| 21.09 Uhr

Schach-WM in New York
Mal schnell aufs Brett gerotzt

Schach-WM: Remis zwischen Magnus Carlsen und Sergej Karjakin
Magnus Carlsen und Sergej Karjakin haben sich auf ein schnelles Remis geeinigt. FOTO: ap, ML
New York. Der Kampf um die Schachkrone in New York geht ins Tie-Break. Auch die zwölfte und damit letzte reguläre Partie um den Weltmeistertitel endete mit einem Unentschieden. Von Wolfram Goertz

Es war der Tag, an dem der zweitälteste Großmeister, der legendäre Mark Taimanow, mit 90 Jahren die ewige Schacharena verließ, als seine beiden Urenkel in New York das letzte Spiel um die Schachkrone absolvierten. Auch diese zwölfte und vorerst letzte Partie um die Schach-Weltmeisterschaft zwischen Titelverteidiger Magnus Carlsen (Norwegen) und Sergej Karjakin (Russland) war ein deprimierendes, in 40 Minuten aufs Brett gerotztes Spiel, das erkennbar keinerlei Entscheidung erzwingen wollte. Es endete in einem sozusagen geplanten Remis. Langweiliger war Schach nie.

Dies war indes vermutlich der Plan des amtierenden Weltmeisters Carlsen, der sich im nun folgenden Tie-Break die größeren Chancen ausrechnet. Gleichwohl sind die Schachspalten im Internet voll von hämischen Kommentaren. "Sollten uns Großmeister für das hohe Preisgeld nicht unterhalten?", fragte ein erboster Diskutant im Internet-Portal chessbomb. Diese Frage muss man nicht zwingend bejahen. Es geht hier um sehr viel Geld, und die seligen Zeiten, dass Schachspieler mit dicken Zigarren ihre Gegner einnebelten, sind ja nun vorbei. Schach ist ein Geldverdiener-Sport, selten wurde das so deutlich wie in diesen Tagen in New York.

Am Mittwoch jedoch, ab 20 Uhr deutscher Zeit, geht es in die Verlängerung. Dann wird die Spieldauer drastisch verkürzt, und man wird sehen, ob Carlsen im Finish wirklich die Vorschusslorbeeren verdient, die man ihm als angeblich nervenstarkem Superprofi zuschreibt. Kann sein, dass der Underdog Karjakin ihn niederringt. Statistisch ist Carlsen seinem Kontrahenten im Schnellschach zwar überlegen, aber was sind schon Zahlen? Der Norweger hat in New York zu viele Schwachstellen gezeigt, als dass man von ener Topform ausgehen sollte. Alles ist also offen.

Carlsen und Karjakin, die Remis-Könige, verdienen unseren Ansporn auf ein dramatisches Finale, Taimanow jedoch verdient unsere Hochachtung. Sein König ruhe in Frieden!

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