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"Vielen Dank für alles"
Tränenreicher Abschied von Marathon-Queen Radcliffe

Fotos: Radcliffe beendet beim London-Marathon ihre große Karriere
Fotos: Radcliffe beendet beim London-Marathon ihre große Karriere FOTO: afp, SD/RB
London. Paula Radcliffe liefen die Tränen über das Gesicht. Ein letztes Mal rannte der britische Langstrecken-Star den London-Marathon, die Fans an der Strecke jubelten der 41-Jährigen frenetisch zu. Im Ziel, nach 2:36:55 Stunden, nahm Radcliffe ihren Mann Gary, Tochter Isla und Sohn Raphael glücklich in die Arme.

"Vielen Dank für alles", sagte Marathon-Queen Radcliffe: "Es war ein unglaublicher Abschied. Auf der Strecke sah ich ein Plakat mit der Aufschrift 'Wir werden Dich vermissen'. Aber nicht so sehr, wie ich Euch vermissen werde."

2003 hatte sie in der Metropole an der Themse den noch bis heute gültigen Fabel-Weltrekord von 2:15:25 Stunden aufgestellt. Nach zahlreichen Verletzungen kam sie am Ende einer großen Karriere an diese Leistung natürlich nicht mehr heran.

Kenianischer Dreifach-Triumph in London

Das sportliche Highlight setzten andere. Eliud Kipchoge blickte sich kurz um, zog das Tempo an und zog dann scheinbar mühelos davon. Nach einer Attacke vor der letzten Kurve triumphierte der 30 Jahre alte Kenianer bei dem hochkarätig besetzten Rennen. Mit dem beeindruckenden Schlussspurt setzte sich Kipchoge gegen seinen Landsmann und Titelverteidiger Wilson Kipsang (33) durch und mit seinen 2:04:42 Stunden an die Spitze der Weltjahresbestenliste über die klassischen 42,195 Kilometer. Hinter Kipsang (2:04:47) machte Weltrekordler Dennis Kimetto (2:05:50) den kenianischen Dreifach-Triumph perfekt. Bei den Frauen sicherte sich Tigist Tufa aus Äthiopien (2:23:22) den Sieg.

Jenson Button läuft London-Marathon unter drei Stunden FOTO: dpa, fa ss

Bei so viel Klasse und Emotionen konnten die deutschen Laufevents am Sonntag nicht mithalten. In Düsseldorf gewannen der Rumäne Marius Ionescu (2:13:19) und die Amerikanerin Annie Bersagel (2:28:29) in im internationalen Vergleich mäßigen Zeiten. Auch in Hamburg wurde nicht viel schneller gelaufen: Lucas Rotich (25, Kenia) überquerte nach 2:07:17 Stunden die Ziellinie, Meseret Hailu aus Äthiopien lief 2:25:41 Stunden.

Deutschlands Langstrecken-Ass Sabrina Mockenhaupt (34, Siegen) wurde nach Problemen in der Vorbereitung und einer "Pipi-Pause" nach 2:32:41 Stunden immerhin Sechste in Hamburg. "Das war der größte Sieg über mich selbst. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich mal über einen sechsten Platz beim Marathon in Hamburg so freuen würde", sagte Mockenhaupt: "Jeden Schritt, den ich heute gemacht habe, war ein Schritt zurück zum Erfolg."

In Düsseldorf musste Andre Pollmächer einen Rückschlag hinnehmen. Der EM-Achte von Zürich 2014 stieg bei Kilometer 26 aus. Zur Hälfte des Rennens war der 32-Jährige noch in der Spitzengruppe gelaufen. Der Deutsche Leichtathletik-Verband will am Montag sein Marathon-Team für die Weltmeisterschaften in Peking (22. bis 30. August) nominieren. Dabei werden auch Leistungen aus dem Vorjahr berücksichtigt.

Das Männerfeld in London war einer der am stärksten besetzten der Geschichte. Acht Läufer hatten eine Bestzeit von unter 2:05 Stunden, vier liefen sogar schon unter 2:04 Stunden. Eine solche hohe Anzahl von Top-Athleten gibt es so noch nicht einmal bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen.

(sid)
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