York. Vier Spiele – vier Remis: Titelverteidiger Magnus Carlsen hat bei der WM in New York noch keinen Erfolgsweg gegen den Defensivkünstler Sergei Karjakin gefunden. Obwohl der Norweger in den vergangenen beiden Partien aussichtsreiche Chancen besaß.

Magnus Carlsen konnte und wollte nach "13 Stunden Schach-Folter" seine Enttäuschung nicht verbergen. Zweimal hatte sich der Weltmeister seinen Gegner zurechtgelegt, zweimal gute Chancen zum ersten Sieg bei der WM in New York gehabt – und war doch zweimal an der Verteidigung seines Herausforderers Sergei Karjakin gescheitert.

"Das ist nicht der Standard, auf dem ich sein will", sagte der 25 Jahre alte Norweger nach dem vierten Remis in der vierten Partie: "Ich dachte, dass das Endspiel einfach gewonnen ist, doch ich habe schlampig gespielt. Mir wurde ein großer Vorteil auf dem Silbertablett serviert, aber ich habe unterschätzt, dass er eine Festung errichten kann."

Dabei waren sowohl Partie drei als auch vier wie für Carlsen gemacht. Er erspielte sich früh Vorteile, drängte seinen knapp ein Jahr älteren Gegner in die Defensive – und konnte zur Verwunderung aller Experten nach jeweils mehr als sechs Stunden Spieldauer doch nicht mehr als zwei Remis herausholen.

2013 und 2014 bei den Weltmeisterschaften gegen den Inder Viswanathan Anand hatten Carlsen noch gerade seine Qualitäten im Endspiel langer Partien den Titel gebracht. Doch Karjakin ist konditionell auf ähnlichem Niveau wie der Champion. 2:2 steht es damit vor dem fünften Aufeinandertreffen am Donnerstag (20 MEZ).

"13 Stunden Schach-Folter"

Als "13 Stunden Schach-Folter" kommentierte das norwegische Fernsehen NRK die Duelle drei und vier. Von Carlsens "schwerer Nacht" schrieb die norwegische Tageszeitung Verdens Gang. Und auch Fabiano Caruana, derzeit mit einer ELO-Zahl von 2823 zweitbester Schachspieler hinter Carlsen (2853), zeigte sich überrascht. "Eine beeindruckende Verteidigung. Es passiert nicht jeden Tag, dass Carlsen zweimal in klar besserer Situation den Sieg verpasst", sagte der US-Amerikaner.

Noch darf sich der Favorit allerdings zugute halten, dass er in keiner der vier Begegnungen überhaupt in Gefahr geriet, zu verlieren. "Es ist besser, Derjernige zu sein, der Chancen besitzt. Aber ich muss natürlich auch mal eine gute Stellung verwerten", sagte er.

Im Gegensatz zu Carlsen zeigte sich Herausforderer Karjakin dagegen bei seinem ersten WM-Kampf erst einmal erleichtert. "Es ist fantastisch, dass es 2:2 steht - das waren zwei schwere Partien für mich", sagte der Russe, der von Verdens Gang bereits mit dem Entfesselungskünstler Houdini verglichen wurde. In den sozialen Netzwerken wurde bereits gewitzelt, dass Russlands Staatspräsident Wladimir Putin Karjakin zum neuen Verteidigungsminister ernennen werde. "Das mache ich gerne", sagte der darauf angesprochene Karjakin mit einem Lächeln.

Doch um tatsächlich Carlsen über die erst einmal angesetzten zwölf Partien zu bezwingen, muss sich der Russe noch steigern - nur eine starke Defensive wird nicht reichen. Zumal er sich mit eigenen Fehlern in die ungünstigen Situationen selbst hineinmanövrierte. "Ich hoffe, dass es so läuft wie bei Trump", sagte Russlands Schach-Präsident Andrej Filatow, "dass der Außenseiter gewinnt."

(seeg/sid)
 
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