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Basketball-EM
Schröder zwischen Verzetteln und Verblüffen

Pressestimmen: "Großes Drama"
Pressestimmen: "Großes Drama" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO
Berlin. Kein deutscher Spieler hat bei der Basketball-EM so polarisiert wie Dennis Schröder. Der NBA-Profi von den Atlanta Hawks sorgte für die Glanzpunkte, zog sich mit seiner teilweise egoistischen Spielweise aber auch Kritik zu.

Kaum hatte Dennis Schröder das Nationaltrikot ausgezogen, da waren seine Gedanken schon wieder ganz woanders. "Ich kann es kaum noch erwarten, wieder nach Atlanta zu kommen", ließ der NBA-Profi seine mittlerweile fast 110.000 Follower im sozialen Netzwerk Instagram wissen. Nach dem frühen EM-Aus zum Ende eines aufregenden Sommers mit den deutschen Basketballern und einem Stopp bei der Familie geht es Ende September zurück in die USA.

Schröder muss sich wieder an eine andere Rolle gewöhnen. Bei den Atlanta Hawks wird er auch in seiner dritten Saison nur zweite Wahl sein, als Backup für Spielmacher Jeff Teague. Das war bei der EuroBasket-Vorrunde in Berlin noch ganz anders. Der 21-Jährige stand immer in der Starting Five, zog die Fäden und gefiel, musste sich allerdings auch Kritik gefallen lassen.

Zu Egoistisch, nicht variabel genug, den Fuß immer nur voll auf dem Gaspedal. Schröder polarisiert auf dem Spielfeld. Einmal zieht der Point Guard unwiderstehlich zum Korb und punktet, dann verzettelt er sich völlig und passt den Ball ins Nichts. Staunen und Kopfschütteln wechselten sich bei den Zuschauern ab. "Abschließen, wenn ich in Korbnähe komme. Ich habe also das gemacht, was der Coach von mir wollte", verteidigte sich Schröder in der Bild am Sonntag gegen Kritik.

"Im Moment geht halt immer nur 100 Prozent, das muss er noch lernen", sagte NBA-Superstar Dirk Nowitzki, stellte aber dabei klar: "Er war mit Abstand unser bester Spieler. Dennis ist ein Aufbau, so was haben wir in Deutschland noch nie gesehen." Schröder weiß, dass er noch Luft nach oben hat: "Ich habe alles gegeben, ich habe gute Spiele abgeliefert. Vielleicht hätte ich einen besseren Job machen können."

Es ist völlig offen, ob der Würzburger Nowitzki noch einmal im Nationalteam spielt. Das passiert nur dann, wenn der Deutsche Basketball Bund (DBB) im kommenden Jahr eines von drei vorolympischen Turnieren ausrichten darf. Doch die Bewerber stehen Schlange. Es ist gut möglich, dass Schröder ziemlich bald Nowitzkis Führungsrolle übernimmt. Nicht nur auf, sondern auch neben dem Feld.

Dafür muss er reifer werden. Menschlich darf man den Braunschweiger nicht mit Nowitzki vergleichen, die Unterschiede sind nicht nur was das Alter angeht riesig. Der 37-jährige Nowitzki ist auch nach dem Gewinn des NBA-Titels mit den Dallas Mavericks bescheiden und bodenständig geblieben, Geld und Außendarstellung spielen eine untergeordnete Rolle.

Schröder hingegen spielt mit den sozialen Netzwerken, postet gerne mal Fotos von sich und seinen dicken Autos. Das ist heutzutage nichts Ungewöhnliches, gefällt aber natürlich nicht jedem. Vielleicht wächst es sich ja aus.

Dass er sich sportlich in die richtige Richtung entwickelt, ist viel wahrscheinlicher. Die Gruppenspiele unter der Woche gegen Spitzenteams wie Serbien, Spanien, Italien und die Türkei haben Schröder weitergebracht. Enorm sogar, glaubt Svetislav Pesic. "Bei der EM hat er mehr gelernt als in einem ganzen Jahr in der NBA", sagte der frühere Bundestrainer im Express.

Deshalb empfiehlt Nowitzki dem Hoffnungsträger, weiter für den DBB aufzulaufen. "Für mich war es immer super, in der Nationalmannschaft zu spielen. Auch von der Entwicklung her", so Nowitzki: "Du hast eine große Rolle, das hat mich weitergebracht." In Atlanta wird Schröder wieder viel Zeit auf der Ersatzbank verbringen.

(sid)
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