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Tischtennis-WM
Boll begeistert trotz Viertelfinal-Aus – "Wunderkind" scheitert

Timo Boll scheitert an Doppelpartner Ma Long
Timo Boll scheitert an Doppelpartner Ma Long FOTO: dpa, jg jai
Der Finaltag der Tischtennis-WM findet ohne deutsche Spieler statt. Als letzter Lokalmatador scheidet Timo Boll aus, wird aber von den Fans gefeiert. Für Dimitrij Ovtcharov ist im Achtelfinale Schluss. Von Bernd Jolitz, Düsseldorf

Am Ende war es dann doch wieder nur Timo Boll – und sein Kronprinz entsprechend enttäuscht. "Es ist schon extrem bitter, mit 9:11 im siebten Satz auszuscheiden", sagte Dimitrij Ovtcharov nach seiner 3:4 (13:11, 9:11, 13:11, 10:12, 5:11, 11:9, 9:11)-Niederlage im Achtelfinale der Tischtennis-Weltmeisterschaft gegen den Japaner Koki Niwa in den Düsseldorfer Messehallen. Der 28-Jährige verpasste damit die große Chance, als zweiter Deutscher nach Timo Boll in die Runde der letzten acht einzuziehen. Dort war wie so oft in den vergangenen Jahren der Topspieler des deutschen Rekordmeisters Borussia Düsseldorf der einzige Lokalmatador: Ein Riesenerfolg für den 36-Jährigen, der damit bewies, dass die so oft prophezeite Wachablösung im deutschen Tischtennis noch längst nicht vollzogen ist. Die Weltrangliste weist Ovtcharov als Fünften drei Plätze vor Boll aus – die WM bestätigte dies nicht.

Wenige Stunden nach "Dimas" Achtelfinal-Aus war das Turnier dann allerdings auch für den Altmeister beendet. Chinas Weltranglisten-Erster Ma Long, mit dem Boll bei seiner Heim-WM gemeinsam Doppel gespielt hatte, erwies sich bei seinem 4:2 (11:5, 8:11, 11:4, 5:11, 11:4, 11:9)-Sieg im Viertelfinale erwartungsgemäß als zu stark. Viel trennte die Kontrahenten in ihrem begeisternden Match allerdings nicht. Mit leidenschaftlichem Kampf und taktisch klugem Spiel entzündete Boll beim Publikum einen Funken, der im positivsten Sinne zum Flächenbrand wurde. Die 8000 Zuschauer in der ausverkauften Messehalle sechs peitschten den Düsseldorfer so stark nach vorn, dass die Stahlrohr-Tribünen vibrierten.

"Am Ende überwiegt aber doch die Enttäuschung", gab Timo Boll zu. "Es hat zum Teil wirklich gut geklappt, was ich mir vorgenommen hatte. In diesen Phasen ist Ma Long ins Grübeln gekommen, und wenn mir das gelingt, dann kann ich auch meine Qualitäten ausspielen." Bei eigener 8:4-Führung im sechsten Abschnitt war der Satzausgleich möglich, die Partie hätte vollends kippen können. "Aber dann hat er die ganz schweren Bälle getroffen", resümierte der gebürtige Hesse, "und das macht eine wahre Nummer eins der Welt aus. Man muss gegen ihn jeden Ball zu hundert Prozent genau setzen, sonst macht er gleich einen Angriffsschlag daraus." Dennoch zog Boll ein positives WM-Fazit: "Nach Olympia habe ich noch gedacht, dass die besten Chinesen komplett außer meiner Reichweite gelandet sind. Es ist schön zu sehen, dass ich mich noch einmal verbessert und so vielleicht noch ein paar schöne Jahre vor mir habe."

Schluss war am Sonntag auch für Japans "Wunderknabe" Tomokazu Harimoto. Der 13-jährige Publikumsliebling scheiterte ebenfalls im Viertelfinale an Chinas Ex-Weltranglistenersten Xu Xin mit 1:4. Der Junioren-Weltmeister hatte in Düsseldorf unter anderem den Olympia-Dritten und Weltranglisten-Sechsten Jun Mizutani besiegt und dadurch weltweit für Aufsehen gesorgt.

Am Mittag hatte Ovtcharov die bittere Erkenntnis ereilt, dass das Hochrisiko-Spiel seiner Kontrahenten Koki Niwa tatsächlich belohnt wurde. "Ich kann mich nicht erinnern, dass jemals einer meiner Gegner derart viel riskiert hat", sagte "Dima" kurz nach der Partie. "Ich habe schon einige Male gegen ihn gespielt, und dieses Mal habe ich dabei eine meiner besten Leistungen geboten. Viel besser als zuletzt bei den Indian Open. Ich habe an mich geglaubt, habe eine gute Performance geboten – aber Koki hat einfach alles getroffen."

Dagegen half auch nicht die frenetische Unterstützung des Düsseldorfer Publikums, das Ovtcharov ja aus seiner Zeit als Borussia-Profi noch bestens kennt. Auf diese Fans hatte der in der Ukraine geborene Olympia-Bronze-Gewinner von 2012 auch für das Viertelfinale gesetzt. "Ich hatte mir vorgenommen, mit diesen begeisterten Zuschauern im Rücken das Wunder möglich zu machen, einen der starken Chinesen zu schlagen. Das habe ich leider nicht geschafft."

Bundestrainer Jörg Roßkopf versuchte, den 28-Jährigen schnell wieder aufzubauen. "Dima hat gut gespielt und sich überhaupt nichts vorzuwerfen", analysierte er. "Niwa hat einfach zu viele Bälle getroffen, Respekt vor seiner Leistung." Ovtcharov selbst haderte mit einigen vergebenen Chancen in den knapp verlorenen Sätzen zwei und vier, blickte jedoch schnell wieder nach vorn: "Natürlich bin ich jetzt extrem enttäuscht, aber ich hatte schon viele harte Niederlagen in meinem Leben und dazu viele schöne Momente. Beides macht einen stärker. Und es ist ja das Schöne am Tischtennis, dass man nicht zwölf Monate oder mehr auf das nächste große Turnier warten muss." Auf eine Heim-WM allerdings schon – und diese Wunde schmerzte sehr. 

 
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