Tennis: Ende nach elf Jahren: Bernd Karbacher gibt Kampf gegen die Schmerzen auf
zuletzt aktualisiert: 18.07.2000 - 16:05Stuttgart (dpa). Bernd Karbacher hat den Kampf um Ranglisten- Punkte und gegen die Schmerzen aufgegeben und beim ATP-Turnier in Stuttgart seinen Rücktritt als Tennisprofi bekannt gegeben. Nach dem 3:6, 2:6 gegen Andrej Medwedew (Ukraine) in der ersten Runde der mit einer Million Dollar dotierten Veranstaltung sagte der 31-Jährige Münchner seinem Sport am Dienstag leise "Servus" - genauso unspektakulär, wie er auf und außerhalb des Tennisplatzes agierte. "Ich fand es sehr nett, das war nett gemacht", sagte Karbacher nach seiner Verabschiedung auf dem Center Court durch den Stuttgarter Turnier-Direktor Bernd Nusch.
Der Grund für den Abschied nach einer elfjährigen Profikarriere liegt in Karbachers Gesundheit. "Es lag an meinen Knieproblemen. Seit letztem Jahr konnte ich meist ohne Schmerztabletten kaum noch spielen", erklärte der Münchner, der in der Weltrangliste "Champions Race" bis auf Rang 245 abgerutscht ist. "Die Ärzte sagten mir, dass es nicht besser wird. Es hätte ein Jahr gedauert, bis ich mich wieder unter die Top 100 zurück gekämpft hätte. Dann wäre ich 33, und dazu fehlt mir die rechte Lust", gestand Karbacher.
Erst mit 24 konnte sich der Spieler mit der Frisur wie Prinz Eisenherz 1992 für das Hauptfeld eines ATP-Turniers qualifizieren. Anders als anderen Senkrechterstartern blieb ihm ein kometenhafter Aufstieg verwehrt. Platz 22 im April 1995 war seine beste Weltranglisten-Platzierungen. Im Jahr zuvor hatte Karbacher das beste Jahr seine Profikarriere erlebt. Neben dem Gewinn des Turniers von Bastad und des World-Team-Cups mit der deutschen Mannschaft in Düsseldorf erreichte er auch noch das Viertelfinale beim Grand-Slam- Turnier von Flushing Meadows.
1996 unterlag er in Paris im Viertelfinale von Roland Garros nur knapp dem Schweizer Mark Rosset. "Ich war nur zwei Punkte vom Sieg entfernt. Es war das bitterste Match in meinem Leben", erinnert sich der im österreichischen Jochberg lebende Münchner. Gerne denkt er auch an die raren Erfolgserlebnisse mit den Größen seiner Zunft zurück: "In Indianapolis gegen Sampras 6:1 im dritten Satz zu gewinnen oder gegen Boris Becker in Hamburg, das war schon was."
In Stuttgart wird Bernd Karbacher nur noch das Doppel ander Seite von Karsten Brasch (Hagen) bestreiten. Nach einigen Bundesligaspielen für Hagen wird er den Tennisschläger dann endgültig aus der Hand legen. Genaue Zukunftspläne hat der Billard - und FC Bayern München- Fan noch nicht geschmiedet. "Auf jeden Fall nichts, was mit Tennis zu tun hat. Am meisten ist mir nämlich die ganze Reiserei auf die Nerven gegangen", bekannte er.
Am Ende seiner Profikarriere, in der er Preisgeld in Höhe von gut zwei Millionen Dollar einstreichen konnte, ist Karbacher mit sich und der Welt im Reinen: "Ich hätte noch mehr erreichen können, wenn ich mehr trainiert hätte. Ich habe Tennis aber nie als Arbeit gesehen."
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