Schwimmen: Beide Lagen-Staffeln mit Medaille und Europarekord
zuletzt aktualisiert: 21.08.2004 - 19:27Athen (rpo). Toller Abschluss für die deutschen Schwimmer durch die Lagenquartette: Sowohl die Damen als auch die Herren holten über die 4 X 100 Meter in Europarekordzeit eine Medaille.
Mit zwei Europarekorden, Silber und Bronze am Schlusstag verbesserten die Lagenstaffeln die zuvor schwache Bilanz der deutschen Schwimmer bei den Olympischen Spielen in Athen noch deutlich. Mit insgesamt einer Silber- und vier Bronzemedaillen blieb der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) zwar über dem Niveau von Sydney, allerdings deutlich hinter den hohen Erwartungen zurück. Bei den Spielen 2000 hatten Franziska van Almsick und Co. mit dreimal Bronze ein Debakel erlebt.
Ulrich Feldhoff, Vizepräsident des Deutschen SportBundes (DSB), kündigte in Athen bei Halbzeit ernsthafte Konsequenzen an: "Es ist im Schwimmen ganz offensichtlich nicht gelungen, den Trainingsaufbau auf Athen auszurichten. Wir haben eindeutig den Punkt nicht getroffen. Ich will nicht spekulieren, aber daraus werden die Fachleute ihre Konsequenzen ziehen müssen."
Das Glanzlicht zum Abschluss setzten Steffen Driesen, Jens Kruppa, Thomas Rupprath und Lars Conrad, die in 3:33,62 Minuten 1, 10 Sekunden unter der alten Europa-Bestmarke blieben. Lediglich die US-Staffel war schneller und sorgte in 3:30,68 und mit Starter Aaron Peirsol in 53,45 Sekunden über 100 m Rücken für die Weltrekorde Nummer sechs und sieben in Athen. "Das war traumhaft. Ich bin glücklich, dass es am Ende geklappt hat", meinte Kruppa.
Die Frauen-Staffel in der Besetzung Antje Buschschulte, Sarah Poewe, Franziska van Almsick und Daniela Götz verbesserte in 4:00, 72 den eigenen, zwei Jahre alten Europarekord um 82 Hundertstelsekunden. Gold ging an die Australierinnen, die in 3:57, 32 den Weltrekord der US-Staffel von Sydney um 98 Hundertstel unterboten, vor den USA. "Ich bin froh, dass nach elf Starts hier jetzt alles vorbei ist", sagte Antje Buschschulte: "Ich bin im Kopf völlig leer, aber total glücklich über meine dritte Bronzemedaille."
Sportdirektor und Cheftrainer Ralf Beckmann steht nach den Höhenflügen bei der WM 2001 in Fukuoka, der EM 2002 in Berlin und der WM 2003 in Barcelona erstmals heftig in der Kritik, schloss einen Rücktritt aber bereits kategorisch aus. Erstmals erwiesen sich die Prognosen des ehemaligen Meisterschwimmers als unzutreffend, "sechs große und zwölf erweiterte Medaillenchancen" lösten sich in Luft auf. Beckmann kündigte eine "schonungslose Analyse" an, "die keinen kritischen Punkt ausnehmen darf. Das gilt insbesondere für die Trainingsaufbau in Richtung Athen. Wir werden nichts schön reden."
Die fünfmalige Weltmeisterin Hannah Stockbauer scheiterte als eine der Favoritinnen sowohl im Vorlauf über 400 als auch über 800 m Freistil. Superstar Franziska van Almsick war über 200 m Freistil auf Gold programmiert, belegte aber lediglich einen enttäuschenden fünften Platz. Die USA untermauerten wie in Sydney mit zwölfmal Gold, neunmal Silber und siebenmal Bronze unangefochten Rang eins im Welt-Schwimmsport, Australien (7/5/3) behauptete den zweiten Platz. Europa blieb insgesamt hinter den Erwartungen zurück.
Nur noch Zuschauerin am letzten Finaltag war Sandra Völker, als die Niederländerin Inge de Bruijn über 50 m Freistil in 24,58 Sekunden das vierte Olympia-Gold ihrer Karriere gewann. Denn die Leipzigerin war schon als 18. der Vorläufe ausgeschieden. Die 50-m-Rücken-Weltrekordlerin, die in ihrer Laufbahn 63 internationale Medaillen gewonnen hat, kündigte trotz des persönlichen Desasters an: "Ich schwimme weiter bis zur WM 2005 in Montreal."
Das letzte Einzel-Gold im Becken von Athen holte sich der australische Weltrekordler und Sydney-Olympiasieger Grant Hackett in 14:43,40 Minuten über 1500 m Freistil vor dem Amerikaner Larsen Jensen (14:45,29). Den 13 Jahre alten Europarekord des Potsdamers Jörg Hoffmann verbesserte der Brite David Davies als Dritter um 4: 41 Sekunden auf 14:45,95.
Superstar der Schwimmwettbewerbe war der Amerikaner Michael Phelps. Obwohl der 19-Jährige im Finale seinen Platz in der Lagenstaffel seinem Freund Ian Crocker überließ, erhielt er für seine Teilnahme im Vorlauf sein insgesamt sechstes Gold. Zudem standen zwei Bronzemedaillen zu Buche. Sein großer Konkurrent Ian Thorpe (Australien) musste sich dagegen mit zweimal Gold und je einmal Silber und Bronze zufrieden geben.
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