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Taschengeld für den Urlaub
Schwimm-Weltmeister Koch auf Weltcuptour

Fotos: Koch feiert historischen WM-Triumph
Fotos: Koch feiert historischen WM-Triumph FOTO: dpa, msc hak
Nach seinem WM-Triumph über 200 m Brust zählt Marco Koch zu den Olympia-Favoriten. Vor seinem Urlaub startet er noch beim Weltcup.

Auf das entspannte Planschen an der Türkischen Riviera muss Goldfisch Marco Koch noch ein bisschen warten. Bevor sich der Schwimm-Weltmeister in den wohlverdienten Urlaub verabschiedet, will er bei den lukrativen Weltcups in Moskau (11. und 12. August) und Chartres (15. und 16. August) noch seine Urlaubskasse aufbessern.

Da die mit zwei Millionen US-Dollar dotierte Weltcupserie erstmals seit langer Zeit wieder auf der Lang- und nicht auf der Kurzbahn ausgetragen wird, könnte der Darmstädter theoretisch das holen, was ihm bei seinem Gold-Coup in Kasan über 200 m Brust verwehrt geblieben ist: den Weltrekord. Doch das bezweifelt Koch stark: "Ich gehe nicht davon aus, dass ich noch mal so schnell schwimme."

Vielleicht auch deshalb, weil sich der 25-Jährige gedanklich schon auf seinen Urlaub freut. "Wenn man mich im Meer sieht, würde man nicht denken, dass ich Schwimmer bin", sagt der einzige deutsche Becken-Weltmeister von Kasan: "Da sehe ich sehr amateurhaft aus, ich treib' nur so vor mich hin."

Im umgebauten Fußballstadion von Kasan sah das noch ganz anders aus, dort gab der erste deutsche WM-Champion seit Paul Biedermanns Doppelsieg 2009 das Tempo vor. Als Welt- und Europameister ist er plötzlich der neue Goldfavorit für Olympia in Rio. Diesen Druck lässt Koch aber nicht an sich heran. "Es ist für mich egal, ob ich mit Platz acht oder 15 oder als Weltmeister anreise", sagt er: "Es ändert an meiner Ausgangsposition nichts. Ich will so schnell schwimmen, wie es nur geht."

Genau deshalb war Koch trotz des WM-Triumphes nicht ganz zufrieden mit sich selbst. Eigentlich hatte er den Weltrekord (2:07,01 Minuten) angepeilt, zumindest aber seinen deutschen Rekord vom EM-Sieg 2014 (2:07,47). Deshalb waren die 2:07,76 Minuten im ersten Moment "eine Scheißzeit" - auch wenn sie ihn zum Weltmeister machten.

In Rio, ist sich Koch sicher, muss er schneller schwimmen als jeder vor ihm, wenn er Olympiasieger werden will. "Wenn ich jetzt denken würde: 'Geil, Weltmeister, was soll ich noch anders machen', dann brauche ich erst gar nicht nach Rio zu fahren", sagt er.

Gelingt es ihm, wird er die Schmerzen danach gerne in Kauf nehmen. Als er im Mannschaftshotel Schaljapin am Morgen nach seinem WM-Triumph aufwachte, dachte er: "Welcher Zug hat mich denn überrollt?" Und er wird dann auch in Rio wieder über die Stränge schlagen und "Dreck" in sich reinstopfen.

In Kasan belohnte er sich für ein Jahr Quälerei mit goldenem Finale im Schnellrestaurant an der Ecke. "Ich hab' mich zurückgehalten - nur 20 Chicken Nuggets und einen Cheeseburger", erzählte Koch. Eine absolute Ausnahme. Seit er nach einem auffälligen Bluttest seine Ernährung auf "vegan plus Fleisch" umgestellt hat, gibt es statt Hamburger Reiswaffeln mit Erdnussbutter.

(sid)
 
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