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Basketball-EM
Auf Goldjunge Schröder ruhen alle Hoffnungen

Fotos: Schröder – Braunschweiger, NBA-Pick 17, Hawks-Profi
Fotos: Schröder – Braunschweiger, NBA-Pick 17, Hawks-Profi FOTO: dpa, js uw
Tel Aviv. Dennis Schröder hat bei der EuroBasket eine schwere Last zu tragen. Mit seinen 23 Jahren ist der NBA-Profi der Leader des Nationalteams, doch ihm droht die Rolle als Alleinunterhalter.

Auch auf dem Weg zum Flieger legte Dennis Schröder einen Auftritt hin. Ausgestattet mit Goldrucksack, Sonnenbrille und Kopfhörer, verborgen unter einer dunklen Kapuze, tanzte der 23-Jährige am Flughafen Berlin-Tegel zu seiner Musik regelrecht die Gangway hinauf. Der NBA-Profi hat nicht nur auf dem Spielfeld eine besondere Rolle unter den deutschen Basketballern, das wurde vor dem Abflug nach Tel Aviv erneut deutlich.

Schröder ist für das Nationalteam bei der Europameisterschaft mit der Vorrunde in Israel der Schlüssel zum Glück. Das ganze Spiel ist auf den Point Guard der Atlanta Hawks ausgerichtet, es steht und fällt mit dem Braunschweiger. Diese Abhängigkeit ist gefährlich. "Man hat keine Chance, wenn nur ein Spieler punktet", weiß Bundestrainer Chris Fleming: "Wir müssen es auf mehrere Schultern verteilen."

Das ist leichter gesagt als getan. Denn in der Vorbereitung auf die EuroBasket ab Donnerstag stach kein anderer Spieler als echter Scorer hervor - ein Problem. "Wir wollen insgesamt noch besser werden", sagte Schröder nach der Generalprobe gegen Frankreich (79:85). Und er weiß, dass das auch notwendig ist, um erfolgreich sein zu können.

Schröder ist gern auffällig, bei der Wahl seiner Kleidung, seiner Autos, aber auch auf dem Feld. Nach vier Jahren in der NBA strotzt der Spielmacher vor Selbstbewusstein, ein Scheitern in der Vorrunde kommt nicht infrage - der Sprung zur Finalrunde in der Türkei ist fest eingeplant. "Für mich gibt es keine zweite Option. Wir müssen auf jeden Fall nach Istanbul. Das ist mein Ziel, und ich will auch nicht, dass irgendwer irgendwas anderes denkt."

Klare Worte, allerdings war die deutsche Mannschaft 2013 und 2015 jeweils nicht über die Gruppenphase hinausgekommen, die Qualifikation (ohne ihn) war mehr als holprig. Schröder ist das egal, er denkt wie immer groß. "Wir müssen uns als Topteam geben."

Das Scheitern vor zwei Jahren in Berlin, damals an der Seite von Dirk Nowitzki, hat bei Schröder Spuren hinterlassen. Zuletzt hatte er öffentlich mehr Unterstützung gefordert, auch vom Deutschen Basketball Bund (DBB), und mit seinem Rücktritt gedroht. Die zum Teil heftige Kritik an seiner Spielweise gefiel dem Hoffnungsträger ganz und gar nicht.

Schröder prahlt mit neuem 70-Millionen-Vertrag

Als Anführer hat Schröder wie selbstverständlich die Rolle des zurückgetretenen Weltstars Nowitzki (39) übernommen. Er wollte und will sie, aber der junge Millionär ist eben ein vollkommen anderer Typ als der bodenständige Würzburger - darum hält er nichts von den ewigen Vergleichen. "Dirk ist Dirk, und ich bin ich."

Nicht jeder mag die Schröders großspurige Art. So feierte er sich zuletzt erst wieder dafür, dass er künftig in Atlanta groß abkassiert. "Mein neuer 70-Millionen-Vertrag klickt am 15. November ein. Dann legt der Big Boy los", sagte Schröder der Welt am Sonntag. Gefundenes Fressen für alle, die meinen, dass da einem die Bodenhaftung komplett verlorengegangen ist.

Schröder, unbestritten das größte deutsche Talent seit Nowitzki, polarisiert. Sportlich ist er über jeden Zweifel erhaben. Seine Schnelligkeit, sein Spielwitz, seine Energie und seine Erfahrung, auch mit 23, ist für das deutsche Team die Grundlage für ein erfolgreiches Turnier. Allein der Gedanke an eine Verletzung des Dreh- und Angelpunktes dürfte Chris Fleming den Schweiß auf die Stirn treiben. Der Big Boy ist unersetzlich.

(sid)
 
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