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Leichtathletik: DLV will frischen Wind: Attraktivität durch Experimente

zuletzt aktualisiert: 15.08.2001 - 10:57

Düsseldorf (rpo). Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) will mit Experimenten in Wettkämpfen und neuen Präsentationen bereits nächstes Jahr für frischen Wind in den Stadien sorgen. "Wir wollen mit viel Fantasie neues Terrain betreten. Die Sportart muss sich dynamisch entwickeln und darf nicht stagnieren", erklärte DLV- Präsident Clemens Prokop.

Bei der nächsten Präsidiumssitzung im September soll bereits ein Konzept für die fünf 2002 in DLV-Regie veranstalteten Meetings und Meisterschaften vorgelegt werden. "Wir müssen uns auf dem Markt der Sportarten behaupten. Die WM ist mit den halb leeren Zuschauerrängen ein deutliches Zeichen gewesen, über die Leichtathletik nachzudenken", meinte er.

Erste Ideen für innovative Demonstrationswettbewerbe wurden bereits entwickelt. So könnten laut Prokop bei Langstreckenläufen die jeweiligen Rundenbesten mit einer Geldprämie belohnt werden oder bei der 100-m-Marke stets der Letzte des Rennens ausscheiden. In technischen Disziplinen wie Kugelstoßen oder Diskuswerfen wäre die Addition der Weiten anstelle des Vergleichs nur der besten Versuche eine neue Möglichkeit. "Die Konkurrenzsituation in den technischen Disziplinen muss visuell viel stärker wahrnehmbar sein", so Prokop, der insgesamt die Inhalte in allen Sparten "auf den Prüfstand stellen" will. Bei aller Reformfreudigkeit möchte er aber die Leichtathletik nicht zum Zirkus machen. "Die Grundmuster der leichtathletischen Bewegung - laufen, springen, werfen - sollen beibehalten werden."

Für Prokop gibt es noch ein weiteres Motiv, das Wettkampfprogramm zu erneuern. "Über der Leichtathletik schweben die Rekorde wie ein Damoklesschwert. Sie sind ein Fluch", sagte Prokop. Alles werde auf die Rekordjagd reduziert, doch "die haben eine Dimension erreicht, dass sie kaum noch steigerungsfähig sind. Wir wollen andere Gewichte setzen, die Wettkämpfe von Rekorden lösen und stattdessen durch Duell-Situationen Spannung schaffen".

Alarmzeichen, dass etwas geschehen muss, gebe es genug. Nicht nur bei der WM kämpften die Athleten vor dürftiger Kulisse, auch bei den Grand-Prix-Meetings in Nizza, Monte Carlo oder Oslo kamen immer weniger Besucher in die Stadien. Und in Deutschland klagen die Direktoren der German Meetings. Auch die Veranstaltungen des DLV in diesem Jahr waren alles andere als große Besucher-Hits: Sowohl bei der DLV-Gala in Dortmund als auch beim Europacup in Bremen und dem Mehrkampf-Meeting in Ratingen konnten die Kosten durch Ticket-Verkauf nicht gedeckt werden. Allein die deutsche Meisterschaft mit insgesamt rund 50 000 Zuschauer war kein Minus-Geschäft.

Für Prokop sind dies Indizien, etwas zu tun, aber keine Anzeichen für eine schwere Krise: "Die Leichtathletik ist nicht auf einen absteigenden Ast. So ist es auch nicht." Um das Interesse an der Leichtathletik wieder richtig anzukurbeln, will der DLV die Europameisterschaft 2002 in München nutzen. Außerdem soll eine Bewerbungs-Offensive für weitere internationale Titelkämpfe gestartet werden. An erster Stelle der Wunschliste steht für 2007 die WM, danach folgen die Junioren-WM 2004 sowie die Hallen-EM und -WM 2005 und 2006.

Quelle: RPO Archiv

 
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