Tennis: Duell der Giganten im Halbfinale: Australian Open: Agassi trifft auf Sampras und Capriati gegen Davenport
zuletzt aktualisiert: 25.01.2000Melbourne (dpa). Im kühlen Melbourne hat ein US-Quartett um Pete Sampras und Andre Agassi die ersten vier Halbfinal-Plätze der Australian Open erobert. Einen Tag vor dem Viertelfinal-Auftritt von Nicolas Kiefer gegen den starken Schweden Magnus Norman, der am australischen Nationalfeiertag an diesem Mittwoch (9.05 Uhr MEZ/ARD) um den Einzug in die Vorschlussrunde kämpft, spielten sich die Tennis-Superstars Sampras und Agassi mit Dreisatz-Siegen über Chris Woodruff (USA) und Hicham Arazi (Marokko) für ihr Dauer-Duell am Donnerstag warm. "Ich bin bereit", sagte Agassi, der bei der ATP-WM in Hannover Ende November im Finale den Kürzeren gezogen hatte, vor dem 29. Aufeinandertreffen der beiden Tennis-Giganten. "Das wird", meinte Sampras, "ein großes Match."
Keine Probleme hatten am Dienstag auch Wimbledon-Gewinnerin Lindsay Davenport und die ungesetzte Jennifer Capriati, die gegen Kandarr-Bezwingerin Julie Halard-Decugis (Frankreich) und Ai Sugiyama (Japan) mit klaren Zweisatz-Erfolgen in die Runde der letzten Vier einzogen. Die einst als Wunderkind gefeierte und später tief gefallene Jennifer Capriati erreichte erstmals seit 1991 die Runde der letzten Vier bei einem der vier Grand-Slam-Turniere. "Das ist ein großartiges Gefühl. Ich bin wieder da." Ihre Halbfinal-Gegnerin Lindsay Davenport zeigte Respekt vor diesem Comeback. "Das ist einfach großartig, eine der besten Geschichten im Damen-Tennis."
Nicolas Kiefer hofft auf den Durchbruch. Er wollte in Melbourne seine Golftasche nicht mehr auspacken, auch vor seinem Viertelfinal- Spiel am "Australia Day" alles so machen wie bisher. "Ich bin ein wenig abergläubisch", gab er unumwunden zu. "So konzentriert habe ich noch nie bei einem Grand Slam gespielt." Der 22-Jährige absolvierte am Tag vor seinem großen Auftritt eine leichte Trainingseinheit mit dem Spanier Emilio Sanchez und sagte: "Es geht mir gut."
Foto: Sah zu, wie ihr Andre gewann: Steffi Graf.
Doch gegen Norman, der den australischen Überflieger Leyton Hewitt auf den Boden zurückholte, wird es für Kiefer in seinem dritten Grand-Slam-Viertelfinale, seinem zweiten in Melbourne, nicht leicht werden. "Er ist ein unangenehmer Gegner, aber wenn ich weiter so gut spiele, kann ich es schaffen." Der 1,88 Meter große Rechtshänder aus Schweden, der vor zweieinviertel Jahren wegen eines Herzfehlers operiert wurde und seine Tennis-Karriere beinahe hätte beenden müssen, besiegte im Vorjahr Thomas Haas im Finale von Stuttgart trotz eines 0:2-Satzrückstand. Normann gewann in der vergangenen Saison fünf Titel. "Wenn man das oft genug liest, dann beginnt man zu glauben, dass man doch ziemlich gut sein muss", meinte er. Trotzdem schob er die Favoritenrolle Kiefer, der lediglich drei Turniersiege verbuchen konnte, in die Schuhe.
Mit einem roten Lutscher in der Hand drückte Steffi Graf auf ihrem Stammplatz im Rod-Laver-Stadion ihrem Freund Andre Agassi die Daumen. Und der drehte gegen Arazi (Foto), dessen Landsmann Younes El Aynaoui in der Nacht gegen Titelverteidiger Jewgeni Kafelnikow im Viertelfinale stand, voll auf. 6:4, 6:4, 6:2 in 1:33 Stunden, dann war die Arbeit getan. Sampras, der über Magenkrämpfe klagte, war bei seinem 7:5, 6:3, 6:3 über Woodruff 16 Minuten länger beschäftigt.
Gegen seinen ewigen Rivalen Agassi, den er auch im Wimbledon- Finale besiegen konnte, liegt Sampras mit 17:11 Siegen in Führung. Doch das bisher einzige Aufeinandertreffen in Melbourne gewann Agassi: 1995 setzte sich der Tennis-Entertainer im Australian-Open- Finale in vier Sätzen gegen Sampras durch.
Auch bei den Damen wird es kein rein amerikanisches Finale geben. Titelverteidigerin Martina Hingis (Schweiz) und Arantxa Sanchez- Vicario (Spanien) sowie Elena Lichowtsewa (Russland) und Conchita Martinez (Spanien) bestritten beiden anderen Viertelfinal- Begegnungen. Die ersten Spiele in der Runde der letzten Acht gewannen Jennifer Capriati und Lindsay Davenport mit 6:0, 6:2 gegen Ai Sugiyama und 6:1, 6:2 gegen Kandarr-Bezwingerin Julie Halard-Decugis.
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