Christian Vinck ausgeschieden: ATP-Tunier in Halle: Prinosil folgt Kiefer ins Viertelfinale
zuletzt aktualisiert: 16.06.2000 - 12:57Halle (sid). Von ursprünglich sechs Deutschen ist nur Daviscupsspieler David Prinosil (Foto) Titelverteidiger Nicolas Kiefer ins Viertelfinale des ATP-Turniers in Halle gefolgt. Der Amberger besiegte bei der mit einer Million Dollar dotierten Rasenkonkurrenz den Kroaten Ivan Ljubicic nach 2:06 Stunden 6:4, 6:7 (13:15), 6:4 und rächte damit wie angekündigt die klare Erstrunden-Schlappe des Teamkollegen Tommy Haas gegen den Qualifikanten. Wenig später zog Prinosil auch ins Doppel-Halbfinale ein.
An den Rand einer Niederlage brachte der spanische Qualifikant Oscar Burrieza den an Nummer eins gesetzten Russen Jewgeny Kafelnikow. Mit viel Mühe behielt der zweifache Turniersieger (1997/8) mit 6:7 (3:7), 7:6 (8:6), 6:3 die Oberhand. Kafelnikow verwandelte nach 1:58 Stunden den dritten Matchball. Für Burrieza war es nach Estoril erst das zweite ATP-Turnier der Karriere.
Doppelspezialist Prinosil, der mit dem Viertelfinal-Einzug sein bislang bestes Saison-Einzelergebnis erzielte, trifft nun auf den an Nummer drei gesetzten Nicolas Lapentti aus Ekuador, der den Spanier Carlos Moya im Anschluss mit 4:6, 7:6 (7:4), 6:4 nach 2:07 bezwang. Für Lapentti ist das Erreichen des Viertelfinales das beste Rasenergebnis seiner Karriere. Endstation war hingegen für Lokalmatador Christian Vinck, der sich dem an Nummer sieben gesetzten Franzosen Nicolas Escude 4:6, 3:6 geschlagen geben musste.
Prinosil musste allerdings hart kämpfen, um die Voraussage von Daviscup-Kapitän Carl-Uwe Steeb zu bestätigen, er könne in Halle noch weit kommen. Im ersten Satz zeigte er dem Kroaten, der nicht an seine Glanzleistung gegen Haas anschließen konnte, wer der Herr auf dem Platz ist. Ein frühes Break zum 2:1 genügte Prinosil, um den ersten Durchgang mühelos nach 26 Minuten zu beenden. Im zweiten aber konnte Prinosil seine Chancen nicht nutzen. Im Tie-Break vergab er fünf Matchbälle und verlor den Satz.
Auch im dritten Satz sah es zunächst so aus, als könne er seine Möglichkeiten nicht ausspielen. Im sechsten Spiel hatte er bei einer 3:2-Führung drei Breakbälle, doch er gab den Punkt noch ab. Doch im zehnten Game verwandelte er dann doch den sechsten Matchball beim Break zum 6:4. "Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen, dass ich nach dieser Enttäuschung im zweiten Satz das Match noch gewonnen habe. Ich habe hier noch nie das Viertelfinale erreicht, das freut mich ungemein".
Zusammen mit seinem neuen Partner Mahesh Bhupathi zog Prinosil durch ein 7:6 (7:3) 6:3 gegen die Hamburg-Halbfinalisten Andrew Florent/David McPherson (Australien) ins Semifinale ein. Gegner des deutsch-indischen Duos sind dort Jonas Björkman/Patrick Rafter (Schweden/Australien/Nr.3). Dagegen scheiterte das deutsche Duo Karsten Braasch/Franz Stauder (Hagen/Halle) mit 4:6, 6:3, 6:4 an der an Nummer drei gesetzten schwedischen Paarung Nicklas Kulti/Mikael Tillström.
Titelverteidiger und Publikumsliebling Nicolas Kiefer fordert am Freitag im Viertelfinale unterstützt von seiner Familie Rasenspezialist Richard Krajicek aus den Niederlanden, nach den Siegen gegen den Franzosen Jerome Golmard und den Spanier Albert Portas der erste wahre Härtetest für den wiedererstarken Hanoveraner auf dem Weg zurück. Der an Nummer zwei gesetzte Kiefer, der wegen einer hartnäckigen Sprunggelenksverletzung eine mehrwöchige Zwangspause einlegen musste, ist manchmal noch die mangelnde Spielpraxis anzumerken.
"Ich bin wieder 200prozentig fit. Ich weiß, dass Richard das Rasentennis liegt, ich muss gegen seinen Super-Aufschlag gut retournieren, dann kann ich auch gewinnen", meinte Kiefer, der sich an seinem spielfreien Donnerstag in den Dienst der guten Sache stellte und auf dem ostwestfälischen Tennisgelände einen Organspendeausweis unterzeichnete.
Mit dem ehemaligen Wimbledonsieger Krajicek hat "Kiwi" noch eine Rechnung offen. "In Wimbledon war ich ihm bei unserem einzigen Aufeinandertreffen auf Rasen vor zwei Jahren mit 4:6, 6:7, 6:7 unterlegen, ich will die Revanche. Ich weiß, wie ich zu spielen habe und dass ich ihn schon oft besiegte, wieso nicht auch auf Rasen", motiviert sich Kiefer. Auch Coach Bob Brett gibt seinem Schützling gegen die holländische Aufschlagskanone gute Chancen: "Die Verletzungspause hat ihn reifer und stärker gemacht. Diese neue Situation wird ihm helfen, denn er hat die Angst vor dem Versagen und den Verletzungen verloren."
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