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Rio De Janeiro
Ausschluss nach Alkoholtour

Rio De Janeiro. Das niederländische Turn-Ass Yuri van Gelder ist seinem Image treu geblieben. Von Frank Thomas

Das niederländische Olympia-Team hat seinen ersten Rio-Skandal: Nach einer nächtlichen Alkoholtour ist Turner Yuri van Gelder aus der Mannschaft ausgeschlossen worden und musste sofort die Heimreise antreten. Er verpasst damit das olympische Ringe-Finale und seine Medaillenchance.

Nach dem Einzug in das Finale verbrachte van Gelder die Nacht außerhalb des Olympischen Dorfes und kehrte erst am frühen Morgen in das Mannschaftsquartier zurück. Er gab zu, während seines Ausflugs Alkohol getrunken zu haben. In Rio de Janeiro haben niederländische Sportler, die sich noch im Wettkampf befinden, Alkohol- und Ausgangsverbot.

"Van Gelder hat die für das TeamNL und der Turnmannschaft geltenden Normen und Werte auf eine grobe Manier überschritten", hieß es in einer Presseerklärung des niederländischen Olympischen Komitee (NOCNSF) nach dem Vorfall.

Ringe-Spezialist van Gelder teilte mit, er wolle "die Ereignisse erst einmal im engsten Kreis verarbeiten und danach eine Erklärung abgeben".

Der niederländische Chef de Mission, Maurits Hendriks, begründete gestern das Handeln der Mannschaftsführung. "Ich finde es schrecklich für Yuri, aber so ein Benehmen ist nicht hinnehmbar. Sportlich ist dies ein Aderlass. Aber bei einem derartigen Vergehen gegen die geltenden Werte haben wir keine andere Wahl", erklärte er. "Unsere Sportler haben eine Vorbildfunktion und dabei passt dieses Benehmen überhaupt nicht", fügte Hendriks hinzu.

Der Ausschluss aus dem Olympia-Team bedeutet einen weiteren Tiefpunkt in van Gelders Karriere, die voraussichtlich nun vorbei ist. In den Niederlanden wurde er als "Lord of the Rings" gefeiert, nachdem der heute 33 Jahre alte Muskelprotz 2005 Welt- und Europameister geworden war: Holland wählte ihn als "Sportler des Jahres".

2009 war er bei einer Dopingkontrolle des Kokainmissbrauchs überführt und nach reumütigen Eingeständnissen für ein Jahr gesperrt worden. Seine Förderung als Sportsoldat der niederländischen Armee war damit beendet, er musste die Truppe verlassen.

Aus Versagungsangst hatte van Gelder 2010 auf die Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Rotterdam verzichtet. In London 2012 fehlte er als überführter Ex-Doper.

Das Spiel des Frauen-Fußballnationalteams war bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht beendet.

(dpa)
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