Eishockey: Spieler sollen eine Million kassiert haben: Betrug beim Arbeitsamt?
zuletzt aktualisiert: 23.06.2001 - 16:39Hannover (rpo). Eishockey-Profis aus mehreren Städten Deutschlands sollen in den vergangenen Jahren widerrechtlich rund eine Million Mark Arbeitslosengeld kassiert haben. Das bestätigte am Samstag Staatsanwalt Thomas Klinge (Hannover). Ermittelt werde derzeit gegen zwei Mitarbeiter des Arbeitsamtes Hannover.
Am Freitag hatte die Staatsanwaltschaft unter anderem die Büros und die Wohnungen der beiden des Betrugs Beschuldigten sowie die Geschäftsräume der Hannover Scorpions aus der Deutschen Eishockey- Liga (DEL) durchsucht. "Gegen die Profis wird noch nicht ermittelt, und nach den bisherigen Erkenntnissen hat der Verein nicht mitgewirkt", sagte Klinge.
Die meisten der betroffenen Spieler haben bei den Scorpions gespielt, aber auch Profis von anderen Clubs, darunter in Essen, Oberhausen und Hamburg, sollen widerrechtlich Arbeitslosengeld kassiert haben. Dazu seien die ausländischen Akteure im Bereich des Arbeitsamtes Hannover gemeldet gewesen, obwohl der tatsächliche Wohnort woanders gelegen habe, erklärte Klinge: "Es wurden extra Wohnsitze fingiert." Das Geld sei für den Zeitraum zwischen den Spielzeiten beantragt und dann von den Beschuldigten bewilligt worden. Die Profis hätten sich währenddessen in ihrer Heimat befunden und dem Arbeitsmarkt damit nicht zur Verfügung gestanden.
Einen Anspruch hätten die Eishockey-Profis nur gehabt, wenn eine Vermittlung möglich gewesen wäre. Das sei aber offensichtlich nicht der Fall, sagte Klinge. Scorpions-Geschäftsführer Jochen Haselbacher sagte: "Wir haben damit nichts zu tun." Haselbacher berichtete von einem Spieler, der mit einem entsprechenden Wunsch an ihn herangetreten sei: "Wir haben das abgelehnt."
Die beiden beschuldigten Arbeitsamts-Mitarbeiter und deren Kontakte zu einigen Spielern waren dem Clubchef allerdings bekannt. Seiner Frau Christiana habe einer der beiden gesagt, dass die Rechtslage einen Anspruch auf Arbeitslosengeld rechtfertige. "Wir haben das aber abgelehnt", sagte Haselbacher.
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