Haas bleibt einziger Hoffnungsträger in Stuttgart: Becker-Schüler Phau zahlte Lehrgeld
zuletzt aktualisiert: 31.10.2000 - 09:35Stuttgart (dpa). Boris Beckers derzeit bester Schüler Björn Phau (Foto) ist für die Tennis-Weltelite noch nicht gut genug. Der 21 Jahre alte Lehrling aus dem Junior-Team des dreimaligen Wimbledon-Siegers verlor am Montag beim mit 2,95 Millionen Dollar dotierten Masters-Turnier in Stuttgart gegen den Franzosen Nicolas Escude mit 3:6, 4:6.
Vor dem ersten Auftritt von Thomas Haas war auch für die zwei weiteren deutschen Qualifikanten die erste Runde zugleich die letzte, allerdings erst nach harter Gegenwehr: Der ehemalige Daviscup-Spieler Jens Knippschild unterlag Michael Chang (USA) nach einer vergeblichen Aufholjagd unglücklich mit 3:6, 7:6 (7:3), 6:7 (1:7). Im zweiten Satz hatte der 25-Jährige aus Oberhausen bereits scheinbar aussichtslos mit 2:5 zurück gelegen. Christian Vinck (Halle/Westfalen) musste sich gegen den Südafrikaner Wayne Ferreira ebenfalls in drei Sätzen mit 3:6, 7:6 (8:6), 4:6 geschlagen geben.
Thomas Haas, auf dessen Schultern nach der Absage von Nicolas Kiefer die Hoffnungen der deutschen Fans ruhen, bestreitet sein Auftaktspiel gegen Sebastien Grosjean aus Frankreich erst am Dienstag. Mit einem Einzug ins Halbfinale könnte der 22- Jährige den ein Jahr älteren Kiefer als derzeit bestplatzierten deutschen Profi im "Champions Race" und damit als nationale Nummer eins ablösen. Als Weltranglisten-19. hat Haas (221 Punkte) einen Rückstand von 32 Zählern auf den drei Ränge vor ihm platzierten Kiefer (253).
Seinen großen Worten nach den Überraschungserfolgen gegen Daniel Elsner (Mannheim) und den Niederländer Sjeng Schalken in der Qualifikation konnte Phau gegen Nicolas Escude keine Taten folgen lassen. "Außer den Top-Ten-Spielern kann ich jeden schlagen", hatte die Nummer 211 im "Champions Race" selbstbewusst verkündet. Doch am Montag erwies sich bereits die Nummer 44 als zu stark. "Ich habe nie zu meinem Spiel gefunden. Ich hatte Probleme beim Aufschlag und habe mich schlecht bewegt", bemerkte Phau selbstkritisch. Ein 0:3- Fehlstart im ersten Satz war Gift für sein Selbstvertrauen. "Ich habe mich nie wohl gefühlt auf dem Platz", sagte er. Mit dem Leben als Tennis-Profi ist nun fürs erste Schluss. "Die Saison ist beendet. Am Donnerstag muss ich zur Bundeswehr", berichtete Phau. Umgerechnet 20 000 Mark Preisgeld blieben ihm als Trostpflaster.
Ein heißer Anwärter auf den Siegerscheck über 434 000 Dollar ist erneut der Niederländer Richard Krajicek. Der Turniersieger von 1995 und 1998 bezwang den spanischen Qualifikanten Alberto Martin mit 6:2, 6:4 und verbesserte seine Stuttgarter Rekordbilanz auf 26:6 Siege. Im vergangenen Jahr hatte der Hallen-Spezialist das Endspiel gegen den Schweden Thomas Enqvist in vier Sätzen verloren.
Im Mittelpunkt steht in Stuttgart der Kampf um die Tickets für die Weltmeisterschaft in Lissabon (27. November bis 3. Dezember), den Haas und Kiefer bereits verloren haben. Gustavo Kuerten (Brasilien), Marat Safin (Russland), Pete Sampras und Andre Agassi (beide USA) haben sich bislang für das Saisonfinale der besten acht Spieler des Jahres qualifiziert. Bis auf Wimbledon-Triumphator Sampras ist die komplette Weltelite in der Schwaben-Metropole am Start.
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