| 21.06 Uhr

Schwimm-Weltmeister
Schlapper Koch verliert seinen EM-Titel an Murdoch

Fotos: Marco Koch – Darmstädter, Brust-Spezialist, Weltmeister
Fotos: Marco Koch – Darmstädter, Brust-Spezialist, Weltmeister FOTO: afp, mlm/rt/rc
Marco Koch schaute ungläubig auf die Anzeigetafel, neben ihm riss Ross Murdoch die Fäuste hoch: 78 Tage vor den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro hat der Schwimm-Weltmeister seinen EM-Titel verloren.

Aus dem Training heraus, ohne besondere Vorbereitung musste sich der 26-Jährige bei den Europameisterschafen in London in 2:08,40 Minuten über seine Paradestrecke 200 m Brust dem britischen Außenseiter um sieben Hundertstelsekunden geschlagen geben.

"Ich bin ein bisschen träge im Moment, ziemlich schlapp", gab der Darmstädter, der bei der EM vor zwei Jahren in Berlin seinen ersten internationalen Titel gewonnen hatte, zu: "Ich bin nicht in Topform, aber das muss ich jetzt auch nicht sein." Und mit Blick auf den hauchdünn verpassten Sieg fügte er an: "Lieber hier als in Rio." Bei Olympia in Brasilien gilt Koch, der zu Beginn des Jahres schon sieben Zehntel schneller geschwommen ist, dennoch als Goldfavorit.

Vier Jahre nach dem Olympia-Debakel in London kassierte der beste deutsche Schwimmer an der Stätte seiner größten Niederlage einen silbernen Rückschlag, weil er zu langsam angegangen war. Nach 100 m nur Fünfter, holte Koch dann zwar Platz um Platz auf, an Murdoch, der sich nicht für Rio qualifiziert hat, jedoch kam er nicht mehr vorbei. "Hinten ganz stark, vorne nicht schön", fasste er das Rennen treffend zusammen.

An selber Stelle war Koch bei den Sommerspielen 2012, als Medaillenkandidat angereist, als 13. bereits im Halbfinale gescheitert. Bei der Rückkehr ins Olympia-Becken hatte er zunächst ein Déjà-vu. "Ich bin reingesprungen und dachte: Ach, du Scheiße. Nicht schon wieder", berichtete er: "Nach dem Flug hatte ich ein bisschen dicke Beine."

Im Vorlauf fühlte er sich schon besser, im Halbfinale allerdings lief es "nicht so leicht, wie ich es gerne gehabt hätte". Schon da war Murdoch schneller. Vor dem Endlauf fühlte Koch sich immer noch nicht richtig fit. "Heute morgen habe ich gedacht: Wer hat denn den Zug gefahren, der mich überrollt hat?" Bei der DM vor zwei Wochen hatte er Probleme mit seiner rechten Schulter, in London kämpfte er mit einer leichten Erkältung.

Koch ist neben Kurzbahn-Europameisterin Franziska Hentke (Magdeburg) der einzige deutsche Olympia-Starter, der an der EM teilnimmt. Allen anderen hatte Bundestrainer Henning Lambertz stattdessen Training verordnet. 2012 hatten die deutschen Schwimmer bei der EM in Ungarn 17 Medaillen abgeräumt, blieben dann in London aber erstmals seit 80 Jahren ohne olympisches Edelmetall.

Im Aquatics Centre in London sollen Talente für Olympia 2020 und Schwimmer aus der zweiten Reihe internationale Erfahrung sammeln. Für die meisten war allerdings schon in den Vorläufen Endstation. Am Donnerstag erreichte lediglich die Gladbecker EM-Debütantin Jessica Steiger (23) über 200 m Brust die zweite Runde, schied dann als Halbfinalletzte aus.

Ungarns "Iron Lady", Doppelweltmeisterin Katinka Hosszu, gewann über 200 m Lagen in Jahresweltbestzeit ihre dritte Goldmedaille in London, über 100 m Rücken musste sie dann der Dänin Mie Östergaard Nielsen den Vortritt lassen, zum Abschluss siegte sie mit der 4x200-Freistilstaffel. Ihre Landsfrau Boglarka Kapas holte über 800 m Freistil ihren ersten Titel der EM, Weltmeister Laszlo Ceh schnappte sich über 200 m Schmetterling sein 13. EM-Gold. Über 50 m Rücken triumphierte der französische Weltmeister Camille Lacourt.

(sid)
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