Daviscup: Hewitt der große Held: "Aussies" überleben "Hölle von Brasilien"
zuletzt aktualisiert: 08.04.2001 - 21:48Florianopolis (rpo). Dank starker Nerven und einer taktischer Finesse hat Australiens Daviscup-Team das Viertelfinale gegen Brasilien gewonnen. Zum Helden avencierte am Sonntag der erst 20-jährige Lleyton Hewitt, der vorzeitig den dritten Punkt gegen Gustavo Kuerten (7:6, 6:3, 7:6) klar machte.
Hewitt trieb die 12 000 Zuschauer, die Kuerten bis zum Matchball frenetisch anfeuerten, nicht nur mit seinem fast fehlerlosen Spiel, sondern auch mit seinen Provokationen und seiner Beherrschung zur Verzweiflung. Die Störungen der brasilianischen Tennis-Zuschauer, die etwa vor fünf Jahren den entnervten Österreicher Thomas Muster sogar zum Spielabbruch getrieben hatten, brachten ihn ebenso wenig aus dem Konzept wie die 30 Grad im Schatten. "Kuerten ist auf diesem Sandboden sicher der beste Spieler der Welt, aber mein Selbstvertrauen reicht dieser Tage bis zum Himmel", hatte Hewitt schon vor dem Spiel Optimismus ausgestrahlt.
"Ich habe heute zu viel Scheiße gebaut"
Kuerten bot die andere Seite der Münze. Den Tränen nahe, ließ er sich auch nicht vom Reporter des brasilianischen TV-Senders Sport TV trösten. Auf die Aufmunterung "Kopf hoch!" antwortete der sonst als Sunnyboy geliebte Brasilianer nach der Schlappe live ins Fernsehmikrofon: "Mensch, ich habe heute zu viel Scheiße gebaut." Brasiliens Kapitän Ricardo Acioly erkannte derweil die Überlegenheit der Gäste unumwunden an: "Die Australier waren bei den Big Points einfach besser, und Hewitt hat heute doch nur die Linien getroffen."
Hewitt, der am Freitag gegen Fernando Meligeni in drei Sätzen gewonnen und am Samstag mit Patrick Rafter das bislang auf Sand ungeschlagene brasilianische Doppel Kuerten/Jaime Oncins ebenfalls in drei Sätzen (mit drei Tie-Breaks) in die Knie gezwungen hatte, leistete sich am Sonntag keinen einzigen Aufschlagverlust. "Jetzt wird gefeiert", schrie er noch auf dem Platz nach einer langen Umarmung mit Rafter.
Der 28-jährige Rafter steuerte auch einen beträchtlichen Teil zum Sieg Australiens bei. Am Freitag hatte er noch in der erste Partie gegen Kuerten im vierten Satz beim Stand von 4:6, 6:4, 7:6 (7:1) und 2:1 für den Brasilianer wegen einer Muskelverletzung am rechten Ellbogen das Handtuch geworfen. "Taktische Meisterleistung, weil er keine richtige Verletzung hatte und sich nur für das Doppel schonen wollte", meinten brasilianische TV-Kommentatoren in einer Mischung aus Kritik und Bewunderung.
Im Doppel stellte Rafter dann trotz des für ihn ungünstigen, weil extrem langsamen Sandbodens sein hervorragendes Aufschlag- und Volleyspiel zur Schau. "Ich bin mit unserer Leistung hier sehr zufrieden, vor allem wenn man bedenkt, wie langsam der Boden war", sagte er. In Brasilien ließ der Frauenliebling durchblicken, dass er vor der beabsichtigten längeren Tennispause nach Saisonende noch erstmals am einem Daviscup-Titel seines Landes beteiligt sein will. "Das ist sehr wichtig für mich", betonte er. Die Tennis-Macht aus dem "Fünften Kontinent" strebt den 28. Gewinn der "hässlichsten Salatschüssel der Welt"" an. Mehr Titel haben nur die USA (31).
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