Großer Abschied für Jürgen Schult: Berliner Istaf: Vier knacken Jackpot
zuletzt aktualisiert: 31.08.2001 - 23:11Berlin (rpo). Olga Jegorowa hat am Freitagabend mit einem Europarekord über 5.000 m für das sportliche Glanzlicht beim Internationalen Stadionfest (Istaf) der Leichtathleten gesorgt. Als fünffache Siegerin in der Golden League-Serie sicherte sich die Russin ebenso ihren Anteil am Jackpot aus 50 Kilogramm Gold wie die in Berlin ebenfalls triumphierenden Weltmeister Allen Johnson, Hicham El Guerrouj und Andre Bucher.
Für deutsche Siege bei dem Meeting im Olympiastadion, in dessen Rahmen 400 m-Legende Michael Johnson und Diskus-Weltrekordler Jürgen Schult feierlich verabschiedet wurden, sorgten Diskus-Weltmeister Lars Riedel und Grit Breuer über 400 m.
Mit 14:29,32 Minuten verbesserte Olga Jegorowa die vor drei Jahren an gleicher Stelle gelaufene Bestmarke der Rumänin Gabriella Szabo um 2,16 Sekunden. Der Amerikaner Johnson gewann in der eingestellten Weltjahresbestzeit von 13,04 Sekunden über 110 m Hürden. Der Marokkaner El Guerrouj feierte in 4:51,18 Minuten einen souveränen Erfolg über die selten gelaufenen 2000 m, verfehlte jedoch den angepeilten Weltrekord um rund sieben Sekunden. Einen lockeren Sieg lief auch 800 m-Weltmeister Andre Bucher aus der Schweiz in 1:43,82 Minuten heraus. Der in der Golden League-Serie zuvor vier Mal erfolgreichen Stephanie Graf misslang dagegen der große Wurf. Die WM- Zweite aus Österreich belegte über 800 m nur den dritten Rang. Es siegte Weltmeisterin Maria Mutola (Mosambik) in 1:59,19 Minuten.
Die Rumänin Violeta Szekely, die in Berlin in 4:00,80 Minuten zum siebten Mal über 1500 m triumphierte, und Sprintstar Marion Jones (USA) hatten sich bereits vorher ihren Anteil an der knapp eine Million Mark wertvollen Prämie gesichert.
Für einen stimmungsvollen Abschluss des Meetings sorgte der letzte Auftritt des neunfachen Weltmeisters Michael Johnson in Europa in einer 4 x 200 m-Staffel. Der Texaner, der die Stadionrunde seit 1993 dominierte, führte ein US-Quartett in 1:21,45 Minuten zum Erfolg über eine Staffel mit Vize-Weltmeister Ingo Schultz als Schlussläufer (1:21,85).
41 000 Zuschauer im Olympiastadion hatten zuvor Jürgen Schult bei seinem Abschied von der internationalen Bühne nach 26 Jahren Leistungssport mit Ovationen gefeiert. Zu seinem letzten Wettkampf war der 41-jährige Schweriner mit einem Trikot mit der Aufschrift "Ich bin Schult" angetreten und belegte mit 62,05 m den vierten Rang. Als ihm Meeting-Direktor Stephane Franke anschließend einen goldenen Diskus überreichte, war der Olympiasieger von 1988 den Tränen nahe.
"Ich hatte mir vorgenommen, cool zu bleiben, aber dann hat es mich doch gerissen. Der letzte Wettkampf vor diesem Publikum, das geht ans Herz und an die Nieren", gestand Schult. Seinen siebten Sieg in Berlin sicherte sich der fünffache Weltmeister Lars Riedel (Chemnitz) mit 65,86 m vor dem Weißrussen Wassili Kaptjuch (64,53) und dem WM- Dritten Michael Möllenbeck aus Magdeburg (64,14).
Für einen weiteren deutschen Erfolg bei dem Meeting mit insgesamt zwölf Weltmeistern von Edmonton sorgte Grit Breuer. Die WM-Vierte aus Magdeburg verabschiedete sich mit ihrer Siegerzeit von 50,78 Sekunden über 400 m aus dem Wettkampfjahr. Der in Kanada verletzt fehlende Zehnkämpfer Frank Busemann (Leverkusen) verpasste nur um zwölf Zentimeter einen überraschenden Erfolg im Weitsprung und musste sich mit 8,04 m dem fünffachen Weltmeister Ivan Pedroso (Kuba/8,16) geschlagen geben. Hochsprung-Weltmeister Martin Buß (Leverkusen) belegte auf ungewohntem Terrain mit 7,37 m Rang neun. Zweiter im Speerwerfen hinter Weltmeister Jan Zelezny (Tschechien) wurde der Saarbrücker Boris Henry (85,46).
Für ein herausragendes Resultat sorgte über 100 m der Nigerianer Francis Obikwelu, der mit seiner Siegerzeit von 9,98 Sekunden als siebter Sprinter in dieser Saison unter der 10 Sekunden-Marke blieb. Einen Europarekord im Stabhochsprung verpasste knapp die Russin Swetlana Feofanowa, die nach übersprungenen 4,56 m drei Mal knapp an 4,76 m scheiterte. Yvonne Buschbaum (Stuttgart) wurde mit 4,46 m Dritte.
Ergebnisse vom 60. ISTAF in Berlin:
FRAUEN:
100 m (+0,5 m/Sek.): 1. Myriam Leoni Mani (Kamerun) 11,13 Sekunden; 2. Mercy Nku (Nigeria) 11,16; 3. Kelli White (USA) 11,25, 4. Endurance Ojokolo (Nigeria) 11,26; 5. Mary Onyali-Omagbemi (Nigeria) 11,41; 6. Melanie Paschke (Wattenscheid) 11,41; 7. Gabi Rockmeier (Dortmund) 11,45
400 m: 1. Grit Breuer (Magdeburg) 50,78 Sekunden; 2. Suziann Reid (USA) 51,66; 3. Claudia Marx (Berlin) 52,26;...5. Birgit Rockmeier (Dortmund) 53,04
800 m: 1. Maria Mutola (Mosambik) 1:59,19 Minuten; 2. Diane Cummings (Kanada) 1:59,40; 3. Stephanie Graf (Österreich) 1:59,42; 4. Kelly Holmes (Großbritannien) 1:59,78; 5. Letitia Vriesde (Surinam) 2:00,26; 6. Jolanda Ceplak (Slowenien) 2:00,40...8. Yvonne Teichmann (Magdeburg) 2:01,07
1500 m: 1. Violeta Szekely (Rumänien) 4:00,80 Minuten; 2. Carla Sacramento (Portugal) 4:01,31; 3. Natalja Gorelowa (Russland) 4:01,55; 4. Kathleen Friedrich (Chemnitz) 4:04,27 (deutsche Jahresbestleistung); 5. Lidia Chojecka (Polen) 4:04,73; 6. Ludmilla Wasilewa (Russland) 4:04,73
5000 m: 1. Olga Jegorowa (Russland) 14:29,32 Minuten (Europarekord); 2. Gete Wami (Äthiopien) 14:31,69; 3. Paula Radcliffe (Großbritannien) 143:32,44; 4. Tatjana Tomaschowa (Russland) 14:39,22; 5. Leah Malot (Kenia) 14:56,95; 6. Joanne Pavey (Großbritannien) 15:00,56
400 m Hürden: 1. Julia Nosowa (Russland) 54,62 Sekunden; 2. Tatjana Tereschtschuk (Ukraine) 54,64; 3. Daimi Pernia (Kuba) 54,98; 4. Ionela Tirlea (Rumänien) 55,13
Hochsprung: 1. Kajsa Bergqvist (Schweden) 1,96 m; 2. Amy Acuff (USA) 1,93; 3. Monica Iagar-Dinescu (Rumänien) 1,90; 4. Blanka Vlasic (Kroatien) 1,90; 5. Dora Györffy (Ungarn) 1,90;...7. Elena Herzenberg (Ludwigshafen) 1,80
Stabhochsprung: 1. Swetlana Feofanowa 4,56 Meter; 2. Jelena Isinbajewa (beide Russland) 4,46; 3. Yvonne Buschbaum (Stuttgart) 4,46, 4. Monika Pyrek (Polen) 4,26
MÄNNER:
100 m (+0,6 m/Sek.): 1. Francis Obikwelu (Nigeria) 9,98 Sekunden; 2. Abdul Aziz Zakari (Ghana) 10,05; 3. Uchenna Emedolu (Nigeria) 10,11; 4. Troy Douglas (Niederlande) 10,19; 5. Frank Fredericks (Namibia) 10,29;...7. Alexander Kosenkow (Wattenscheid) 10,52; 8. Ronny Ostwald (Berlin) 10,55
800 m: 1. Andre Bucher (Schweiz) 1:43,82 Minuten; 2. Wilfred Bungei 1:44,01; 3. William Yiampoy (beide Kenia) 1:44,06; 4. Arthemon Hatungimana (Burundi) 1:44,12; 5. Joseph Mutua (Kenia) 1:44,30; 6. Nils Schumann (Berlin) 1:44,68; 7. Pawel Czapiewski (Polen) 1:45,33; 8. Paul McMullen (USA) 1:45,71
2000 m: 1. Hicham El Guerrouj (Marokko) 4:51,17 Minuten; 2. Driss Maazouzi (Frankreich) 4:55,55; 3. Enoeck Koech (Kenia) 8:55,92; 4. Gert-Jan Liefers (Niederlande) 4:56,56; 5. Shadrack Korir 4:56,62; 6. Isaac Sangok (beide Kenia) 4:56,86; 7. Wjatscheslaw Schabunin (Russland) 4:57,24
3000 m: 1. Paul Bitok 7:44,33 Minuten; 2. Mark Bett (beide Kenia) 7:44,62; 3. Hailu Mekonnen 7:44,86; 4. Kenenisa Bekele (beide Äthiopien) 7:45,05; 5. John Kibowen (Kenia) 7:45,22; 6. Wolfram Müller (Pirna) 7:45,41 (deutsche Jahresbestleistung)
110 m Hürden (+1,0): 1. Allen Johnson (USA) 13,04 Sekunden (Jahresweltbestleistung eingestellt); 2. Anier Garcia (Kuba) 13,15; 3. Dominique Arnold 13,21; 4. Mark Crear (beide USA) 13,42; 5. Dudley Dorival (Haiti) 13,58; 6. Jerome Crews (Mannheim) 13,70; 7. Mike Fenner (Wattenscheid) 13,83; 8. Florian Schwarthoff (Berlin) 13,85
3000 m Hindernis: 1. Stephen Cherono (Kenia) 8:09,59 Minuten; 2. Luis Miguel Martin (Spanien) 8:12,32; 3. Julius Nyamu 8:12,43; 4. Kipkirui Misoi 8:12,68; 5. John Langat 8:15,17; 6. Paul Koech (alle Kenia) 8:15,92
4 x 200 m: 1. Michael Johnson-Staffel 1:21,45 Minuten; 2. Ingo Schultz-Staffel 1:21,85; 3. TV Wattenscheid 1:24,29; 4. LG Nike Berlin 1:27,54; 5. SCC Berlin 1:30,30
Weitsprung: 1. Ivan Pedroso (Kuba) 8,16 m; 2. Frank Busemann (Leverkusen) 8,04; 3. Kevin Dilworth (USA) 7,96; 4. James Beckford (Jamaika) 7,93; 5. Younes Moudrik (Marokko) 7,88; 6. Kofi Amoah Prah (Berlin) 7,78; 7. Schahrir Bigdeli (Leverkusen) 7,75;...9. Martin Buß (Leverkusen) 7,37
Diskuswerfen: 1. Lars Riedel (Chemnitz) 65,86 m; 2. Wassili Kaptjuch (Weißrussland) 64,53; 3. Michael Möllenbeck (Wattenscheid) 64,14; 4. Jürgen Schult (Schwerin) 62,05, 5. Michael Lischka (Frankfurt/Main) 61,09
Speerwerfen: 1. Jan Zelezny (Tschechien) 88,29 m; 2. Boris Henry (Saarbrücken) 85,46; 3. Björn Lange 81,58; 4. Raymond Hecht (beide Magdeburg) 81,28; 5. Dariusz Trafas (Polen) 79,86; 6. Mark Franik (Rostock) 77,83;...8. Peter Blank (Franbkfurt/Main) 76,65
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