Australian Open in Melbourne: Bei "Aussie"-Siegen drehen die Fans durch
zuletzt aktualisiert: 17.01.2001 - 11:29Melbourne (sid). Lleyton Hewitt (Foto) läuft jeden Tag über die Tennisanlage im Melbourne Park. Seine Kappe verkehrt herum auf dem Kopf, die Beutelshorts noch weiter als sonst und die langen, blonden Haare offen. Und er schreit die Zuschauer an, die sich auf einen der 24 Matchplätze begeben oder eine teure Kleinigkeit essen wollen. "Comon", brüllt der Typ pausenlos und ballt energisch die Fäuste "comon!!!"
Das clowneske Hewitt-Double ist bei den australischen Fans so beliebt wie das Original, das die Hoffnungen fast einer ganzen Nation aufgebürdet bekam, endlich den Australian-Open-Fluch zu beenden. Seit 25 Jahren wartet eine der größten Tennisnationen auf einen Sieger bei ihrem eigenen Grand-Slam-Turnier. 1976 gewann in Mark Edmondson zuletzt ein Einheimischer. Damals wurde noch in Kooyong gespielt und auf Gras. Ewigkeiten ist das her in der schnelllebigen Tenniswelt - wenn auch kein Vergleich mit Wimbledon, wo die Engländer seit 1936 auf den Erfolg eines der Ihren warten.
In diesem Jahr soll es endlich soweit sein. Nicht nur Hewitt, der am Donnerstag gegen Tommy Haas spielen musste, räumten die Aussies Chancen ein. Auch auf Patrick Rafter wurden mehr Wetten abgegeben als auf Andre Agassi oder Pete Sampras. "Die Australian Open sind für mich ein 'unfinished Buisiness' sagte Rafter, der zum Jahresende seine Karriere ausklingen lassen will, "ich würde sehr gerne hier gewinnen und gebe mir dieses Jahr eine Außenseiterchance."
Mit der Unterstützung der lauten, begeisterungsfähigen, aber nie unfairen Fans scheint fast alles möglich. Hewitt stand bei seinem dramatischen Fünf-Satz-Sieg in der ersten Runde gegen Jonas Björkman schon vor dem Aus, Probleme mit dem Oberschenkel und seiner Form. "Das Publikum war fantastisch und hat mich da herausgeholt", meinte der 19-Jährige, "ich habe meine Energie aus den Fans gewonnen. Es war unglaublich." Der Weltranglisten-Siebte will in seiner Karriere nichts mehr, als die Australian Open zu gewinnen: "Es bedeutet mir mehr als Wimbledon oder Paris. Kein Turnier ist mehr in meinem Herzen."
Damit spricht der Teenager aus Adelaide auch für seine Kollegen. Vor der eigenen Kulisse laufen sie alle zu Glanzform auf. Andrew Ilie, die Nummer 49 im ATP-Computer, schaltete am Mittwoch mit 3:6, 6:2, 6:1, 1:6, 6:2 in Juan Carlos Ferrero (Spanien/Nr. 9) den ersten gesetzten Spieler aus. Auch Wayne Arthurs setzte sich gegen den Schweizer Ivo Heuberger mit 6:3, 3:6, 6:3, 3:6, 6:1 in fünf Sätzen durch. Rafter stieß durch einen 6:4, 2:6, 6:3, 7:6 (7:4)-Erfolg über den in Salmtal lebenden Russen Nikolai Dawidenko in zweite Runde vor und wurde gefeiert. "Die Fans sind in diesem Jahr noch fröhlicher und lauter", meinte der 28-Jährige, "es ist eine tolle Atmosphäre und der Lärm kommt wirklich unten an."
Besonders der gebürtige Rumäne Andrew Ilie ist dabei ein Massenmanipulator wie sonst keiner im Tennis. Er feuert die Zuschauer während des Matches an, peitscht sie auf und lässt sich dadurch aufpeitschen. Am Ende riss er wieder sein Shirt vom Körper und lief mit der australischen Flagge eine Ehrenrunde. "Das Publikum baut mich auf, ich werde heiß wie Lleyton", sagt der 25-Jährige, "ich will damit keinem Konkurrenten vor den Kopf stoßen." Aber ein bisschen verwirren, das nehmen die Aussies schon gerne in Kauf...
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum











