Verhandlungen waren erfolgreich: ARD überträgt Basketball-WM live
zuletzt aktualisiert: 23.08.2002 - 17:03München (rpo). Deutschlands Basketball-Fans können durchatmen. Die ARD gab am Freitag bekannt, dass die Übertragung der Weltmeisterschaft in Indianapolis gesichert ist.
"Wir sind froh, dass wir in allerletzter Minute doch noch zu einer Einigung gekommen sind", sagte ARD-Sportkoordinator Hagen Boßdorf dem Sport-Informations-Dienst (sid) am Freitagmittag.
Ein Hauptproblem beim Finanzpoker waren bis zuletzt die ungünstigen Übertragungszeiten. Wegen des Zeitunterschiedes beginnen die Vorrundenspiele des DBB-Teams gegen China, die USA und Algerien hierzulande erst nach Mitternacht. Boßdorf: "Trotzdem haben wir uns für die WM entschieden. Basketball hat durch Dirk Nowitzki einen zusätzlichen Boom bekommen, besonders beim jüngeren Publikum. Deshalb hoffen wir auch nachts auf gute Quoten."
Außerdem will die ARD jeweils am nächsten Tag ausführliche Spielberichte in Morgen- und Mittagsmagazin, Tagesschau und Sportsendungen bringen. Das Interesse der Fans daran dürfte groß sein. Allein 9000 Zuschauer waren am Mittwoch in die Westfalenhalle Dortmund gegen Griechenland (87:94) gekommen, um Nowitzki und Co. zu sehen.
Im Anschluss daran war das Scheitern der Fernseh-Verhandlungen gemeldet worden, weil der Rechteinhaber Sport Five das "letzte Angebot" der ARD abgelehnt hatte. "Es ist schon frustrierend, für uns und für die Fans", hatte NBA-Star Nowitzki dies resignierend kommentiert. "Aber das ist eben Deutschland, es ist ein Fußball-Land." Laut Boßdorf hätten sich danach "beide Seiten aufeinander zubewegt, so wie es zu einem guten Kompromiss gehört".
Verhandlungstaktik wird scharf kritisiert
"Überhaupt keine Rolle" für die Einigung habe laut Boßdorf das Angebot von Vizemeister RheinEnergie Cologne gespielt, den noch fehlenden Betrag beizusteuern. Über die endgültige Vertragssumme wurde nichts bekannt. Inoffiziell stand eine Forderung von 500.000 Euro im Raum.
Der Sportkoordinator wehrte sich vehement gegen die Kritik der letzten Tage an der Verhandlungstaktik der ARD: "Man kann sein Angebot nicht jeden Tag erhöhen. Aber die ARD war schließlich der einzige Sender, der bis zuletzt nach einer Lösung gesucht hat." Alle anderen Interessenten wie ZDF, SAT.1 oder DSF hatten gepasst, weil sie keine Chance zur Refinanzierung durch Werbung sahen. Boßdorf: "Wir freuen uns über den Abschluss und hoffen, dass dies auch in Sportkreisen gewürdigt wird."
Zu den heftigsten Kritikern hatte Roland Geggus gehört, Präsident des Deutschen Basketball Bundes (DBB): "Keine Fernsehbilder in einem Land, dass 2012 Olympische Spiele ausrichten will, das ist ein Skandal", hatte er gewettert. Immerhin habe das Nationalteam mit dem sensationellen vierten Platz im vergangenen Jahr bei der EM in der Türkei eine wahre Euphorie entfacht und dem Spartensender DSF Quoten bis zu 3,5 Millionen Zuschauern beschert.
WM-Delegation bereits aufgebrochen
Beim DSF wurde das Verwirrspiel um die TV-Ausstrahlung als Farce bezeichnet. "Wir sind bis an unsere finanziellen Grenzen gegangen und wurden hingehalten. Jetzt ringen sich die gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Anstalten erst zu einer Live-Ausstrahlung durch, nachdem das Kanzleramt und die Öffentlichkeit Druck ausgeübt haben. Das ist eine Schande", erklärte DSF-Geschäftsführer Dr. Stefan Ziffzer, der auch das Vorgehen der Agentur Sport five kritisiert: "Wir wären auch im Interesse des Zuschauers für eine Kompromisslösung offen gewesen."
Die deutsche WM-Delegation war am Donnerstag in Richtung Portland aufgebrochen, wo am Sonntag die letzte Begegnung der Vorbereitung gegen Gastgeber USA auf dem Programm steht. Bundestrainer Henrik Dettmann: "Dass uns die USA mit ihren NBA-Stars als Gegner für ihren Härtetest auserkoren haben, zeigt auch, welchen Stellenwert der deutsche Basketball inzwischen hat."
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