Stephane Bernadis bei der WM in Nizza das Opfer: Attentat schockt die Eiskunstlauf-Welt
zuletzt aktualisiert: 29.03.2000 - 10:05Nizza (sid). Zum zweiten Mal binnen 48 Stunden ist die Eiskunstlauf-Welt nachhaltig erschüttert worden. Zwei Tage nach Bekanntwerden des Doping-Falls von Paarlauf-Weltmeisterin Elena Bereschnaja aus Russland wurde der französische Paarläufer Stephane Bernadis bei den Weltmeisterschaften in Nizza das Opfer eines heimtückischen Attentats. Ein noch nicht näher identifizierter und flüchtiger Mann verletzte den 26-Jährigen mit einer Rasierklinge am linken Arm, die Wunde musste mit vier Stichen genäht werden.
"Stephane ist schwer geschockt, körperlich erholt er sich langsam wieder. Er wird auf jeden Fall am Mittwoch bei der Kürentscheidung im Paarlauf starten", erklärte Didier Gailhaguet, Präsident des WM-Organisationskomitees. Bernadis und seine Partnerin Sarah Abitbol liegen nach dem Kurzprogramm auf dem vierten Platz, unmittelbar vor den deutschen Meistern Peggy Schwarz und Mirko Müller aus Berlin. Gilles Beyer, Manager des französischen Paares, meinte: "Sie werden versuchen, am Abend zu trainieren. Mehr kann ich im Moment nicht sagen."
Nach Darstellung Gailhaguets klopfte am Dienstag gegen 15.30 Uhr ein Mann an der Zimmertür von Bernadis im Hotel Sofitel, das unmittelbar an den WM-Austragungsort, den Palais des Expositions, grenzt. Als der siebenmalige französische Meister öffnete, sei er von dem Unbekannten attackiert worden. Durch schnelles Schließen der Tür habe er Schlimmeres verhindert, eine Einlieferung ins Krankenhaus sei nicht erforderlich gewesen.
Der franzöische Verband hat Anzeige gegen Unbekannt erstattet, noch nicht geklärt ist, ob Bernadis das Gesicht des Attentäters erkennen und der Polizei beschreiben konnte. Gailhaguet: "Wir haben ihm nicht zu viele Fragen gestellt, um ihn vor dem Wettkampf nicht zusätzlich zu belasten."
Bekannt ist in Frankreich seit längerem, dass der Student aus Bougival seit 18 Monaten mehrere Drohanrufe erhalten hat. Auch deswegen waren die Sicherheitsmaßnahmen speziell für das Team des WM-Gastgebers verschärft worden. Die Eistanz-Europameister Marina Anissina und Gwendal Peizerat werden beispielsweise permanent von Leibwächtern begleitet. Gailhaguet kündigte eine weitere Ausweitung der Kontrollen bis zum Ende der WM am Sonntag an.
Offen ist noch, ob ein Zusammenhang mit den Drohanrufen besteht. Gailhaguet: "Jedes Wort darüber wäre Spekulation. Wir wissen einfach zu wenig über den Täter und können deshalb nicht sagen, ob es eine Zufallsattacke oder ein gezielter Anschlag war." Partnerin Abitbol war zur Zeit des Attentats in der Stadt beim Einkaufsbummel.
Bereits am Sonntag hatte die Enthüllung von zwei Dopingfällen die Kufenkünstler aus aller Welt in Aufruhr versetzt. Bei der Olympia-Zweiten Bereschnaja war anlässlich der Europameisterschaften in Wien ebenso eine positive Probe gezogen worden wie beim usbekischen Paarläufer Ewgeni Swidorow, der den Fahndern bei den Vier-Kontinente-Meisterschaften in Osaka in Netz gegangen war. Beide Paare müssen mit einer dreimonatigen Sperre und der Aberkennung ihrer Platzierungen rechnen.sid af bm
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum











