Letzte Hoffnung DNA-Analyse: Auch B-Probe bei Balzer positiv
zuletzt aktualisiert: 05.03.2001 - 20:31Hamburg (dpa). Falk Balzer (Foto) ist des Dopings überführt worden. Die auf Antrag des Athleten am Montag im Kontrolllabor in Kreischa analysierte B-Probe bestätigte das positive Ergebnis der am 19. Januar vorgenommenen Trainingskontrolle. Dies bestätigte Balzer am Abend dem "Mitteldeutschen Rundfunk". Der Hürdensprinter aus Jena war bereits nach Bekanntwerden der positiven A-Probe vor zehn Tagen vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) suspendiert worden.
Der 27 Jahre alte Hürdensprinter will nun mit Hilfe einer im deutschen Sport bislang noch nicht zum Einsatz gekommenen DNA-Analyse seine Unschuld beweisen, von der er weiter überzeugt ist.
Bei der vom Deutschen Sportbund (DSB) Mitte Januar in Chemnitz durchgeführten unangemeldeten Doping-Kontrolle war der Hallen-WM- Dritte über 60 m Hürden positiv auf das anabole Steroid Nandrolon getestet worden. Mit 10,2 Nanogramm pro Milliliter Urin war der Grenzwert von 2,0 deutlich überschritten worden. Für den Leiter des Kontrolllabors, Klaus Müller, kam das Ergebnis der B-Probe daher nicht überraschend. "Geringfügige Unterschiede zwischen A- und B- Probe sind unausweichlich und normal. Aber dass eine B-Probe die A- Probe nicht bestätigt, kommt extrem selten und wenn, dann nur bei einem Wert im Grenzbereich vor", sagte Müller der dpa: "Ein völlig anderes Ergebnis wäre für uns Wissenschaftler bestürzend".
Balzer hatte sofort nach Bekanntwerden der positiven A-Probe erklärt, er habe nie Doping-Mittel genommen und sehe sich als Opfer einer Manipulation. Seiner Ansicht nach stammt der analysierte Urin nicht von ihm. Als Hinweis auf Unregelmäßigkeiten bewertete der Athlet die unterschiedliche Harndichte bei der Vorprobe und der analysierten Probe. Der Kontrolleur vor Ort hatte einen Wert von 1,030 registriert, in Kreischa wurde später ein Wert von 1,020 analysiert. Klaus Müller hatte die Abweichungen jedoch als völlig normal eingestuft und den Verdacht auf eventuelle Manipulationen in seinem Labor energisch zurückgewiesen. "Wir haben keinerlei Hinweise auf eine Vertauschung der Proben. Die Flasche ist in einem integren Zustand, also fest versiegelt, angekommen. Der Athlet hat für die Authentizität des Urins unterschrieben, ich wüsste nicht, wo da etwas passiert sein könnte", sagte der Wissenschaftler.
Der DLV hatte Balzer daraufhin eine DNA-Analyse vorgeschlagen. Damit könne zweifelsfrei geklärt werden, ob der analysierte Urin von ihm stamme oder nicht. Von diesem Angebot wolle er nun Gebrauch machen, kündigte Balzer am Montag an. Wann und wo die im deutschen Sport bislang noch nie zu Rate gezogene DNA-Analyse durchgeführt wird, ist noch offen. Laborleiter Müller hatte den Direktor des Rechtsmedizinischen Instituts in Köln, Professor Stark, vorgeschlagen. Dieser hätte auf diesem Gebiet bereits einen Forschungsbeitrag geleistet.
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