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Millionenpoker um Bootsklasse
Streit um Zukunft des America's Cup

Millionenpoker um Bootsklasse: Streit um Zukunft des America's Cup
Ärger beim America's Cup: Die Segler streiten um die Größe der Boote. FOTO: afp, ms/dec/le
Hamburg. Der plötzliche Kurswechsel vor dem 35. America's Cup sorgt für hitzige Diskussionen. Die Luna Rossa und das Team Neuseeland stehen auf der Kippe.

Spektakuläre Meeresgiganten oder nur noch stark geschrumpfte Durchschnittsboote? Rund um den America's Cup, den ältesten und wichtigsten Segelwettbewerb der Welt, ist ein Richtungsstreit entbrannt. Während die US-Ausrichter plötzlich einen Umstieg auf eine deutlich kleinere und erheblich günstigere Bootsklasse durchsetzen wollen, regt sich in der Segelwelt heftiger Widerstand. Das italienische Team Luna Rossa droht mit einem Rückzug, auch die Kampagne Neuseelands ist in Gefahr.

Statt mit wuchtigeren AC62-Katamaranen sollen bei dem Mega-Event 2017 vor den Bermudas rund fünf Meter kleinere AC45-Boote zum Einsatz kommen - für Deutschlands Segel-Ikone Jochen Schümann eine wenig nachvollziehbare Kehrtwende. "Man muss einfach die Geschichte des America's Cup im Blick haben. Die Faszination rührt von den einst großen und imposanten Yachten her", sagte der zweimalige Titelträger bei Yacht.de: "Da bleibt irgendwann nur noch ein kleines Action-Spektakel übrig."

Schümann gefällt das Wirken der Organisatoren, die ihren Sinneswandel mit deutlichen Kosteneinsparungen begründen, überhaupt nicht. Das jüngste Manöver zeige erneut, dass das Team rund um Multi-Milliardär Larry Ellison nicht in der Lage sei, ein gesundes Wachstum des Weltevents zu managen. "Die tun dem Cup weh", sagte der dreimalige Olympiasieger. Und sprach damit den Verantwortlichen von Luna Rossa aus der Seele.

Die Italiener wiesen die Vorschläge aus Übersee per Pressemitteilung "in aller Deutlichkeit" zurück. Und kündigten einen Rückzug aus ihrer Kampagne an, falls Entscheidungen gegen ihren Willen durchgedrückt würden. Auch das Team Neuseeland - 2013 noch in einem historischen Duell vor San Francisco mit 8:9 Oracle unterlegen - steht vor einer äußerst unsicheren Zukunft. Da sich die Kiwis laut New Zealand Herald ebenfalls gegen einen plötzlichen Bootswechsel wehrten, wollen ihnen die Veranstalter die Ausrichtung einer Qualifikationrunde vor Auckland wegnehmen. Damit würde die Förderung durch die Regierung wegfallen.

Die mit Nachdruck versehenen Vorschläge kommen zu einem schwierigen Zeitpunkt. Rund zwei Jahre vor dem Riesenevent haben die meisten der sechs Teams bereits Millionen für den Bau ihrer AC62-Katamarane in die Hand genommen, der Designprozess ist weit fortgeschritten. "Die operativen Kosten sind mit einem Boot wie dem AC62 deutlich zu hoch", hatte Chefvermarkter Harvey Schiller zur Begründung gesagt. Während Oracle 2013 noch mehr als 100 Millionen Euro investierte, könnte nun ein Budget von 15 bis 20 Millionen Euro reichen, sagte Skipper Franck Cammas vom Team Frankreich.

In dem englischen Segel-Star Sir Ben Ainslie benannten die Veranstalter einen weiteren prominenten Fürsprecher. "Eine große Veränderung ist notwendig, wenn wir einen nachhaltigen Cup entwickeln wollen", sagte der 38-Jährige, vor anderthalb Jahren Teil der Siegercrew. Damals täuschten die spektakulären Bilder der Finalregatten über den bereits schwelenden Streit über die Zukunftsfragen hinweg. Fragen, die noch immer nicht geklärt sind.

(sid)
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