Pressekonferenz nach Dopinganschuldigungen: Armstrong geht in die Offensive
zuletzt aktualisiert: 25.08.2005 - 12:10Washington (rpo). Nach den Dopinganschuldigungen der französischen Sportzeitung "L'Equipe" hat Lance Armstrong reagiert. Auf einer Pressekonferenz in Washington versuchte der Texaner seinen Ruf zu verteidigen. Er bestritt erneut, jemals gedopt zu haben und kündigte an, gegen die "L'Equipe" und das dort zitierte Pariser Labor rechtlich vorzugehen.
Der Tour-Rekordsieger sprach den positiven Epo-Befunden jede rechtliche wie auch medizinische Gültigkeit ab und stellte sogar den Verdacht der Manipulation in den Raum: "Es gab sieben Jahre lang A-Proben und B-Proben. Und alle waren sie negativ. Ich garantiere, dass auch im Jahre 1999 kein Epo in meinem Körper war - bei Abgabe der Proben." Niemand wüsste, wie sie in der Zwischenzeit behandelt worden wären. Das Pariser Labor hätte sich zudem nicht an die vorgeschriebene Geheimhaltung der B-Proben gewährleistet und damit gegen die Richtlinien der Welt-Antidoping-Agentur WADA verstoßen.
Eigentlich war der längst geplante Auftritt als Präsentation für Armstrongs amerikanische Sponsoren gedacht, ehe der Artikel in "L'Equipe" die Tagesordnung über den Haufen warf. "Wo soll ich beginnen", eröffnete Armstrong mit einem Seufzer sein Plädoyer, in dessen Verlauf er schnell zum Gegenangriff überging: "Überrascht bin ich eigentlich nicht. Schließlich besteht zwischen mir und den Franzosen eine lange, innige Hassliebe."
Unerwartet kam für ihn nur der Zeitpunkt der neuen Attacken: "Ich glaube, ,L'Equipe' hat die Sache lange geplant. Wahrscheinlich wären sie damit lieber zu Beginn oder während der letzten Tour auf den Markt gekommen, aber aus irgendeinem Grund wurde die Sache verzögert." Armstrong unterstellt dem Fachblatt ausschließlich geschäftliche Interessen: "Am Ende dreht es sich nur darum, mehr Zeitungen zu verkaufen. Das ist ihnen gelungen. Leider stecke ich mitten drin und kann mich kaum wehren."
Telefonat mit Leblanc
In die Riege der Zweifler an der Aussagekraft der Tests reihte sich inzwischen Dr. Christiane Ayotte ein, Direktorin des nationalen Dopinglabors Montreal: "Ich bin erstaunt darüber, dass man Epo nach fünf Jahren nachweisen kann. Nach unseren bisherigen Erfahrungen ist dies nur über wenige Monate möglich." Sie wolle allerdings die Kompetenz des Pariser Labors nicht in Frage stellen: "In jedem Fall gibt es für mich ein ethisches Problem. Proben, die im Sinne der Forschung anonym untersucht werden, müssen auch anonym bleiben."
Kurz vor der Pressekonferenz hatte Armstrong den Tour-Direktor Jean-Marie Leblanc telefonisch zur Rede gestellt. In dem 30 Minuten langen Gespräch soll der Franzose laut Armstrong die am Tag zuvor gegenüber französischen Medien aufgestellten Anschuldigungen ("Wir wurden alle betrogen.") nicht aufrecht gehalten haben.
Der deutsche Dopingexperte Werner Franke hat unterdessen mit Blick auf die Vorwürfe gegen Armstrong schwere Vorwürfe gegen den professionellen Radsport erhoben. "Das ist eine der dreckigsten Sportarten, die es je gab und immer noch gibt" sagte der Leiter des Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg der Münchner "Abendzeitung". Er fügte hinzu: "Das ganze Metier ist dermaßen verseucht und versaut". Das würden die vielen positiven Befunde der letzten Jahre belegen.
Franke: "Mythos vom sauberen Radsport lächerlich"
Franke betonte, spätestens seitdem der langjährige Edelhelfer von Armstrong, Tyler Hamilton, bei Olympia 2004 des Blutdopings überführt wurde, müsse doch jedem klar gewesen sein, dass der Tour-Serien-Sieger gedopt sei. "Oder glaubt irgendeiner, dass der Leutnant etwas kriegt, was dem General vorenthalten wird?", hob der Professor für Biowissenschaften und Dopingfahnder hervor.
Der Mythos des sauberen Radsport sei "lächerlich" und werde in Deutschland nur aufrechterhalten, weil mit der Telekom ein halber Staatskonzern als Geldgeber dahinter stehe und ein öffentlicher Rundfunksender übertrage, erhob Franke schwere Vorwürfe. Die Tour de France werde in der ARD von Hagen Boßdorf kommentiert, der zugleich Co-Autor des Buches von Jan Ullrich sei. "Was sind denn das für Zustände? Das ist doch alles korrupt", sagte der Träger des Bundesverdienstkreuzes.
Den deutschen Gewinner der Frankreich-Rundfahrt 1997, Jan Ullrich, beschuldigte Franke indirekt ebenfalls des Dopings. Auf die Frage, ob er glaube, dass irgendein Tour-Sieger der letzten Jahre sauber gewesen sei, antwortete er: "Ich kann es mir nicht vorstellen".
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