9. Schwimm-WM in Fukuoka: Antje Buschschulte holt Silber
zuletzt aktualisiert: 24.07.2001 - 16:05Fukuoka (rpo). Antje Buschschulte hat bei den Schwimm-Weltmeisterschaften in Fukuoka überraschend Silber über 50 m Rücken gewonnen. Die Wuppertalerin musste sich in 28,53 Sekunden nur der US-Amerikanerin Haley Cope (28,51) geschlagen geben. Favoritin Sandra Völker aus Hamburg enttäuschte als Vierte hinter der Australierin Natalie Coughlin .
Sandra Völkers großer Traum vom ersten Einzel-Gold bei einer Weltmeisterschaft ging wieder nicht in Erfüllung. Sandra Völker reagierte motzig, immerhin bleibt ihr nach einer der größten Enttäuschungen ihrer Karriere die Hoffnung auf Olympia 2004. "Das ist für uns ein ähnlicher Schock wie letztes Jahr Sydney", gab ihr Trainer Dirk Lange die ganze Enttäuschung preis.
Nach einem desolaten vierten Platz (28,62) verweigerte die 27 Jahre Hamburgerin zunächst jeden Kommentar, zeternd wandte sie sich vor laufender Kamera von Antje Buschschulte und den Mikrofonen ab. Zu tief saß die Enttäuschung nach der vergebenen Chance. Erst als die Tränen getrocknet waren, sagte sie: "Mir fällt einfach nichts mehr ein, der Anschlag war Scheiße, dabei habe ich mich nach den 100 Metern Freistil noch gut gefühlt. Ich weiß nicht, was ich falsch gemacht habe."
Sieben Jahre nach Franziska van Almsick in Rom und einen Tag nach Hannah Stockbauer hoffte die Olympiazweite von Atlanta 1996 wiederum vergeblich darauf, sich in den goldenen Kreis der Weltmeisterinnen einreihen zu können. "Der Verzicht auf die 100 Meter Freistil wäre besser gewesen", erklärte Trainer Lange und nahm die Schuld auf sich: "Sie wollte eigentlich nicht, aber ich habe Sandra zum Doppelstart überredet. Es wird schwer, diese Niederlage zu verkraften." Bundestrainer Manfred Thiesmann kommentierte: "Für Antje Buschschulte eine tolle Geschichte, für Sandra dagegen ganz bitter."
Die Wahl-Wuppertalerin Antje Buschschulte wuchs auf dem Silberrang (28,53) über sich hinaus und musste sich nur der Amerikanerin Haley Cope (Foto rechts) um zwei Hundertstelsekunden geschlagen geben. "Das ist ein Traum, einfach genial. Dabei bin ich doch gar kein Sprinter." Dank richtete sie auch an ihren ehemaligen Trainer Bernd Henneberg aus Magdeburg: "Ihm habe ich die Grundlagen zu verdanken, und Henning Lambertz in Wuppertal, dass er mich auf den Punkt vorbereitet hat."
Sandra Völker, die in ihrer Karriere alle Höhen und Tiefen erlebt hat, wollte in Fukuoka den Beweis antreten, dass Sydney 2000 nur eine Episode war. Sie wollte den ganz großen Coup schaffen, aber er misslang: "Ich weiß einfach nicht, was ich sagen soll. Ich bin so enttäuscht", meinte sie später.
Ian Thorpe schwimmt Weltrekord über 800 m Freistil
Australiens Superstar Ian Thorpe (Foto links) holte sich vor wiederum fast 10.000 Zuschauern im Marina Messe Pool über 800 m Freistil wie selbstverständlich seine dritte Goldmedaille und verbesserte dabei in 7:39,16 Minuten ebenso seinen eigenen Weltrekord wie der US-Amerikaner Michael Phelps in 1:54,58 beim Titelgewinn über 200 m Schmetterling. Im Sog von Thorpe, der in Fukuoka sieben Goldmedaillen anpeilt, blieb auch sein Landsmann Grant Hackett nach einem phantastischen Duell in 7:40,34 unter dem alten Rekord. Der deutsche Meister Heiko Hell (Elmshorn) belegte in dem hochklassigen Finale den siebten Platz in 7:59,47 Minuten.
Vor dem Debakel auf ihrer Spezialstrecke hatte Sandra Völker im Halbfinale über 100 m Freistil in 55,28 Sekunden die fünftbeste Zeit erzielt und sich damit wie ihre Goldstaffel-Partnerin Katrin Meissner (55,15) sicher für den Endlauf am Mittwoch qualifiziert. Nur Weltrekordlerin Inge de Bruijn (54,47) war schneller. Meissner meinte: "Ich habe mir nach dem Staffelerfolg vorgenommen, um 24.00 Uhr im Bett zu sein, das habe ich geschafft, aber an Schlaf war nach diesem großen Tag nicht zu denken."
Rupprath schwimmt Europarekord über 50 m Rücken
Nach seinem Debakel über 200 m Schmetterling und dem verpassten Finale qualifizierte sich Thomas Rupprath (Wuppertal/Uerdingen) mit Europarekord (25,31 Sekunden) mühelos für den Endlauf über 50 m Rücken wie auch Stev Theloke aus Chemnitz (25, 95), der im Halbfinale über die 100 m Rücken "hängengeblieben" war. "Mir fehlen die Worte, ich weiß nicht, wie ich das gemacht habe", sagte Ruppi: "Aber der Start war wesentlich besser, seit mich unser Physiotherapeut sehr schmerzhaft behandelt hat." Theloke sagte: "Ich habe gezeigt, dass ich auch mit Problemen noch kämpfen kann. Nach dem Halbfinal-Aus über 100 Meter ging es mir nicht gut, aber ich bin nicht als Tourist in Japan."
Schnellster des Halbfinales über 200 m Freistil war Olympiasieger Pieter van den Hoogenband in 1:45,80 Minuten vor Thorpe (1:47,26). Stefan Herbst aus Leutzsch (1:49,75) und Stefan Pohl aus Halle (1:49,78) verpassten die Qualifikation für das Finale.
Sludnow holt Gold über 100 Meter Brust
Weltrekordler Roman Sludnow (Foto links) hat Gold über 100 m Brust gewonnen. Der Russe setzte sich in 1:00,16 Minuten vor Italiens Olympiasieger Domenico Fioravanti (1:00,47) und Ex-Weltrekordler Ed Moses aus den USA (1:00,61) durch. Im Halbfinale hatte Sludnow am Montag den Weltrekord auf 59,94 Sekunden verbessert und war damit zum zweiten Mal unter der Schallmauer von einer Minute geblieben. Der deutsche Meister Jens Kruppa aus Riesa war in 1:02,5 Minuten im Halbfinale gescheitert.
Alshammar verzichtet auf 100 m Freistil
Schwedens Olympiazweite und Doppel-Europameisterin Therese Alshammar verzichtet wegen gesundheitlicher Probleme auf einen Start über 100 m Freistil. Die frühere Trainingskollegin von Sandra Völker in Hamburg leidet unter den Folgen einer Blaseninfektion von vor drei Wochen und will sich nun ganz auf ihren Start über 50 Meter konzentrieren.
Schwimmen, 9. Weltmeisterschaften in Fukuoka:
Männer:
100 m Brust: 1. Roman Sludnow (Russland) 1:00,16 Minuten (im Halbfinale am Montag Weltrekord: 59,94 Sekunden) 2. Domenico Fioravanti (Italien) 1:00,47 3. Ed Moses (USA) 1:00,61 4. Kosuke Kitajima (Japan) 1:00,67 5. Morgan Knabe (Kanada) 1:01,27 6. Oleg Lisogor (Ukraine) 1:01,51 7. Darren Mew (Großbritannien) 1:01,92 8. Hugues Duboscq (Frankreich) 1:01,94
800 m Freistil: 1. Ian Thorpe (Australien) 7:39,16 Minuten (Weltrekord) 2. Grant Hackett (Australien) 7:40,34 3. Graeme Smith (Großbritannien) 7:51,12 4. Chris Thompson (USA) 7:53,95 5. Alexei Filipets (Russland) 7:56,30 6. Andrea Righi (Italien) 7:57,69 7. Heiko Hell (Elmshorn) 7:59,47 8. Shunichi Fujita (Japan) 7: 59.57
200 m Schmetterling: 1. Michael Phelps (USA) 1:54,58 Minuten (Weltrekord/bisher 1:54,92 von Phelps) 2. Tom Malchow (USA) 1:55,28 3. Anatoli Poliakow (Russland) 1:55,68 4. Franck Esposito (Frankreich) 1:55,71 5. Takashi Yamamoto (Japan) 1:55,84 6. Denis Silantiew (Russland) 1:56,71 7. Justin Norris (Australien) 1:57,18 8. Andrew Livingston (Puerto Rico) 1:58,68
Frauen:
50 m Rücken: 1. Haley Cope (USA) 28,51 Sekunden 2. Antje Buschschulte (Wuppertal) 28,53 3. Natalie Coughlin (USA) 28,54 4. Sandra Völker (Hamburg) 28,62 5. Diana Mocanu (Rumänien) 28,86 6. Nina Schiwaneskaja (Spanien) 28,90 7. Hinkelien Schreuder (Niederlande) 28,99 8. Diana Calub (Australien) 29,82
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