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Traum von Olympia bleibt
Nowitzki will von Rücktritt nichts wissen

Nowitzki verbeugt sich vor Berliner Publikum
Nowitzki verbeugt sich vor Berliner Publikum FOTO: dpa, lus kno
Berlin. Dirk Nowitzki erlebte einen emotionalen Abschied von der EM in Berlin. Ob der 37-Jährige noch einmal für Deutschland spielen wird, ist völlig offen.

Innerlich hatte Dirk Nowitzki mit seiner Karriere in der Nationalmannschaft schon abgeschlossen, als sich doch noch ein Hintertürchen öffnete. "Ich habe gehört, dass es noch eine Möglichkeit auf ein vorolympisches Turnier gibt. Wenn das so ist, können wir uns im nächsten Sommer sicher noch mal zusammensetzen", sagte der Basketball-Superstar nach dem enttäuschenden Vorrunden-Aus bei der EM in Berlin.

In der festen Annahme, gerade sein 153. und letztes Spiel im Trikot des Deutschen Basketball Bundes (DBB) absolviert zu haben, hatte sich der 37-Jährige mit feuchten Augen vor den Fans in der Hauptstadt verneigt. "Ich dachte eigentlich: Das war's", sagte Nowitzki. Als ihm mehrere Journalisten anschließend jedoch von einer ihm bis dahin unbekannten Möglichkeit erzählten, doch noch bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro dabei zu sein, stellte der Power Forward weitere Einsätze für Deutschland in Aussicht.

Pressestimmen: "Großes Drama" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO

In diesem Moment zeigte sich Nowitzkis große Sehnsucht nach einer zweiten Olympiateilnahme ganz deutlich. Nur deswegen war er in diesem Sommer nach vierjähriger Pause in die DBB-Auswahl zurückgekehrt. Umso bitterer war das Ausscheiden in der Gruppenphase für den NBA-Profi der Dallas Mavericks. "Ich habe in meinen 17 Jahren Profi-Basketball schon eine ganze Menge erlebt. Klar gehört das hier zu den großen Enttäuschungen", sagte der Würzburger.

Das 76:77 (38:41) gegen Spanien zum Abschluss bedeutete den K.o., insgesamt gab es vier Niederlagen in fünf Spielen - zu viel für das Erreichen der Finalrunde in Frankreich. "Die Enttäuschung sitzt tief. Es gehen alle enttäuscht nach Hause", sagte Nowitzki, der nun auf eine deutsche Bewerbung um ein olympisches Qualifikationsturnier hofft.

Der Verband prüft diese Möglichkeit mit einem Turnier in Berlin, im November entscheidet der Weltverband FIBA. Neben fünf sportlich qualifizierten Teams wird auch der Ausrichter dabei sein und könnte sich als Sieger des Wettbewerbs für Olympia qualifizieren. Noch ist diese Chance für Nowitzki aber weit weg. "Jetzt werde ich eine Woche abspannen und dann geht es bei uns auch drüben wieder los", sagte er.

Chronologie: Dirk Nowitzki in der deutschen Nationalmannschaft

Der Trainingsstart in Dallas ruft, auf seine alten Basketballer-Tage ist das für Nowitzki eine enorme Belastung. Doch er hat die EuroBasket gerne gespielt und sich damit einen seiner letzten Träume erfüllt. "Ich habe mit Sicherheit kein tolles Turnier gespielt. Es war aber auch noch einmal ein bisschen für die deutschen Fans. Wenn die EM woanders gewesen wäre, wäre ich nicht dabei gewesen", sagte der NBA-Champion von 2011.

Die Fans dankten ihm seinen Einsatz mit Standing Ovations, in den sozialen Netzwerken wurde Nowitzki mit Lob und Dankbarkeit überschüttet. Selbst die Konkurrenz verneigte sich. "Dirk ist ein ganz einzigartiger Spieler, er ist ein Vorbild für jeden Basketballer und jeden Menschen auf der ganzen Welt", sagte Spaniens Superstar Pau Gasol: "Mir tut es sehr leid, dass er mit dem deutschen Team ausgeschieden ist."

13,8 Punkte und 7,8 Rebounds pro Spiel legte Nowitzki bei der sechsten EM-Teilnahme auf. Für einen Spieler in seinem Alter eine starke Leistung, doch an die Gala-Auftritte der Vergangenheit konnte er nicht anknüpfen. "Dass ein Spieler in seinem Alter die Knochen für Deutschland hinhält, ist äußerst beeindruckend. Ich bin sehr dankbar, dass er da war", sagte Bundestrainer Chris Fleming: "Dirk war überragend."

Auch wenn Nowitzki zuvor noch nie bei einem großen Turnier in der Vorrunde ausgeschieden war, so wollte er von einem unwürdigen Ende nichts wissen. "Was heißt unwürdig? Ich habe einfach alles gegeben, ich habe gekämpft - das ganze Turnier lang", sagte Nowitzki. Und ob es wirklich das Ende war, ist völlig offen.

(sid)
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