| 17.51 Uhr

Basketball-Nationalmannschaft
Die NBA geht vor

Fotos: Nowitzki – Würzburger, Basketball-Star, NBA-Legende
Fotos: Nowitzki – Würzburger, Basketball-Star, NBA-Legende FOTO: AP
Düsseldorf. Um in der besten Liga der Welt erfolgreich zu sein, müssen deutsche Basketballprofis den Dienst für die Nationalmannschaft hinten anstellen. Von Laura Harlos und Eckhard Czekalla

Mit dem Adler auf dem Trikot für die Nationalmannschaft aufzulaufen, ist für jeden deutschen Fußballer ein Traum. Bundestrainer Joachim Löw hat die Qual der Wahl. Sagen eingeladene Spieler ab, sind sie in der Regel verletzt. Auch für deutsche Basketballprofis ist das Spielen für ihr Land eine große Ehre - aber ein noch größerer Traum als der Europa- oder Weltmeistertitel ist ein Profivertrag in der besten Liga der Welt - der NBA. Wer hier dabei ist, hat es geschafft. Die Nationalmannschaft spielt dann nur die zweite Geige - wenn es die Klubs aus Nordamerika verlangen.

"Da muss man auch Kompromisse eingehen", sagt Ingo Weiß. Für den 53-Jährigen sind die Wechsel in die NBA aber "mehr Segen als Fluch". Auch für die Nachwuchsarbeit sei es toll, denn dies zeigt, dass "unsere Ausbildung gar nicht so schlecht ist", betont der umtriebige Sportfunktionär, der seit 2006 an der Spitze des Deutschen Basketball-Bundes (DBB) steht. Die Sportwelt habe sich verändert und damit auch die Aufgaben rund um die Nationalmannschaft. "Der Aufwand für Organisation, Koordination und Absprachen ist viel größer als noch vor 20 Jahren" , sagt Weiß.

Beim Lehrgang ab Freitag in Rotenburg an der Fulda, mit dem die Vorbereitung auf die EM (31. August bis 17. September) beginnt, muss Bundestrainer Chris Fleming auf vier von fünf NBA-Profis verzichten. "Die Dallas Mavericks haben mir ans Herz gelegt, dass ich ein Aufbautraining mache", sagte Maximilian Kleber (25) vergangene Woche. Was der Flügelspieler damit sagen will: Sein neuer Arbeitgeber hat ihm die Freigabe für die EM in Israel, Finnland, Rumänien und der Türkei nicht erteilt.

Neben dem neuen Teamkollegen von Dirk Nowitzki (39), der sich nach der Heim-EM 2015 endgültig aus dem Nationalteam verabschiedet hatte, sagte auch Paul Zipser ab. Der 23-Jährige steht vor der zweiten Saison für die Chicago Bulls und soll eine größere Rolle im Team einnehmen. Darauf will er sich vorbereiten - Zeit für das Nationalteam bleibt da nicht.

Die NBA beeinflusst auch die Pläne von Jungstar und Spielmacher Dennis Schröder. Der 23-jährige Profi der Atlanta Hawks kommt deutlich später als vorgesehen (1. August) zur Mannschaft. Beim Testspiel gegen Belgien in Erfurt am 5. August fehlt er, weil die NBA ihn für das Africa Game am selben Tag in Johannesburg berufen hat - Teilnahme verpflichtend. Erst danach "darf" er zum Nationalteam.

Lange warten musste der DBB auf die endgültige Zusage von Daniel Theis. Bis zuletzt wurde spekuliert, ob der Center die Freigabe bekommt. Überraschend wäre eine Absage nicht gewesen. Umso überraschender war die Einstellung der Boston Celtics. Sie wollten, dass der 25-Jährige spielt, weil er bei der EM weitere Spielpraxis sammeln kann - und das auf hohem Niveau.

Absagen der deutschen Stars bedeuten zugleich auch Chancen für den Nachwuchs. Chris Fleming hat neben Bogdan Radosavljevic (24) kurzfristig auch Isaiah Hartenstein (19) und Moritz Wagner (20) in den nun 20-köpfigen Kader berufen, den der Bundestrainer vor der EM auf zwölf Mann reduzieren muss. Hartenstein wurde unlängst von den Houston Rockets ausgewählt, doch es ist unwahrscheinlich, dass er schon eingesetzt wird. Wagner, der von der NBA träumt, studiert an der University of Michigan und beeindruckte Ingo Weiß in der vergangenen Woche bei der U20-EM.

"Die Jungs sollen mal reinschnuppern und erfahren, wie es im A-Kader zugeht", sagte der DBB-Boss. Mit Blick auf den neu gestalteten Terminkalender mit nun vier Fenstern für das Nationalteam (Februar, Juni, September, November), wobei die NBA-Profis lediglich im Sommer dabei sein können, bieten sich Chancen für andere Spieler. Die EM dürfte für Hartenstein und Wagner noch zu früh kommen. Angesichts der Leistungsdichte meint Weiß: "Ich freue mich, wenn wir zu den besten acht in Europa zählen."

Quelle: RP
 
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