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Ali Muhammed und Co.
Die Söldner des Basketballs

Basketball-EM: die Söldner
Ali Muhammed wurde als Bobby Dixon in den USA geboren. FOTO: afp, jd/apr
Berlin. Manchmal kann es so einfach sein. "Sie haben mich gefragt, und ich habe ja gesagt", erzählt Basketballprofi Bobby Dixon. Seit Juni hat der 32-Jährige einen türkischen Pass. Bei der Wahl des Namens entschied er sich für Ali Muhammed, weil "ich ein Fan von Muhammad Ali bin". Dass sich der selbst ernannte größte Boxer aller Zeiten mit "a" statt mit "e" schreibt – geschenkt. Von Eckhard Czekalla

Bei der Europameisterschaft in Berlin lenkt der Mann aus Chicago, dessen Mutter wegen Drogendelikten im Gefängnis saß und dessen Bruder erschossen wurde, das Spiel des türkischen Nationalteams. Seit 2012 spielt Bobby, wie er von seinen Mitspielern immer noch genannt wird, in der Türkei. Die Sprache beherrscht er nicht. Warum auch. Englisch wird im Basketball auf Topniveau geredet.

Dixon ist einer von neun Profis, die in den USA geboren wurden und die bei der EM für ein anderes Land spielen. Er wurde naturalisiert, da auch seine Eltern keine Wurzeln dort haben. Dixon arbeitet immerhin in der Türkei. A.J. Slaughter (28), in Louisville geboren, spielte seit 2010 in Italien, Belgien, Frankreich und Griechenland und künftig in der Türkei. Auch Alex Renfroe (29) hat noch nie für einen Klub des Landes gespielt, zu dessen Nationalteam er nun gehört. Dabei war der Profi aus Savannah nur zweite Wahl. Eigentlich wollten die Funktionäre von Bosnien-Herzegowina den für Alba Berlin aktiven Cliff Hammonds haben. Der aber hatte, kürzlich erst zum fünften Mal Vater geworden, wenig Lust im Sommer die Vorbereitung auf die EM mitzumachen und dann das Turnier zu spielen. Sein damaliger Teamkollege Renfroe, der in der kommenden Saison beim FC Bayern spielt (sein sechster Klub seit 2010), hatte beides - Zeit und Lust.

In Mazedonien wurde Bo McCalebb aus New Orleans vor fünf Jahren für das Nationalteam "freigeschaltet". 2011 war der Spielgestalter die treibende Kraft und sorgte für den unerwarteten vierten Platz bei der EM. Diesmal war er nicht in Form, stattdessen gehört nun Richard Hendrix (28), geboren in Alabama, zum Aufgebot.

Doch nicht alle sind Reisende in Sachen Basketball, die im Sommer nichts besseres vorhaben und in einer Nationalmannschaft spielen. D'OR Fischer (33) aus Philadelphia, seit 2014 eine wichtiger Mann im israelischen Team, hat von 2008 bis 2010 bei Maccabi Tel Aviv gespielt, heiratete in dieser Zeit und gründete eine Familie. Im kommenden Jahr kehrt der Center, der auch schon in Oldenburg und Bamberg auf Korbjagd ging, zurück. Er unterschrieb bei Hapoel Jerusalem. Private Gründe beeinflussten auch bei Blake Schilb die Entscheidung zu treffen, für Tschechien zu spielen. Doch es gibt auch andere. Sportliche etwa, da eine EM oder WM die ideale Bühne ist, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Das zahlt sich auch finanziell aus. Neben der Summe für die "Sommer-Arbeit", die schon mal an die 50 000 Euro heranreichen kann, winken lukrative Verträge. Da in einigen Topligen nur maximal zwei US-Profis zugelassen sind, steigen die Chancen mit einem Pass, der dieses Kontingent nicht belastet, dort unterzukommen und gut zu verdienen.

Die Nationalmannschaft als Arbeitsplatz und weniger als Herzensangelegenheit - da greift der Weltverband (Fiba) ein. Anders als im Handball, als sich der Überraschungs-Vizeweltmeister Katar ein Team völlig regelkonform zusammenkaufen konnte, ist im Basketball maximal ein Platz für einen naturalisierten Spieler offen. Auch die deutsche Mannschaft nutzte diese Chance. Bei Anton Gavel liegt der Fall aber etwas anders als bei den oft reiselustigen Profis aus den USA. Der gebürtige Slowake, der gegen das Veto seines ehemaligen Verbandes von der Fiba kurz vor der EM die Erlaubnis zur Teilnahme bekam, lebt und spielt schon seit 15 Jahren in Deutschland.

Der türkische Nationalcoach Engin Ataman gibt sich pragmatisch: Ich bin eigentlich kein Freund davon, dass fremde Spieler im Kader der Nationalmannschaft stehen. Aber andere Nationen profitieren von der Regel, und wir tun es auch."

(cze)
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