Nur Hewitt weiter - Starker Agassi: Australier schlagbar
zuletzt aktualisiert: 29.03.2000 - 10:39Miami (dpa). Die deutschen Daviscup-Spieler dürfen hoffen: ihre australischen Viertelfinal-Gegner sind durchaus schlagbar. Das haben zehn Tage vor dem Aufeinander- treffen in Adelaide die Amerikaner Andre Agassi und Jan-Michael Gambill eindrucksvoll bewiesen. Unter den besorgten Blicken seiner Freundin Steffi Graf gewann der Weltranglistenerste am Dienstag (Ortszeit) in Miami beim mit 5,725 Millionen Dollar dotierten Turnier sein Achtelfinal-Spiel gegen den zweimaligen US-Open-Gewinner Patrick Rafter mit 6:4, 6:4. Sein 22- jähriger Landsmann setzte sich überraschend klar gegen Mark Philippoussis 6:2, 6:7 (6:8), 6:3 durch. Als einziger Australier zog Jungstar Lleyton Hewitt in das Viertelfinale ein, wo er auf Gambill trifft.
Das 19 Jahre alte Energiebündel, dem schon Thomas Haas nicht gewachsen war, spielte beim 6:4, 6:3 gegen den Weltranglisten-Dritten Jewgeni Kafelnikow (Rußland) nach Herzenslust auf und geriet nie in Gefahr. Was der zweimalige Grand-Slam-Gewinner aus Russland in 78 Spielminuten auch versuchte, Hewitt hatte in seiner Unbekümmertheit immer die passende Antwort - auf dem Center Court und bei der Pressekonferenz. "Ich gab ihm das, was er von mir forderte. Er wollte mir sein Spiel aufzwängen, doch das wollte ich nicht", sagte der Senkrechtstarter des Jahres vor Selbstvertrauen strotzend. Mit 24 Siegen und nur zwei Niederlagen - bei den Australian Open gegen Magnus Norman (Schweden) und der Masters-Premiere in Indian Wells gegen Byron Black (Simbabwe) - fehlt ihm noch ein Matchgewinn, um die ATP-Rekordmarke von Agassi aus dem Jahre 1995 einzustellen.
"Lleyton spielt in einer bestechenden Form", befand nicht nur Daviscup-Kapitän John Newcombe, der vor einem leichten Weiterkommen gegen Deutschland warnte. "Im Daviscup haben schon ganz andere Favoriten verloren. Es wird sehr schwer für uns, denn der Erwartungsdruck ist riesig." Neben dem in Adelaide beheimateten dreifachen diesjährigen Turniersieger Hewitt hat sich der "Chef" des Titelverteidigers auf Philippoussis als zweiten Einzelspieler bereits festgelegt. Patrick Rafter kommt nur im Doppel mit Mark Woodforde zum Einsatz, was den 27-Jährigen aber nicht weiter stört. "Nach der Verletzungspause bin ich glücklich, überhaupt dabei zu sein. Der Daviscup gibt mir die Kraft, an meine weitere Karriere zu glauben", sagte Rafter, der die "hässliche Salatschüssel" noch nie gewann.
Entgegen anders lautender Aussagen denkt Rafter vorerst nicht daran, sich aus dem Tennis-Zirkus zu verabschieden. Vielmehr möchte er sich in einigen Monaten wieder als der gewohnte Weltklasse-Spieler präsentieren. Wegen der operierten Schulter, die ihm keine Probleme mehr bereite, könne er noch nicht so hart trainieren, wie er möchte. "Aber in einigen Monaten werde ich wieder mein bestes Tennis spielen", kündigte Rafter an, der trotz des Ausscheidens zufrieden war. Konditionell fehlte es noch ein bisschen, ansonsten wäre die Woche in Miami die beste gewesen, seit seinem Comeback im Februar.
"Es war ein sehr schweres, knappes Match. Durch den Wind war vor allem Patricks Serve noch gefährlicher", so Agassi, der im Viertelfinale gegen Tim Henmen (Großbritannien) antritt. Der als Nummer zehn gesetzte Brite besiegte den Chilenen Marcelo Rios (8) mit 6:1, 1:6, 7:6 (7:4). Souverän stieß auch Pete Sampras (USA) gegen Greg Rusedski (Großbritannien) durch ein 6:3, 6:3 in die nächste Runde vor, in der er gegen Nicolas Lapentti (9) spielt. Der Franzose kam kampflos weiter, da Thomas Enqvist (Schweden/7) wegen Magenprobleme nicht antreten konnte. Bei den Damen zogen Lindsay Davenport (USA/2) durch ein 6:2, 6:1 gegen Nadeschda Petrowa (Russland) und Sandrine Testud (Frankreich/12) durch ein 6:3, 6:4 gegen Jennifer Capriati (USA/13) als erste in das Halbfinale ein.
ATP-Turnier in Key Biscayne/Florida (3,2 Millionen Dollar):
Einzel, Achtelfinale: Andre Agassi (USA/Nr. 1) - Patrick Rafter (Australien/Nr. 15) 6:4, 6:4, Pete Sampras (USA/Nr. 2) - Greg Rusedski (Großbritannien) 6:3, 6:3, Lleyton Hewitt (Australien/Nr. 14) - Jewgenj Kafelnikow (Russland/Nr. 3) 6:4, 6:3, Gustavo Kuerten (Brasilien/Nr. 6) - Gianluca Pozzi (Italien) 6:4, 7:6 (7:3), Nicolas Lapentti (Equador/Nr. 9) - Tomas Enqvist (Schweden/Nr. 7) kampflos, Tim Henman (Großbritannien/Nr. 10) - Marcelos Rios (Chile/Nr. 8) 6:1, 1:6, 7:6, Wayne Ferreira (Südafrika) - Dominik Hrbaty (Slowakei) 2:6, 6:4, 6:4, Jan- Michael Gambill (USA) - Mark Philippoussis (Australien) 6:2, 6:7 (6:8), 6:3
Viertelfinale: Agassi - Henman, Ferreira - Kuerten, Gambill - Hewitt, Lapentti - Sampras
Doppel, zweite Runde: Goran Ivanisevic/Daniel Vacek (Kroatien/Tschechien) - Wayne Ferreira/ Jewgenj Kafelnikow (Südafrika/Russland) 6:1, 0:6, 6:2
Doppel, dritte Runde: Patrick Galbraith/Brian MacPhie (USA) - Ellis Ferreira/Rick Leach (Südafrika/USA) 6:1, 6:3, Justin Gimelstob/Sebastien Lareau (USA/Kanada) - Massimo Bertolini/Cristian Brandi (Italien) 7:5, 6:3, Jiri Nowak/David Rikl (Tschechien) - David Adams/John-Laffie de Jager (Südafrika) 7:6 (6:4), 6:3, Paul Haarhuis/Sandon Stelle (Niederlande/Australien) - Piet Norval/Kevin Ullyett (Südafrika/Simbabwe) 4:6, 6:2, 7:6 (6:4), Byron Black (Simbabwe) - Jonas Björkmann (Schweden) - Jan-Michael Gambill/Scott Humphries (USA) 6:4, 4:6, 6:3
WTA-Turnier in Key Biscayne (2,0 Millionen Dollar):
Einzel, Viertelfinale: Lindsay Davenport (USA) - Nedejda Petrowa (Russland) 6:2, 6:1, Sandrine Testude (Frankreich/Nr. 12) - Jennifer Capriati (USA/Nr. 13) 6:3, 6:4
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