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Renato Sanches
Bayerns neuer Rastafari

Paris. Bis zu 80 Millionen Euro könnte der portugiesische Mittelfeldspieler Renato Sanches die Münchner kosten. Bei seinem EM-Debüt schürte der 18-Jährige Hoffnungen auf eine große Zukunft. Von Thomas Niklaus

Mit seinen wilden Rastalocken und dem bulligen Körper ist Renato Sanches eine sehr auffällige Erscheinung. Doch auch auf dem Platz hebt sich der 18-Jährige mit seiner unerschrockenen Spielweise deutlich ab. Nachdem der künftige Münchner bei Portugals 1:1 gegen Island in der 71. Minute eingewechselt worden war und sein EM-Debüt feierte, blieb selbst Superstar Cristiano Ronaldo nur eine Nebenrolle.

Renato Sanches riss das Spiel der Portugiesen mit einer Selbstverständlichkeit an sich, die angesichts seiner Jugend erstaunte. Er war in seinem knapp 25-minütigen Auftritt präsenter, ballsicherer und laufstärker als "CR7". Er wurde von seinen Kollegen gesucht. Der neue Bayern-Profi war gleich der Chef.

Dabei war Renato Sanches am Dienstagabend mit 18 Jahren und 301 Tagen der jüngste Spieler, der jemals bei einem Turnier für Portugal auflief. Bislang war dies Ronaldo höchstpersönlich gewesen, der bei der EM 2004 mit 19 Jahren und 128 Tagen seinen Turnier-Einstand erlebt hatte. Ronaldo ist inzwischen 31 und bei Real Madrid zu einem der weltbesten Fußballer aufgestiegen. Sanches trauen Experten eine ähnlich schillernde Karriere zu. Er gilt als eines der größten Versprechen im europäischen Fußball.

Dass die Bayern jüngst den Zuschlag erhielten, überraschte angesichts der zahlungskräftigen Konkurrenten aus England und Spanien doch ein wenig. Der neue Münchner Trainer Carlo Ancelotti soll den jungen Mann von Benfica Lissabon aber von einem Wechsel in die Bundesliga überzeugt haben. Immerhin 35 Millionen Euro plus Bonuszahlungen, die sich auf weitere 45 Millionen Euro summieren könnten, lassen sich die Bayern den Youngster kosten. Vertrag bis 2021.

Bis zu 80 Millionen für einen Nachwuchsspieler, der erst eine Saison in Portugals erster Liga absolviert hat. Zu viel? Münchens ehemaliger Coach Pep Guardiola sieht das nicht so: "Er ist bei Weitem einer der besten jungen Spieler in Europa. Er hat eine große Zukunft vor sich." Wenn Fußballer herausragen, gibt es jedoch schnell Neider. Bei Renato Sanches führte dies zu absurden Verschwörungstheorien. Weil der auf den Kapverden geborene Sanches erst im Alter von fünf Jahren getauft und in Portugal offiziell gemeldet wurde, ging das abenteuerliche Gerücht um, der künftige Bayern-Jungstar sei fünf Jahre älter als angenommen. Benfica veranlasste daraufhin einen medizinischen Test und ging mit dem Ergebnis an die Öffentlichkeit - die Zweifler verstummten. Es ist Fakt: Renato Júnior Luz Sanches ist erst 18.

Seine Karriere verlief im Eiltempo, und es soll so weitergehen. "Man nimmt immer eine Etappe. Man muss immer das Maximum auf jeder Etappe geben, um der Beste zu sein", sagte Sanches unlängst.

Der 1,76 m große Portugiese weiß, was er will: Er gilt als bescheiden, aber auch als sehr ehrgeizig, motiviert und lernwillig. Sanches hat früh gelernt, sich durchzusetzen. Er kam als Sohn kapverdischer Einwanderer mit fünf Monaten nach Lissabon und wuchs dort in einem Problemviertel auf. Im Schatten des Estádio Alvalade, der Heimstätte von Sporting, begeisterte er sich auf den Straßen für den Fußball. Als Sanches neun war, wechselte er von Águias da Musgueira für 750 Euro zu Benfica. Inzwischen ist er mindestens 47.000 Mal so viel wert.

Das Spiel Deutschland - Polen war beim Druck dieser Ausgabe nicht beendet. Berichte und Fotos finden Sie unter www.rp-online.de/sport/em

(sid)
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