32 Jahre nach Rolf Wolfshohl: Andreas Klöden sensationell Gesamtsieger
zuletzt aktualisiert: 12.03.2000 - 22:54Nizza (sid). Sensationell hat Telekom-Fahrer Andreas Klöden 32 Jahre nach Rolf Wolfshohl als zweiter deutscher Radprofi die Fernfahrt Paris-Nizza gewonnen. Der 24 Jahre alte Berliner erreichte beim Massenspurt der Schlussetappe über 160,1 Kilometer auf dem Rundkurs in Nizza im Hauptfeld das Ziel und verteidigte damit das am Samstag mit seinem Tagessieg im Zeitfahren eroberte Weiße Trikot des Spitzenreiters in der Gesamtwertung erfolgreich.
Letzter Tagessieger nach 3:53:13 Stunden wurde wie im Vorjahr der Belgier Tom Steels. Klöden und seinen Helfern Danilo Hondo (Cottbus), Stefan Schreck (Erfurt), Kai Hundertmarck (Kelsterbach) und Giovanni Lombardi (Italien) gelang es auf der Promenade des Anglaises, der mit über drei Kilometern längsten Zielgeraden der Welt, den bis Samstag im Gesamtklassement führenden Ex-Weltmeister Laurent Brochard (Frankreich) auf Distanz zu halten.
"Wenn mir das vor einer Woche jemand gesagt hätte, hätte ich gesagt, dass er einen Sprung hat. Obwohl die Woche gut gelaufen ist, hätte ich das nicht für möglich gehalten. Erst 1.000 Meter vor dem Ziel heute habe ich es geglaubt", sagte Klöden, der im Schutz seiner Mannschaft ein taktisch kluges Rennen fuhr und froh war, "die letzte Etappe ohne Sturz überstanden zu haben".
"Es konnte nicht besser laufen. Am Ende war ich ganz ruhig. Ich wusste, dass nichts mehr schief gehen konnte", erklärte Telekom-Teamleiter Frans van Looy. Beim Sieg von Steels vor Damien Nazon (Frankreich) und George Hincapie (USA) glänzte auch Hondo noch mit dem sechsten Rang, Achter wurde der Erfurter Torsten Nitsche vom italienischen Saeco-Team. Brochard musste sich mit dem Trikot des Punktbesten begnügen, "Berg-König" wurde der Italiener Francesco Casagrande.
Für den gebürtigen Sachsen Klöden war es der erste Profisieg bei einem Mehretappenrennen, nachdem schon der Tagesieg am Samstag sein bis dahin größter Erfolg war. Der frühere Amateurgewinner der Niedersachsen-Rundfahrt war mit sieben Sekunden Vorsprung auf Brochard am Sonntag ins Rennen gegangen, dank des Ausreißversuches eines zeitweise bis zu drei Minuten vornweg fahrenden Quartetts und der eigenen Stärke reichte das knappe Polster.
Mit seinem Team-Kapitän Jan Ullrich will Klöden sich aber nicht vergleichen lassen. "Jan ist ein Ausnahmefahrer. Aber vielleicht bin ich auch auf dem Weg dahin", sagte Klöden, der als nächste große Ziele Starts bei der Katalanien-, der Baskenland- und Aragon-Rundfahrt sowie bei der Vuelta und der WM nennt. Olympia hat der erst seit 1998 im Profilager fahrende Klöden noch nicht im Programm: "Das ist momentan kein Thema. Jetzt muss ich erst um 19.02 Uhr mein Flugzeug erreichen, und dann wird zuhause gefeiert".
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