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WM im Segway-Polo
Hier bin ich Steve, hier darf ich's sein

Segway-Polo: Hier bin ich Steve, hier darf ich's sein
Apple-Mitbegründer Steve Wozniak hat die Sportart Segway-Polo erfunden. FOTO: Amend
Köln. Derzeit findet die Weltmeisterschaft im Segway-Polo in Köln statt. Statt Pferden wird auf Elektrorollern gespielt. Von Georg Amend

Er ist einfach nur Steve. Klar, im blauen Polo-Shirt, das sich über einem doch recht ansehnlichen Bauch spannt, und kurzer weißer Hose sieht kaum jemand ehrfurchtgebietend aus, doch immerhin handelt es sich bei dem rund 1,75 Meter kleinen Mann um den aktuell bestbezahlten Unternehmer der Welt. Das Magazin "People with money" hat den 54-Jährigen gerade ganz oben auf seiner Liste platziert und seine Einnahmen allein zwischen Juni 2014 und Juni 2015 auf 46 Millionen Dollar (42,16 Millionen Euro) taxiert. Die Rede ist von Steve Wozniak, Mitbegründer des Computerriesen Apple, der da am Rande eines Kunstrasenplatzes steht und sich eine absolute Randsportart anschaut: Segway-Polo.

Seine Begeisterung dafür hält sich bereits seit dem ersten offiziellen Spiel 2004 in den USA, wo der Sport auch geboren wurde. Über das Internet verbreiteten sich Videos davon, wie Menschen einen Softball mit einem Polo-Schläger bearbeiten, während sie auf elektrischen Rollern unterwegs sind, über die ganze Welt. Die Roller werden mit Körperbewegungen gesteuert und bis auf 20 Kilometer pro Stunde beschleunigt. Im Unterschied zum klassischen Polo gibt es keine Pferde und es wird auf richtige Tore mit Netzen gespielt, die in der Größe zwischen einem Eishockey- und einem Handballtor liegen.

Und wie das bei Internet-Phänomenen so ist: Es gab Nachahmer, reichlich Nachahmer. Daher findet gerade die Segway-Polo-WM in Köln statt. Auf der Ostkampfbahn in der Nähe des Müngersdorfer Stadions messen sich 19 Mannschaften aus Deutschland, Schweden, den USA, Barbados oder dem Libanon bei der bereits siebten Auflage des "WOZ Challenge Cup". Dass die WM im Titel die ersten drei Buchstaben des Multi-Millionärs trägt, ist natürlich kein Zufall.

Steve Wozniak ist mit sich und dem Turnier zufrieden - auch wenn seine "Aftershocks" gerade mit 0:11 gegen die Blade Pirates aus Solingen verloren haben. "Das Ergebnis ist okay. Wir haben seit einem Jahr nicht trainiert, und das ist eine der besten Mannschaften der Welt", erklärt der Apple-Mitbegründer mit Blick auf die Solinger, die 2011 in Kalifornien den Titel holten. Dass er selbst die Partie von außen verfolgte, kommentiert Wozniak mit einem Schmunzeln: "Ich werde geschont für ein späteres Spiel", sagt er, bevor er nachschiebt: "Ich spiele nur noch ein, zwei Mal im Jahr." Dass einer dieser seltenen Auftritte derzeit in Köln stattfindet, ist für "Steve" selbstverständlich: "Ich bin sehr zufrieden mit dem Turnier, es ist gut organisiert. Ich mag es hier."

Immerhin ist Deutschland inzwischen auch die weltweite Hochburg des Segway-Polo. Nur 24 Mannschaften gibt es auf dem Globus, allein acht aus der Bundesrepublik spielen derzeit bei der WM. Es gibt keine Nationalmannschaften im klassischen Sinne, dafür ist es noch zu sehr Randsportart. Die Teams bei der "WOZ Challenge" kommen aus Städten, allein zwei sind aus Solingen dabei, neben den "Pirates" noch die "Blade Dragons". Bei letzteren ist Jens Krahforst Kapitän, zudem ist er im Vorstand der internationalen Segway-Polo Association (ISPA). Er weiß zwar, dass der Sport nicht ganz günstig ist, denn immerhin kostet so ein Segway zwischen 6000 (gebraucht) und 10 000 Euro, doch er findet, dass sich die einmalige Anschaffung durchaus rentiert, Golfen sei ja auch durchaus teuer. Vom klassischen Polo mal ganz abgesehen: "Da braucht man für jedes Chukk ein neues Pferd und eines als Ersatz", wirft Krahforsts Frau Bärbel, selbst Segway-Polo-Nationalspielerin, mit Blick auf die vier Spielabschnitte ein. "Allein, was da an Heu draufgeht ."

Mit der Ursprungssportart mögen sich die Segway-Spieler indes nicht messen. "Das ist eine ganz andere Art von Polo. Es wird Pferde-Polo niemals ersetzen können", meint Jens Krahforst und schiebt mit Blick auf das Interesse an seiner Sportart nach: "Wir sind beileibe noch nicht in der Position wie Pferde-Polo - aber immerhin bekannter als Elefanten-Polo. Das gibt es nämlich auch." Die Regeln sind zwar an das Pferde-Polo angelehnt, werden aber weiterentwickelt. "Es gibt noch die Vorfahrtsregel", erläutert Jens Krahforst. "Wer der Linie des Balles folgt, hat Vorfahrt. Das kommt noch aus dem Pferde-Polo. Da wir aber deutlich beweglicher sind und Zick-Zack fahren, ist es schwer festzustellen, wo die Linie des Balles ist. Deshalb wird das abgewandelt." Auch, dass es inzwischen richtige Tore statt nur zweier Stangen gibt, ist eine Weiterentwicklung.

Wo beim Pferde-Polo die Fortbewegungsmittel grasen würden - was auf Kunstrasen ohnehin nicht so gut für sie wäre -, werden die beim Segway-Polo nach den Spielen hinter den Banden aufgeladen. "Da hatten wir in Berchtesgaden mal ein Riesen-Problem", erinnert sich Bärbel Krahforst. "Als da mal eben 100 Segways angeschlossen wurden, gab es einen Kabelbrand."

In Köln, wo bereits 2009 die Weltmeisterschaft stattfand, scheint man bestens präpariert zu sein, auch für das notwendige Drumherum ist gesorgt: Neben Stellplätzen für Werbepartner gibt es Verkaufsstände für das richtige Equipment - beim Segway-Polo gilt zum Beispiel Helmpflicht - und die richtige Ernährung: Zwischen den Spielen verzehren die Sportler Bratwurst, Burger und Pommes.

Die Atmosphäre ist familiär - man kennt sich, grüßt sich, umarmt sich. Da bildet auch Wozniak keine Ausnahme. Hier ist der Multi-Millionär einfach nur Steve.

Quelle: RP
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