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Folgen des Skandals
Klubs: "Wir brauchen die Fifa nicht"

Düsseldorf. Der Fußball-Weltverband bekommt nun von den Vereinen Druck. Sie können mit Abspaltung drohen – weil sie starke Argumente haben. Von Robert Peters

Fifa-Präsident Sepp Blatter hat seine Krönungsmesse nun doch bekommen, obwohl sie deutlich weniger pompös ausfiel, als er selbst kalkuliert hatte. Das Zähneknirschen vor allem in Europa ist allerdings deutlich zu vernehmen – manchmal unterstrichen von Gesten der Ohnmacht.

Das ist aber gar nicht nötig, denn Europa hat Macht. Europa kann den Fußball-Weltverband sehr wohl erschüttern. Und es muss deshalb nicht einmal die nationalen Verbände bemühen, die immer noch eine Reform von innen vollziehen wollen und sich bei ihrem Treffen am Rande des Champions-League-Endspiels am nächsten Samstag in Berlin wohl kaum zur Revolution entschließen werden. Der Boykott von Fifa-Wettbewerben sei nicht der richtige Weg, hat DFB-Präsident Wolfgang Niersbach stellvertretend für die Kollegen erklärt.

Für eine Revolution aber können die großen europäischen Klubs sorgen. Sie stehen Blatters Verband schon lange kritisch gegenüber und haben wiederholt Reformen angemahnt. Karl-Heinz Rummenigge hat sich dabei besonders hervorgetan. Bayern Münchens Klubchef ist im Nebenberuf Vorsitzender der European Club Association (ECA), die 214 Profiklubs vertritt. Und in dieser Eigenschaft hat er bereits vor vier Jahren diese bemerkenswerten Sätze gesagt: "Die Klubs sind unzufrieden. Die Fifa braucht die Klubs, um eine WM zu spielen. Aber die Klubs brauchen die Fifa nicht. Theoretisch können wir Bundesliga und Champions League spielen – auch ohne Verbände." Auch damals stand die obligatorische Wiederwahl Blatters auf der Tagesordnung.

Rummenigge hat starke Argumente. In der europäischen Champions League spielen die besten Fußballer der Welt. Die großen Klubs bezahlen diese Elitekicker. Und ohne deren Mitwirken sind die internationalen Wettbewerbe ohne erkennbaren wirtschaftlichen Nutzen. Heute zahlen die sechs Hauptsponsoren der Fifa jeweils rund 40 Millionen Euro für das Recht, mit dem WM-Logo zu werben. Ohne die Stars der Branche ist eine WM ein Muster ohne Wert. Das weiß der Weltverband, dessen Gelddruckmaschine in Brasilien 2014 einen Umsatz von 3,3 Milliarden Euro und einen Gewinn von 1,6 Milliarden Euro machte. Die Fifa ist alarmiert, weil die beiden Hauptsponsoren Sony und Emirates ihre Verträge nicht verlängert haben. Dieser Beschluss soll im Zusammenhang mit den Korruptionsaffären stehen.

Der Druck des Klubfußballs kann sich aber noch erhöhen. Dann nämlich, wenn es ihm gelingt, zu einer weltweiten Bewegung zu werden und eine Großorganisation gegen die Fifa zu stellen. Das ist nicht einmal unwahrscheinlich. Vor drei Jahren wurde in Bangkok abseits der großen Scheinwerfer die "World League Association" gegründet. Die fünf Gründungsmitglieder waren: Der Verband der europäischen Profi-Ligen (EPFL), die südafrikanische Premier Soccer League (PSL), die Major League Soccer (MLS) in Amerika, die Thai Professional League in Asien und die Liga der Vereinigten Arabischen Emirate. Nun soll es zu einer erweiterten Neugründung kommen. Die Chefs von 24 Profiligen aus Europa, China, den USA und Südamerika trafen sich von einem Monat in London. Schon im Herbst kann die neue Organisation stehen. Die Fifa muss sich ernsthaft Sorgen machen, wenn die Klubs wirklich ausscheren wollen.

Nach den skandalösen Vorgängen beim 65. Fifa-Kongress wächst die Bereitschaft der Vereine. Mit Befremden mussten sie erleben, dass in Zürich führende Fifa-Funktionäre unter Korruptionsverdacht im Hotelbett verhaftet wurden, dass der Oberfunktionär Blatter sich trotzdem als Saubermann aufführte. Gestern sperrte die Ethikkomission der Fifa unter Führung des deutschen Richters Hans-Joachim Eckert Enrique Sanz, Generalsekretär des Kontinentalverbands CONCACAF (Nord- und Zentralamerika sowie der Karibik), Jean Guy Blaise Mayolas, Vizepräsident des kongolesischen Verbandes, und dessen Generalsekretär Badji Mombo Wantete für jegliche Tätigkeit im Fußball. Ihnen wird vorgeworfen, TV-Rechte verschoben zu haben.

Quelle: RP
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