Hamburger: Falsches Ergebnis veröffentlicht: Beim Giro nur 2 von 20 Teams sauber
zuletzt aktualisiert: 12.06.2001 - 17:38Rom (rpo). Nur zwei der 20 am 84. Giro d'Italia beteiligten Teams waren frei von Dopingmitteln. Dies meldete das italienische Fernsehen unter Berufung auf die ermittlende Staatsanwaltschaft.
Am vergangenen Donnerstag war in San Remo die größte Doping-Razzia in der Geschichte des Radsport durchgeführt worden. Sie hatte bis 1.30 Uhr der vergangenen Nacht beschlagnahmtes Material aus den Fahrer-Hotels gesichtet.
Gianni Petrucci, der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees Italiens (Coni), bat unterdessen den Radsport-Verband des Landes um einen generellen Wettkampf-Stopp gebeten, bis ein Ethik-Kodex zur Doping-Problematik verabschiedet sei. Der Dachverband wird an diesem Mittwoch entscheiden, ob der Bitte entsprochen wird.
Die vorgeschlagene Zwangspause, gegen die sich beim "Krisengipfel" in Rom, an dem auch Marco Pantani teilnahm, heftiger Widerstand regte, solle allen Radsportlern von den Jugendklassen über den Amateursport bis hin zu den Profis die Möglichkeit geben, über das Dopingproblem nachzudenken. Dieses Thema, das den Giro erschütterte und den gesamten Radsport in seinen Strudel zog, wurde am Dienstag auch in anderen Ländern wieder zum großen Thema.
Hamburger zweifelt Test-Ergebnisse an
Der vor zwei Monaten in Belgien des EPO-Dopings überführte dänische Radprofi Bo Hamburger unterstellte dem Weltverband UCI, in seinem Fall ein falsches Analyse-Ergebnis veröffentlicht zu haben. Seine B-Probe sei negativ und nicht wie veröffentlicht positiv gewesen. Sein Anwalt hätte ein entsprechendes Dokument unterschrieben, hieß es in der dänischen Zeitung "Politiken". Bei der Dauphine-Libere-Rundfahrt in Frankreich waren am Dienstag an 30 Fahren aus fünf Mannschaften Blutkontrollen vorgenommen worden, die alle keine Unregelmäßigkeiten zeigten.
Die Zahl der Personen, gegen die nach der größten Razzia in der Geschichte des Radsports wegen Verstoßes gegen das Dopinggesetz ermittelt wird, steigt in Italien stetig. Nach Angaben des italienischen Fernsehens wird in Florenz bereits "gegen über 50 Personen" ermittelt. Nach Angaben der Zeitung "La Repubblica" wird der mit dem nicht zugelassenen Blut-Dopingmittel "Hemassist" erwischte Dario Frigo noch in dieser Woche von der Staatsanwaltschaft verhört. Frigo war von seinem Team Fassa-Bartolo entlassen und als Zweitplatzierter vom Giro zurückgezogen worden.
Gegen die fünf vom italienischen Rennstall Liquigas-Pata suspendierten Radprofis Ellis Rastelli, Sergej Gontschar (Ukraine), Denis Zanette, Marco Zanotti und Giani Faresin ermittelt die Staatsanwaltschaft in Padua. Außerdem wird gegen den zweimaligen Giro-Sieger Ivan Gotti und seine Schwiegereltern ermittelt. Im Fall einer Verurteilung drohen den Fahrern in Italien bis zu drei Jahren Haft. Betreuer und Mediziner, die Doping-Mittel beschafft oder verabreicht haben, drohen bis zu sechs Jahren Gefängnis.
Auch Meier beteuert seine Unschuld
Hamburger fühlt sich zu Unrecht angeklagt, verfolgt und aus seinem Team entlassen. "Mein Anwalt und ein Mediziner waren beim zweiten Test in Lausanne dabei und haben schwarz auf weiß gesehen, dass das Ergebnis der B-Probe negativ war. Ich weiß nicht, was passiert ist, aber ich habe das Gefühl, ein kleines Rad in einem großen Spiel zu sein, in dem die UCI Zweifel an der neuen Doping-Nachweismethode nicht zulassen kann." Das sagte der von seinem Team CSC World Online entlassene Profi der Zeitung "Politiken".
Der 31-jährige, der am 19. April in Belgien nach Fleche Wallone getestet worden war - genau wie der ebenfalls überführte Schweizer Roland Meier vom Essener Coast-Team - beteuerte: "Ich habe niemals EPO genommen und bin überzeugt, dass ich das in einem Prozess beweisen werde. Mein Anwalt hat das Dokument, das eine negative B- Probe angefertigt worden war, unterzeichnet." Sein Teamchef Bjarne Riis, der 1996 für Telekom die Tour de France als erster Däne gewann und sich danach auch mit Doping-Vorwürfen auseinander setzen musste, hatte Hamburger fristlos entlassen.
Die UCI hat als erster Sportverband am 1. April 2001 das französische Urin-Test-Verfahren zum Nachweis des als Blut-Doping- Mittel eingesetzten Hormons Erythropoietin (EPO) offiziell eingeführt. Bisher sind sechs Fahrer des Dopings mit EPO überführt worden, allerdings stehen noch zahlreiche Analysen des Chaos-Giro aus.
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