Damit die Nummer zwei in Lausanne: Bach wird "Superminister" des IOC
zuletzt aktualisiert: 22.01.2002 - 12:16Lausanne/Neuss (rpo). Thomas Bach hat seine Stellung als einflussreichster deutscher Sportführer ausgebaut. Der Tauberbischofsheimer ist vom Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, zum neuen "Superminister" ernannt worden.
Bach, seit Sydney bereits IOC-Vize, erhielt als einziger außer Rogge den Vorsitz für zwei der wichtigsten IOC-Kommissionen und steigt damit praktisch zur Nummer zwei in Lausanne auf. Er übernimmt die Leitung der juristischen Kommission sowie der für "Sport und Recht", bleibt zudem Mitglied der Marketing-Kommission und zieht in die Kommissionen "TV und Internet" sowie "IOC-Reformen" ein.
"Ich bin mit der Übertragung dieses Aufgabenfeldes zufrieden und sehe es als interessante Herausforderung an, zumal es in der Bandbreite das Feld meiner beruflichen Tätigkeit widerspiegelt", kommentierte der Doktor der Rechtswissenschaften im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) seine Ernennungen.
Sechs Monate nach seiner Wahl zum IOC-Präsidenten am 16. Juli 2001 in Moskau hat Rogge seine "Regierung" für die nächsten Jahre zusammengestellt. Von den 25 Kommissionen mit sehr unterschiedlicher Bedeutung werden 15 durch Europäer geleitet, nur vier durch Nordamerikaner. Walther Tröger, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) für Deutschland, bleibt Vorsitzender der Kommission Breitensport und wird Mitglied für "Reformen". Ex-Ruderer Roland Baar (Hannover), Mitglied der Athletenkommission, zieht in die Programm-Kommission ein.
Besondere Stellung wird immer wieder deutlich
Die juristische Kommission gilt als besondere Schaltstelle im IOC, über sie laufen alle wichtigen Entscheidungen. Bach, Mitglied seit 1993, übernimmt den Vorsitz und damit die Schlüsselposition vom scheidenden IOC-Vize Keba Mbaye (Senegal). In der Kommission Fernsehen und Internet erhält der Wirtschaftsjurist die Federführung für Europa. Dort will er die "Priorität des freien Fernsehens" bei Olympiaübertragungen weiter sichern und eine "weltweite Strategie" für die Abgrenzung beider Medien entwickeln.
Der Fecht-Olympiasieger 1976 mit der Florettmannschaft wurde 1991 ins IOC aufgenommen, rückte 1996 in die Exekutive auf und wurde 2000 als dritter Deutscher nach Willi Daume (1972-76) und Berthold Beitz (1984-88) zum Vizepräsidenten gewählt. Doch weder sein "Ziehvater" Daume noch Krupp-Chef Beitz gehörten wie nun er zum engsten Machtzirkel.
Bachs besondere Stellung wird an diesem Mittwoch in Berlin erneut deutlich, wenn sich auf seine Initiative Rogge zum Vier-Augen-Gespräch mit Bundeskanzler Gerhard Schöder trifft und danach mit führenden deutschen Repräsentanten von Sport und Wirtschaft zusammenkommt. Dabei dürfte es auch um einen Einstieg in die Reihe der IOC-Topsponsoren gehen, bei denen Europa noch nicht vertreten ist. Dieser Bereich wird bislang fast ausschließlich von den USA abgedeckt.
Umbruch im Kabinett schreitet voran
Zu den Aufsteigern im "Kabinett Rogge" zählen neben Bach der Schweizer Denis Oswald (Athen 2004), der Holländer Hein Verbruggen (Peking 2008), der Norweger Gerhard Heiberg (Marketing), der Italiener Franco Carraro (Olympiaprogramm) und der Mexikaner Mario Vazquez Rana (Olympische Solidarität), den Rogge gegen erheblichen Widerstand zum "amtierenden Vorsitzenden" machte. Dies muss von der Session bestätigt werden.
Ein "kontrolliertes Comeback" feiert der Kanadier Dick Pound, der als Vorsitzender für "Strukturen" die Kostenexplosion bei den Spielen begrenzen soll. Neben Bach-Vorgänger Mbaye (77) verlässt auch der Schweizer Marc Hodler (83) den Führungszirkel. Seit 1989 war er IOC-Finanzchef, sein Nachfolger wird Richard Carrion (Puerto Rico).
Rogge selbst übernimmt den Vorsitz für "Fernsehen und Internet" sowie "IOC-Reformen". Ende November 2002 will der Belgier in Mexiko City sämtliche Beschlüsse des ersten Reformkongresses 1999 unter seinem Vorgänger Juan Antonio Samaranch auf den Prüfstand bringen. Der Spanier, 21 Jahre lang "Herr der Ringe", bleibt der olympischen Familie als Vorsitzender der Kommissionen "Pierre de Coubertin" und "Philatelie" verbunden.
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