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Zagreb
Argentiniens Tennis feiert seinen Davis-Cup-Helden del Potro

Zagreb. Als der Finalfluch endlich besiegt war, führte Diego Armando Maradona im Hexenkessel von Zagreb einen Veitstanz auf. Immer wieder brüllte der Edelfan auf der Tribüne sein "Aaargentina" und bejubelte den ersten Triumph in der 116-jährigen Davis-Cup-Geschichte. Maradona durfte sich als Glückskind fühlen, denn das wohl begehrteste Utensil des Endspiels hatte der 56-Jährige abgeräumt. Stolz hielt der einst wohl beste Fußballer der Welt einen Schläger in die Höhe. Es war das Racket von Juan Martin del Potro (28), dem Helden des 3:2-Sieges gegen Gastgeber Kroatien.

Zwar holte Federico Delbonis den Siegpunkt durch ein 6:3, 6:4, 6:2 gegen Ivo Karlovic, doch "Delpo" stand mit zwei Einzelsiegen im Mittelpunkt der Ovationen. Der introvertierte und freundliche große Mann, der nach drei Handgelenkoperationen sowie Depressionen schon das Ende seiner Karriere hatte befürchten müssen. Der Olympia-Zweite von Rio krönte ein "wunderbares Jahr, das mir den Glauben zurückgegeben hat". Den Glauben an sich selbst, an seine brachialen Grundschläge - und an seine mentale Stärke. "Das war einer meiner größten Siege. Emotional war es extrem aufreibend", sagte er nach dem 6:7 (4:7), 2:6, 7:5, 6:4, 6:3 im vierten Match gegen Kroatiens Nummer eins Marin Cilic. Argentiniens Kapitän Daniel Orsanic schwärmte nach der knapp fünfstündigen Partie: "Delpo hat sein riesiges Herz gezeigt und ein fast verlorenes Spiel noch gedreht. Er hat schon etwas Besonderes."

Einen 0:2-Satzrückstand hatte del Potro noch nie aufgeholt. Und der "Turm von Tandil" ließ selbst die fanatischen Fans der Gastgeber staunen. Im ersten Spiel des dritten Satzes überlobte er den Weltranglisten-Sechsten Cilic (1,98 m) mit einem Tweener, einem durch die Beine geschlagenen Ball im Rückwärtslaufen. Es war der Startschuss für eine famose Aufholjagd, die mit dem ersten argentinischen Davis-Cup-Coup endete und die Finalniederlagen der Gauchos von 1981, 2006, 2008, 2011 fast vergessen ließ.

Del Potro war im Februar 2014 die Nummer vier der Welt, rutschte dann aber wegen Verletzungen bis auf Rang 1045 (Februar 2016) ab. "Ich hatte traurige, dunkle Tage", erzählte del Potro. "Juans Problem ist nicht irgendeine Verletzung, sondern der Kopf", sagte sein ehemaliger Teamkollege Juan Monaco.

Bereits nach seinem US-Open-Sieg 2009, als er im Finale Roger Federer bezwungen hatte, war deutlich geworden, dass zu viel Rummel den stillen "Delpo" eher belastet. Doch die Fans lieben ihn halt, den bescheidenen Volkshelden aus der Feinschmecker-Stadt Tandil. Als del Potro im August das olympische Finale gegen den Briten Andy Murray verlor, wurde er mit Sprechchören gefeiert. Und del Potro weinte vor Rührung. Schon damals prophezeite Murray: "Juan wird wieder in die Top Ten kommen." Derzeit steht er auf Rang 38. Aber nicht nur für Maradona ist "Delpo" nun der Größte.

(sid)
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