Daviscup-Auftakt: Andrei Pavel: Vom Bauernhof zum "halben Heimspiel"
zuletzt aktualisiert: 08.02.2001 - 10:28Hamburg (dpa). Zur "heimatlichsten" Auswärtspartie des Jahres hätte Andrei Pavel auch mit dem Fahrrad kommen können. Denn nur 150 Kilometer trennen den Bauernhof im westfälischen Borgholzhausen, wo der beste rumänische Tennisspieler seit Jahren wohnt, und die neue Volkswagen-Halle in Braunschweig, wo der Profi am Wochenende hart arbeiten muss. Doch das macht er diesmal besonders gern. "Es ist ja eigentlich ein halbes Heimspiel für mich. Ich kenne viele Leute und habe viele Freunde hier", sagte der 27-Jährige vor dem Daviscup- Auftakt der Weltgruppe von Freitag bis Sonntag gegen das deutsche Team mit Kiefer, Haas und Co.
Andrei Pavel war 1990 als 16-jähriger Jung-Profi nach Deutschland gekommen, hatte hier seine Frau Simone kennen gelernt, sich "verknallt" und 1994 geheiratet. Vor anderthalb Jahren wurde dann Tochter Caroline Elena geboren - das Familienglück war komplett. "Auf dem Bauernhof ist es einfach traumhaft für uns. Ich fühle mich dort sehr wohl, so wie zu Hause", versicherte Pavel, der praktisch "um die Ecke" im westfälischen Halle trainiert.
Rumäniens Nummer eins und seine Mitstreiter sehen sich in Braunschweig zwar nur als Außenseiter, die 1:4-Niederlage von Bukarest gegen die Deutschen im September 1999 ist aber noch längst nicht vergessen. Auf Asche sorgte Pavel damals mit seinem Sieg gegen Rainer Schüttler für den Ausgleich zum 1:1 - es sollte der einzige Punkt für die bitter enttäuschten Gastgeber bleiben. Sein zweites Einzel verlor Pavel gegen Thomas Haas - die Rechnung ist noch offen.
"Die Deutschen sind mit Nicolas Kiefer und Tommy Haas sicher Favoriten, aber wir gehen das ganz locker an", versicherte Pavel. "Wir glauben an unsere Chance. Mal sehen, was dann dabei rauskommt." Gemeinsam mit seinen Kameraden Adrian Voinea, Razvan Sabau und Gabriel Trifu will er sich so teuer wie möglich verkaufen.
Zwei Turniere hat Pavel in seiner elfjährigen Profi-Karriere gewonnen (1998 Tokio/2000 St. Pölten), am 9. Oktober 2000 erreichte der Rumäne mit Platz 25 seine bisher beste Position in der Weltrangliste und beendete das Jahr als Nummer 27. Durch sein frühes Aus bei den Australian Open fiel er in dieser Woche wieder auf Rang 64 im Champions Race zurück.
Den Sprung in die Top Ten hat Pavel bisher nicht geschafft; dass er dennoch Millionär durch seinen Sport wurde, hat ihn nicht satt und selbstzufrieden gemacht. "Ich unterstütze bedürftige Familien in Rumänien, wir planen ein Wohltätigkeitsprojekt", kündigte er an. "Das ist Kleingeld für uns, aber sehr viel Geld für Kinder, die nichts zu essen haben", sagte der Rumäne, der vier Sprachen spricht (Rumänisch, Deutsch, Englisch, Italienisch) und in seiner Heimat ein Star ist. "Ich bin von unten gekommen, jetzt bin ich oben, da will man etwas zurückgeben."
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