Nach Heimspiel auf dem Sachsenring: Aprilia will Poensgen verpflichten
zuletzt aktualisiert: 23.07.2001 - 16:23Hohenstein-Ernstthal (rpo). Der Aprilia-Rennstall spielt offenbar mit dem Gedanken, Katja Poensgen zu verpflichten. Poensgen, die Kournikova des Motorrad-Rennsports und einzige Frau in einer Männerdomäne, steht zur Zeit ohne Team da.
Aprilia-Renndirektor Jan Witteveen deutete die Möglichkeit eines Vertrages an. "Wir werden ihr helfen. Sportlich ist sie zwar keine interessante Fahrerin, aber vom Marketing her ist sie natürlich sehr interessant", sagte der Niederländer dem Sport-Informations-Dienst (sid).
Allerdings müsste die einzige Frau im Motorrad-Zirkus 800.000 Mark für eine Maschine bezahlen, bis zum nächsten Rennen in Brünn (26. August) eine komplette Mechaniker-Crew auftreiben und ein Team finden. Für Poensgens Vater Bert offenbar kein großes Problem: "Ihr Marktwert ist um ein Vielfaches gestiegen. Ich habe bereits fünf Angebote."
Zählen kann Poensgen in jeden Fall auf die Unterstützung durch die WM-Vermarktungsagentur Dorna. Schon seit Saisonbeginn zahlt die Dorna Preis-, Start- und Fernsehgeld sowie die Gebühren für die gebürtige Allgäuerin.
Nach dem peinlichen Streit um Sponsorengelder und der Trennung vom Team "Racing Factory" von Dieter Theis läuft für Poensgen nun alles auf einen Einstieg ins italienische Team "Aprilia Grand Prix" heraus. Dort soll sie neben Riccardo Chiarello starten. Teammanager Francesco Guidotti ist von der Idee begeistert: "Katja hat Aprilia um Hilfe gebeten, und wir würden sie gern nehmen."
In der neuen Saison wird vermutlich Ralf Waldmanns ehemaliger Teamchef Dieter Stappert die Boxentür für Poensgen öffnen. Weil Klaus Nöhles (Nettetal) bislang enttäuschende Resultate vorweist, denkt Aprilia-Renndirektor Witteveen über eine Auflösung des bis 2003 laufenden Vertrages von Nöhles nach. Katja Poensgen könnte ihn ersetzen. Dagegen wehren sich noch die Mechaniker um Chef-Schrauber Sepp Schlögl. Die hatten sich bereits vor der Saison gegen eine Verpflichtung der Amazone ausgesprochen.
Fünf Wochen hat Bert Poensgen Zeit, um seine Tochter wieder in der WM unterzubringen, damit sie in den verbleibenden sieben Rennen starten kann. Er will einen längerfristigen Vertrag und behauptet allen Ernstes: "Gebt ihr eine schwerere Aufgabe, und sie wird besser. Sie wird auch noch ein Rennen gewinnen." Noch hat Katja Poensgen nicht mal ein Team.
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