Zwei Siegerinnen in Berchtesgaden: Annemarie Gerg löst Olympia-Ticket
zuletzt aktualisiert: 20.01.2002 - 14:38Berchtesgaden (rpo). Annemarie Gerg hat das Olympia-Ticket in der Tasche. Als 14. (1:57,88) beendete die Deutsche den Weltcup-Slalom in Berchtesgaden. Zwei Ränge besser platziert war Monika Bergmann in einer Gesamtzeit von 1:57,73 Minuten.
Martina Ertl erreichte zwar den zweiten Durchgang, mehr als eine mittelmäßige Platzierung sprang allerdings nicht heraus. "Da wäre mehr drin gewesen", fasste DSV-Alpinchef Walter Vogel den Slalom zusammen. Fünf Läuferinnen im Finale, aber keine unter den Top Ten: "Die Entwicklung geht leider in die Breite."
Völlig von der Rolle ist vor allem Ertl. Knapp ein Jahr nach ihrem WM-Sieg in der Kombination erreichte die 28-Jährige den absoluten Tiefpunkt ihrer Karriere. Rang 64 im Riesenslalom mit 4,05 Sekunden Rückstand, Rang 23 im Slalom mit 2,25 Sekunden Rückstand auf die Bestzeit - schlimmer geht's fast nimmer. "Es ist nicht nur der Kopf, es ist auch das Skifahrerische", sagte die Lenggrieserin zu ihrer blamablen Leistung. Das nun anstehende Weltcup-Wochenende in Cortina d'Ampezzo und vermutlich auch das folgende in Are lässt sie zugunsten des Trainings sausen, um für Olympia zu retten, was womöglich nicht mehr zu retten ist.
Zwei Läuferinnen auf Platz eins
Unterdessen erlebten die Zuschauer am Götschen eine Rarität. Marlies Oester (Schweiz) und Kristina Koznick (USA) gewannen zeitgleich den Slalom (1:56,30) vor der wieder erstarkten Janica Kostelic aus Kroatien (1:56,60). Zwei Läuferinnen auf Platz eins, das hatte es in 35 Jahren Weltcup erst fünfmal gegeben, zuletzt bei einem Slalom vor zwei Jahren in Copper Mountain (USA), als Spela Pretnar (Slowenien) und Christel Pascal-Saioni (Frankreich) gemeinsam siegten.
Die beiden Siegerinnen - für Koznick war es der fünfte Weltcup-Erfolg, für Oester der erste - profitierten allerdings vom Ausscheiden der Schwedin Anja Paerson. Die viermalige Saisonsiegerin stürzte nach souveräner Bestzeit im ersten Lauf im zweiten Durchgang und fiel aus. Durch ihr Malheur verpasste Paerson auch den Sprung zurück an die Spitze der Weltcup-Gesamtwertung. In Führung liegt nach wie vor die Österreicherin Michaela Dorfmeister (708) vor Sonja Nef aus der Schweiz (675), Paerson (629) und Hilde Gerg (575).
Abfahrts-Weltmeisterin Dorfmeister hatte am Samstag überlegen den Riesenslalom gewonnen. In 2:24,32 Minuten verwies sie die unerwartet starke Norwegerin Stina Hofgard-Nilsen (2:25,33) auf Rang zwei. Dritte wurde die Kanadierin Genevieve Simard (2:25,43), die mit der hohen Startnummer 46 ins Rennen gegangen war.
Blamage im Riesenslalom
Der deutsche Cheftrainer Wolfgang Maier hätte den Riesenslalom am liebsten nachträglich annullieren lassen: Keine der sechs gestarteten deutschen Damen erreichte den zweiten Lauf. "Das war eine der größten Enttäuschungen meiner Karriere", gestand Maier, der nicht nur Martina Ertl eine "katastrophale" Leistung attestierte. "Für ein Heimrennen ist das blamabel, das ist absolute Kacke, da braucht man auch gar nichts zu beschönigen", schimpfte der Bundestrainer. Beste des schwachen Teams war Abfahrtsspezialistin Hilde Gerg (Lenggries) als 31.
Nach der Blamage im Riesenslalom wurde es wenigstens im Slalom ein wenig besser. Neben Bergmann, Ertl und Annemarie Gerg erreichten auch Marina Huber (Ruhpolding) und einmal mehr die junge Maria Riesch (Partenkirchen) mit der hohen Startnummer 52 den zweiten Lauf. Am Ende reichte es für Huber zu Rang 27, Riesch wurde 21.
Das größte Sorgenkind bleibt jedoch Martina Ertl. Nach ihrem Auftritt im Riesenslalom wirkte sie verzweifelt, am Abend entschied die Mannschaftsleitung, dass sie frühestens Ende Januar in Are wieder zum Weltcup-Team stoßen wird. Cheftrainer Maier hofft, dass die völlig verunsicherte Lenggrieserin in der Zwischenzeit auch ihre Einstellung überdenkt: "Sie muss jetzt mal ihre Strategie ändern."
ERGEBNISÜBERSICHT
7. Slalom der Frauen in Berchtesgaden:
1. Marlies Oester (Schweiz) 1:56,30 Minuten (56,58 Sekunden/59,72) und Kristina Koznick (USA) 1:56,30 (55,79/1:00,51 Minuten) 3. Janica Kostelic (Kroatien) 1:56,60 (56,51/1:00,09) 4. Christel Pascal-Saioni (Frankreich) 1:56,72 (56,69/1:00,03) 5. Sarah Schleper (USA) 1:56,98 (56,69/1:00,29) 6. Laure Pequegnot (Frankreich) 1:57,02 (56,57/1:00,45) 7. Sabine Egger (Östrreich) 1:57,12 (56,60/1:00,52) 8. Ylva Nowen (Schweden) 1:57,23 (56,19/1:01, 04) 9. Vanessa Vidal (Frankreich) 1:57,50 (56,38/1:01,12) 10. Trine Bakke-Rognmo (Norwegen) 1:57,62 (57,34/1:00,28) ... 12. Monika Bergmann (Lam) 1:57,73 (56,79/1:00,94) 14. Annemarie Gerg (Lenggries) 1:57,87 (56,97/1:00,90) 21. Maria Riesch (Partenkirchen) 1:58,37 (57,53/1:00,84) 23. Martina Ertl (Lenggries) 1:58,55 (57,45/1:01,10) 27. Marina Huber (Ruhpolding) 1:59,68 (57,65/1:02,03)
Nicht qualifiziert für den 2. Lauf: 42. Stefanie Wolf (Garmisch) 59,03 54. Sabrina Beer (Königssee) 59,67
Gesamtwertung (nach 22 von 35 Wettbewerben):
1. Dorfmeister 708 2. Nef 675 3. Paerson 629 4. Hilde Gerg 575 5. Renate Götschl (Österreich) 514 6. Koznick 467 7. Isolde Kostner (Italien) 453 8. Pequegnot 452 9. Nowen und Pernilla Wiberg (Schweden) je 360 10. Putzer 352 ... 26. Bergmann 224 29. Haltmayr 189 32. Ertl 177 64. Annemarie Gerg 64 77. Regina Häusl (Bad Reichenhall) 43 79. Sybille Brauner (Aising-Pang) und Isabelle Huber (Ruhpolding) je 37 92. Riesch 21 105. Wolf 8
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