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Traum geplatzt
Nowitzki lässt Zukunft nach EM-Aus offen: "Schau'n mer mal"

Nowitzki verbeugt sich vor Berliner Publikum
Nowitzki verbeugt sich vor Berliner Publikum FOTO: dpa, lus kno
Dirk Nowitzki stand allein in der Hallenmitte, genoss den Applaus und verneigte sich vor dem Berliner Publikum. Es wirkte wie ein Abschied, als der gefeierte Superstar nach dem bitteren EM-Aus langsam Richtung Kabine ging.

Ob sein Auftritt beim 76:77 (38:41) im entscheidenden abschließenden Vorrundenspiel gegen Spanien wirklich der letzte im Nationaltrikot war, wollte Nowitzki nicht beantworten. "Schau'n mer mal", sagte der Würzburger.

Erneut musste sich die Auswahl des Deutschen Basketball Bundes (DBB) in letzter Sekunde geschlagen geben. Nach den Spielen gegen Serbien (66:68) und Italien (82:89 n.V.) setzte es den nächsten schwer verdaulichen Nackenschlag. Sekunden vor dem Ende verpasste Dennis Schröder an der Linie mit einem Fehlwurf den Ausgleich. "Ich hatte drei Freiwürfe und habe nur zwei gemacht. Ich nehme die Schuld auf mich", sagte der 21-Jährige.

Pressestimmen: "Großes Drama" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO

Das Minimalziel Achtelfinale hat die deutsche Mannschaft verpasst, Olympia ist nun in weiter Ferne. Ein Sieg hätte im Alles-oder-Nichts-Spiel gegen die Spanier zum Weiterkommen gereicht, doch es ging wieder schief. "Wir haben gekämpft, haben alles gegeben, es hat halt leider nicht gereicht", so Nowitzki.

Spanier Gasol fühlt mit Nowitzki

Auch der spanische Superstar Pau Gasol fühlt nach dem bitteren EM-Vorrundenaus der deutschen Basketballer mit seinen langjährigen NBA-Weggefährten Dirk Nowitzki. "Mir tut es sehr leid, dass er mit dem deutschen Team ausgeschieden ist", sagte Gasol. "Die Deutschen haben bei diesem Turnier so viele enge Spiele verloren. Das ist bitter", sagte der 35-Jährige von den Chicago Bulls: "Ich wünsche Dirk nur das Beste, denn er ist ein großartiger Kerl und seit vielen Jahren ein überragender Spieler."

Dass Nowitzki auch mit 37 Jahren noch einmal für Deutschland spielte, verlangte dem früheren Weltmeister Gasol viel Respekt ab. "Dirk ist ein ganz einzigartiger Spieler, er ist ein Vorbild für jeden Basketballer und jeden Menschen auf der ganzen Welt", sagte der zweimalige NBA-Champion: "Er hat eine großartige Karriere."

Fragen und Antworten zum EM-Aus

Mit nur einem Sieg zum Auftakt gegen Außenseiter Island (71:65) verpasste die Mannschaft von Bundestrainer Chris Fleming den vierten Platz in Gruppe B und ist schon vor dem Start der Finalrunde in Lille/Frankreich ausgeschieden. Wie schon vor zwei Jahren in Slowenien flog das DBB-Team in der Gruppenphase raus und verliert damit die Sommerspiele in Rio de Janeiro aus den Augen.

Mindestens Platz sieben wäre nötig gewesen, um bei einem Qualifikationsturnier im Juli 2016 dabei zu sein. Ganz vorbei ist der Olympiatraum aber noch nicht: Deutschland kann sich für eines von drei Turnieren bewerben und dürfte bei einem Zuschlag als Gastgeber teilnehmen. DBB-Präsident Ingo Weiss kündigte bereits an, eine Bewerbung mit Berlin zu prüfen.

Der 37 Jahre alte Nowitzki hatte bereits angekündigt, erneut im Nationaltrikot zu spielen, wenn es eine Chance auf ein Ticket für Rio gibt. Ob der Power Forward der Dallas Mavericks das wirklich macht, ist offen. Sein Bestes war diesmal nicht gut genug. Nowitzki war sein fortgeschrittenes Alter anzumerken, nach zuvor vierjähriger Pause im DBB-Team konnte er längst nicht mehr so dominieren wie in der Vergangenheit. "Ich habe die ganze EM kein richtiges Wurfglück. Hier und da fällt mal einer rein, aber konstant bin ich nicht so drin. Das ist schade", gab Nowitzki zu.

Im Spaß gab er Bundestrainer Chris Fleming in der Kabine nach dem Spiel noch ein ganz besonderes "Versprechen". "Er hat uns gesagt, dass er ja noch vier oder fünf Jahre spielen kann", sagte der Amerikaner. Ernst meinte Nowitzki das natürlich nicht.

Schröder versuchte derweil Nowitzkis Führungsrolle zu übernehmen, war damit aber teilweise überfordert. Obwohl er spielerisch auch glänzen konnte, wollte der NBA-Profi von den Atlanta Hawks zu oft mit dem Kopf durch die Wand. Auch seine öffentliche Kritik ("Das finde ich nicht smart") an der Taktik des Bundestrainers im Spiel gegen Italien sorgte für Unruhe, ehe er sich ebenfalls öffentlich entschuldigte.

Mit Fleming wird es weitergehen. Der 45-jährige Amerikaner hatte das Team erstmals bei einem großen Turnier betreut und sollte es nach Rio führen. Fleming wird in der kommenden Saison allerdings auch Co-Trainer beim NBA-Klub Denver Nuggets, was beim DBB gar nicht gut ankommt. "Es gibt keine Trainerdiskussion", stellte Weiss nach klar: "Chris Fleming ist unser Trainer und bleibt unser Trainer."

Fakt ist aber auch: Die Basketballer stehen nach einem enttäuschenden Turnier wieder vor Problemen. Daran ändert auch der Auftritt gegen Spanien nichts. Schröder (26 Punkte) und Nowitzki (10), den die gesamte Familie in der Halle unterstützte, konnten die vierte Niederlage in Folge vor 13.050 Zuschauern nicht verhindern.

(sid)
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