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Ultimate Frisbee
Der fairste Sport der Welt

Ultimate Frisbee: der fairste Sport der Welt
Der Düsseldorfer Mo Brucklacher im Trikot der Nationalmannschaft. FOTO: Falk Janning
Düsseldorf. Beim Ultimate Frisbee ist jeder Spieler zugleich auch Schiedsrichter. Probleme, nach Regelverstößen die Partie fort-zusetzen, gibt es fast nie. Am Anfang spielten Kinder am Strand von Long Island Sound mit Deckeln von runden Dosen. Von Benedikt Laubert

Nur ein regelmäßiges Klatschen ist vom sandigen Spielfeld der Düsseldorfer Frisbee-Spieler zu hören. Das helle Klatschen stammt von den Handflächen der Spieler, die beim Fangen des Frisbees von oben und unten auf die weiße Plastikscheibe treffen. Es klatscht immer dann, wenn ein Spieler der Scheibe hinterherhechtet und mit dem Oberkörper im Sand des Spielfeldes landet. Leise, flink und konzentriert wirbeln die Spieler durcheinander.

Das Besondere am Mannschaftssport Ultimate Frisbee wird schon beim Training sichtbar. Sind sich die Spieler einmal uneinig über einen vermeintlichen Regelverstoß, werden sie alle zu Schiedsrichtern. Den Verstoß besprechen dann zunächst die Beteiligten untereinander. Funktioniert das nicht, schalten sich die übrigen Spieler ein. Kann man sich nicht einigen, geht der Frisbee an den letzten Werfer zurück.

Doch so weit kommt es fast nie. "Weil wir im Ultimate Frisbee alle Schiedsrichter sind, kennen wir die Regeln besonders gut und spielen so fair wie möglich", sagt Dörthe Reuter, die den Sport in ihrem Studium in Manchester kennengelernt hat. Weil es keine übergeordnete Instanz gebe, sagen die Spieler, nähmen sie besondere Rücksicht. "Wir wollen gewinnen - aber nicht um jeden Preis", sagt Tim Feldmann, während er sich Schweiß und Sand aus dem Gesicht wischt. Im Training werden die Teams als kollektive Schiedsrichter fast nie benötigt, bei Wettkämpfen in der Regel höchstens dreimal. "Das Ideal der Fairness haben manche Spieler so sehr verinnerlicht, dass sie von sich aus Bescheid sagen, wenn sie jemanden gefoult haben", sagt Feldmann.

Der Begriff Frisbee rührt von einem US-amerikanischen Bäckereiunternehmen namens "Frisbie Pie Company", das Gebäck in runden Metalldosen verkaufte. Zunächst nutzten Kinder am Strand von Long Island Sound (USA) in den 1920er Jahren die Deckel der Dosen als fliegendes Spielzeug, später übernahmen Studenten in Yale die Wurftechnik. Seit Ende der 1970-er Jahre wird Ultimate auch in Deutschland gespielt; das Düsseldorfer Team "Frisbee Family Pempelfort" gibt es seit 1990.

Das Mannschaftsspiel ist nur eine von mehreren Disziplinen des Disc-sports. Ebenfalls ohne Schiedsrichter werden Disc Golf, in dem man mit Frisbees auf Körbe zielt, und Freestyle gespielt, in dem man originelle Tricks mit der Scheibe vorführt.

Im Ultimate kämpfen zwei Mannschaften zu je sieben Spielern auf einem Feld gegeneinander, das gleich lang und halb so breit ist wie ein Fußballfeld. Mit der Scheibe in der Hand darf der Spieler nicht laufen. In der Variante Ultimate Beach, die in Düsseldorf gespielt wird, ist das Feld deutlich kleiner, weil es sehr anstrengend ist, im Sand zu rennen. Einen Punkt erzielt die Mannschaft, die den Frisbee in der gegnerischen Endzone fängt. 15 Punkte benötigt man für einen Sieg. Tackling, wie im American Football, ist nicht erlaubt.

In Düsseldorf findet der Sport immer mehr Anhänger. 60 Frauen und Männer beteiligen sich am Team, rund 30 davon aktiv. Die meisten sind zwischen 20 und 30 Jahre alt. "Die Regeln und die Technik unserer Disziplin lassen sich relativ schnell erlernen", sagt Reuter. Somit könne man im Frisbeesport auch erfolgreich werden, wenn man nicht schon in jungen Jahren mit dem Training begonnen habe. Die Düsseldorfer sind diesen Sommer Zweiter in der zweiten deutschen Liga geworden, das Mixed-Team belegte den siebten Platz in der ersten Liga.

Beim Spiel nach dem Training steht an diesem Tag nur ein Sieger fest: Das Team mit den dunklen Trikots hat mit 5:4 Punkten gewonnen. In Wettkämpfen zählen die Spieler aber nicht nur Punkte, sondern bewerten ihre Gegner auch in Hinblick darauf, inwieweit sie den "Spirit oft the Game" beherzigen - also fair spielen. Das Allergrößte, sagen die Spieler, ist es, ein Turnier zu gewinnen und gleichzeitig Spirit-Sieger zu werden.

Quelle: RP
 
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