Daviscup: John McEnroe plant spektakuläres Comeback: "Betet für mich!"
zuletzt aktualisiert: 13.07.2000 - 14:34White Plains/New York (sid) Einer der größten Daviscupspieler aller Zeiten plant ein spektakuläres Comeback. "Was soll ich denn machen, ich habe keine Spieler mehr", erklärte US-Kapitän John McEnroe seine ungewöhnliche Maßnahme, sich selbst acht Jahre nach seinem Rücktritt für das Halbfinale vom 21. bis 23. Juli in Santander gegen Spanien zu nominieren. Im Februar ist "Mac the Brat" 41 Jahre alt geworden, dennoch fühlt er sich fit genug, um mitzuhalten: "Aber nur im Doppel. Und es wäre nett, wenn jemand für mich beten könnte."
Der Ausfall der beiden Superstars Pete Sampras (Fußverletzung) und Andre Agassi (Autounfall) hat die Misere im US-Tennis wenige Tage vor dem Daviscup-Halbfinale schonungslos aufgedeckt. "Zwischen Pete und Andre klafft eine Riesenlücke", kritisierte McEnroe auf einer Pressekonferenz in White Plains/New York: "Auch unser Nachwuchs ist nur Durchschnitt, das US-Tennis steckt in einer tiefen Krise."
Todd Martin ist in Santander der "Leitwolf" einer aus der Not geborenen Mannschaft, der außerdem noch Jan-Michael Gambill, Chris Woodruff und McEnroe als "playing captain" angehören. Michael Chang sagte ab, weil er an dem fraglichen Wochenende Gastredner bei einer christlichen Podiumsdiskussion ist. "Bleiben noch Paul Goldstein und Vince Spadea", so McEnroe: "Aber die habe ich bisher nicht erreicht." Sie wären auch nicht unbedingt die ideale Besetzung, Spadea hat in diesem Jahr erst ein einziges Einzel gewonnen.
Und so will also der Meister aus längst vergangenen Tennistagen im Kampf gegen Alex Corretja, Juan Carlos Ferrero, Albert Costa und Juan Balcells auf der roten Asche von Santander selbst zum Racket greifen. Auf der Senior Tour hat sich "Mac" fit gehalten, mit Steffi Graf 1999 in Wimbledon Mixed gespielt.
McEnroes Daviscupbilanz ist beeindruckend: Zwischen 1978 und 1992 spielte der Linkshänder insgesamt 69 Matches, davon gewann er 59, seine Einzelbilanz steht bei 41:8. Fünfmal - 1978, 1979, 1981, 1982 und 1992 - gewann McEnroe als Spieler den Cup. 1992 im Finale gegen die Schweiz in Fort Worth trat er an der Seite von Pete Sampras ebenfalls nur im Doppel an.
Sollte er auch gegen Spanien auf den Platz gehen, will McEnroe keinesfalls den Clown spielen. "Ich würde nie antreten, wenn ich nicht das Gefühl hätte, gewinnen zu können", erklärte er selbstbewusst. Immerhin gehörte McEnroe, langjährige Nummer eins der Weltrangliste und dreimaliger Wimbledonsieger, auch als Doppelspieler zur Weltspitze. Mit seinem Landsmann Peter Fleming gewann er fünfmal Wimbledon und viermal die US Open.
Die Hiobsbotschaft vom Ausfall Agassis hatte McEnroe am Mittwochabend erreicht. Agassi war auf dem Weg vom Flughafen in Las Vegas zu seinem Anwesen, als ein anderer Autofahrer auf sein Fahrzeug auffuhr. Der Wimbledon-Halbfinalist klagte danach über Schmerzen im Rücken und im Schlagarm, den er nicht mehr in Schulterhöhe heben konnte. Sampras sagte den Daviscup wegen einer Fußverletzung ab, die ihn bereits auf dem Weg zu seinem siebten Wimbledonsieg behindert hatte.
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