Differenz zwischen Liga und Verband: Basketball: Wirbel um Anti-Doping-Scheine
zuletzt aktualisiert: 15.11.2000 - 16:47Frankfurt/Main (dpa). Fehlende Anti-Doping-Scheine sorgen in den Basketball-Bundesligen für heftigen Wirbel. Gleich fünf Siege wurden in den letzten drei Wochen am grünen Tisch aberkannt. Zudem wird mit zweierlei Maß gemessen, da sich die Männer-Bundesliga eigenmächtig ausgeklinkt hat. Hatte der Deutsche Basketball-Bund (DBB) in der Vergangenheit eher lax auf die Wichtigkeit des Papiers hingewiesen, wird nun bei fehlender Unterschrift mit großer Härte durchgegriffen, auch beim jüngsten Talent oder der Reservespielerin aus der dritten Mannschaft.
In der Bescheinigung bestätigt jeder Spieler lediglich seine Kenntnis über die Vorschriften des Anti-Doping-Systems. Grund für den heftigen Unmut ist das seit dieser Saison gültige Strafmaß. "Da geht jede Verhältnismäßigkeit verloren", meinte Trainer Ferdinand Michel von der DJK s.Oliver Würzburg, dessen Protest vor dem DBB- Spielgericht schon abgewiesen wurde.
Der Konflikt gewinnt an Brisanz, da sich die Männer-Bundesliga eigene Regeln gab. Eine Geldbuße und eine Sperre für den betreffenden Spieler heißt die Strafe für die 14 Teams bei gleichem Fehlverhalten. "Wir sind autark und halten unser Strafmaß für angemessen", meinte der Generalmanager der Basketball-Bundesliga (BBL), Otto Reintjes, und geht damit auf klare Konfrontation zum Verband. DBB-Ligasekretär Dirk Horstmann blockte vorerst ab und wollte zu der Differenz "vorläufig keine Stellungnahme abgeben".
Die Anti-Doping-Bestimmungen scheinen im Basketball nicht von allen richtig ernst genommen zu werden. Auch Horstmann wünscht sich mehr Sensibilität bei dem Thema. Beim Anti-Doping-Seminar vor Saisonbeginn waren bezeichnenderweise nur vier der 81 Mannschaften vertreten. Dabei hatte im März der Fall des mit Ephedrin gedopten Braunschweigers Steven Johnson die Ligen aufgeschreckt. Den ersten Doping-Fall im deutschen Basketball gab es im Januar 1999 durch die Osnabrückerin Iris Dinerman ("Pseudo-Ephedrin").
Das neue Strafmaß wurde bereits im Juni vom DBB-Bundestag beschlossen, aber gerade einmal fünf Tage vor in Kraft treten veröffentlicht. Seit dem 17. Oktober wird es bei den Frauen und zwei Wochen später auch bei den Männern angewendet. Wieso der DBB mit der Bekanntgabe in seiner Verbandszeitung so lange gewartet hat, bis der Spielbetrieb schon aufgenommen war, kann sich der Geschäftsführer des Frauen-Erstligisten vfL Blue Basket Bochum, Jochen Linnemann, nicht erklären.
Am Donnerstag verhandelt das Spielgericht zum zweiten Mal über die neuen Bestimmungen, nun über den Bochumer Einspruch. Der Frauen-Erstligist will sich die abgezogenen Punkte aus dem Spiel gegen die BG Rentrop Bonn zurückholen.
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