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"Er ist ein stolzer Waliser"
Bale bestimmt den Rhythmus der "Drachen"

Fotos: Das ist die EM-Toschützenliste
Fotos: Das ist die EM-Toschützenliste FOTO: afp
Saint-Étienne. Gareth Bale ist bislang der dominante Spieler der EM. Er hat Wales mit herausragenden Leistungen bis ins Achtelfinale geführt - und dort soll noch längst nicht Schluss sein.

Bale kneift die Augen zusammen und lehnt sich im Stuhl zurück. "Nein", sagt er mit ruhiger, bestimmter Stimme, "hier geht es nicht um mich und meine Leistungen. Es geht um das Team, und wenn ich helfen kann, ist das toll. Alles andere zählt nicht." Nein, soll das heißen, Wales ist nicht "Bales".

Bale wirkt entschlossen, fokussiert und selbstbewusst. Er weiß um seine Stärken, und doch stellt sich der walisische Superstar bei der EM in Frankreich ganz in den Dienst der Mannschaft. Markante Worte spart er sich - außer, es geht gegen England. Ansonsten lässt er Taten auf dem Platz sprechen.

Bale hat von Anfang an geliefert

In einem Turnier, in dem Superstars wie Cristiano Ronaldo, Paul Pogba oder Zlatan Ibrahimovic nur teilweise oder gar nicht überzeugten, hat Bale von Anfang an geliefert und den Underdog bis ins Achtelfinale gegen Nordirland in den Prinzenpark von Paris geführt (Samstag, 18.00 Uhr/Live-Ticker).

"Gareth ist einer der größten Superstars im Weltfußball. Er ist ein stolzer Waliser - und wir sind stolz, dass er für sein Land spielt", sagte Teammanager Chris Coleman am Freitag: "Neben seinem Talent hat er viel Herz. Alle außerhalb von Wales sehen das und respektieren ihn dafür."

Bale scheint der geborene Teamplayer. Die Waliser wären wohl nichts ohne ihn, aber er weiß auch: Ich wäre nichts ohne meine Mitspieler. "Ich bin persönlich zufrieden, dass wir die Gruppenphase als Erster vor England überstanden haben. Als Team! Das hat uns niemand zugetraut", betont er.

Diese Demut hat Gareth Frank Bale schon früh gelernt. In der Schule war es ihm verboten, mit dem starken linken Fuß zu schießen und Direktpässe zu spielen, weil er einfach zu gut war und seine Mitspieler frustriert hätte. Natürlich ragt er auch heute noch aus der Nationalmannschaft heraus.

Gesicht der Mannschaft

Bale (26) weiß, wann er vorangehen muss, er weiß allerdings auch, dass es bei dieser EM nur über die Einheit funktioniert. Er, der Modellathlet aus Cardiff, gibt dieser Mannschaft aus Wales ein Gesicht. Er bestimmt den Rhythmus und er ist es, der in den entscheidenden Momenten zur Stelle ist.

Drei Tore, zwei davon mit einem seiner gefährlichen Freistöße, hat Bale in der Vorrunde erzielt. Vor allem aber arbeitet er unermüdlich, schafft Räume für seine Mitspieler. Sein ehemaliger Sportlehrer Gwyn Morris hat ihn als "einen der selbstlosesten Menschen, den ich je unterrichten durfte" beschrieben.

Hätte Bale eine Wahl, würde er die Schlagzeilen gerne anderen überlassen. Zum Beispiel Joe Allen, von dem er in den höchsten Tönen schwärmt. "Er ist wunderbar, wirklich wunderbar. Ich kann ihn gar nicht genug loben", sagt Bale über den Mittelfeld-Motor: "Joe leistet die Drecksarbeit, die vielleicht nicht so auffällt, die aber unheimlich wichtig ist."

Dass Bale und die anderen "Drachen" in der kleinen "Battle of Britain" gegen Nordirland erstmals im Turnierverlauf Favoriten sein werden, interessiert ihn nicht: "Wir gehen raus und werden unser Spiel spielen, wie wir es immer gemacht haben."

Wie immer heißt das: Es wird auch wieder auf ihn ankommen. Auf Gareth Bale, der die 100 Meter schon als 14-Jähriger in 11,4 Sekunden lief. Auf den Star ohne Allüren, der endlich wieder mit links schießen und Direktpässe spielen darf. Gut für Wales - schlecht für Nordirland, dass es keine Sonderregeln mehr für Gareth Bale gibt.

(sid)
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